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Horror-Tat in London "Teufelspakt"-Mord an Schwestern: Satanist muss lebenslang ins Gefängnis

Die Gerichtszeichnung zeigt den verurteilten Mörder während der Urteilsverkündung
Die Gerichtszeichnung zeigt den verurteilten Mörder während der Urteilsverkündung
© Elizabeth Cook / DPA
Die Tat erregte international viel Aufsehen: In einem Londoner Park werden zwei Frauen getötet. Verantwortlich ist ein junger Mann, sein Motiv ein "Pakt mit dem Teufel".

Es sind Selfies voller Lebensfreude: Zwei Schwestern tanzen, lachen, feiern den Geburtstag der Älteren. Das letzte Foto deutet den Horror an, der folgt. Überrascht schauen die 46 und 27 Jahre alten Frauen auf dem Bild zur Seite – und sehen dort wahrscheinlich ihren Mörder. Kurz danach sind sie tot, Zufallsopfer, erstochen von einem 18-Jährigen mit einem erschreckenden Motiv. Opfer für "Satan" wollte der junge Mann darbringen – im Gegenzug für den Gewinn eines 380-Millionen-Euro-Jackpots. Dafür verurteilte das Londoner Strafgericht Old Bailey ihn am Donnerstag zu lebenslanger Haft, mindestens aber 35 Jahren.

Der Fall löste Entsetzen aus, wegen der Tatumstände, aber auch wegen Fehler und Vergehen der Ermittler. Die Mutter der Opfer, Mina Smallman, lehnte eine Entschuldigung der Londoner Polizeichefin Cressida Dick wegen schlampiger Polizeiarbeit ab. So wurden die Vermisstenanzeigen nicht wie vorgeschrieben aufgenommen, daher startete die Suche erst 36 Stunden später nach der Tat in der Nacht zum 6. Juni 2020. "Die Entschuldigung hätte persönlich erfolgen müssen und nicht zehn Monate später", kritisierte Smallman zwei Tage vor dem Urteil.

Beamte verschickten Leichen-Fotos per WhatsApp

Hinzu kommt: Zwei Beamte machten Fotos der Leichen, verschickten die Bilder über WhatsApp. Sie stehen demnächst vor Gericht. Gefunden wurden die Leichen schließlich vom Freund der 27-Jährigen.

Von ihren Töchtern verabschiedete sich Mina Smallman mit erhobenem Haupt. "Tolle Mädchen – ich bin stolz auf sie." Über die ältere Tochter sei sie im vergangenen Jahr Urgroßmutter geworden.

Für den Täter hatte Smallman harte Worte über. Sie gehe davon aus, dass der mittlerweile 19-Jährige nie mehr frei komme – solch "Böses" sei ihr bisher nie begegnet. "Es ist alles eine Show", warf sie dem Mann vor, der keine Aussage machte und nur erklärte, er habe mit den Morden nichts zu tun. "Es ist nichts falsch mit ihm. Er ist einfach ein widerwärtiger Mensch", sagte Smallman. Die Verteidigung hatte keine psychischen oder gesundheitlichen Probleme geltend gemacht. 2017 und 2018 hatte er nach der Verbreitung rechtsradikaler Propaganda an einem Deradikalisierungsprogramm teilgenommen. Smallman warnte: "Falls er nicht geschnappt worden wäre, hätten vier weitere Familien erleiden müssen, was wir erlitten haben."

Teufelspakt: Weitere Taten geplant

Denn offensichtlich ist, dass der 19-Jährige noch weitere Taten geplant hatte. Alle sechs Monate wolle er "Satan" sechs Frauen als Opfer bringen, hatte er in einem mit seinem eigenen Blut unterschriebenen "Vertrag" geschrieben, den die Polizei bei ihm fand. Offensichtlich wurde er von Aussagen und Posts eines Satanisten beeinflusst, dem bei Facebook rund 200.000 Menschen folgten – das Online-Netzwerk sperrte den Account mittlerweile.

Die Tat hatte der junge Mann akribisch vorbereitet. In den folgenden Tagen gab er 162,88 Pfund für Lotteriescheine aus, gewann aber nicht. Geschnappt wurde er schließlich über DNA-Spuren. Ermittler fanden Blut am Tatort, das nicht zu den Schwestern gehörte. Ein Abgleich ergab einen Treffer: Den Vater des 19-Jährigen, der eine Vorstrafe hat. Daraufhin wurde der junge Mann mit Hilfe von Aufnahmen von Überwachungskameras identifiziert, wie er Messer in einem Supermarkt kaufte und wie er nach der Tat nach Hause ging.

"Sie haben sie überrascht, in Schrecken versetzt und Sie haben sie getötet", sagte Richterin Philippa Whipple in ihrem Urteil an den jungen Mann gewandt, der über Video zugeschaltet war. Sie nannte die Tat einen "bizarren" Pakt für Reichtum und Macht. Dass der Täter vorzeitig freikommen kann, liegt lediglich an seinem Alter, wie Staatsanwalt Oliver Glasgow klar machte. Ermittlerin Maria Green betonte, das Strafmaß spiegele die Schwere des Verbrechens wider. Der Täter habe die Leben zweier Frauen genommen, "die doch nur einen Geburtstag feierten", sagte Green.

tis / Benedikt von Imhoff DPA

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