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Massaker an US-Grundschule 18-jähriger Schütze tötet mindestens 19 Kinder – Biden wendet sich an die Nation

Massaker an US-Grundschule: 18-jähriger Schütze tötet mindestens 19 Kinder – Biden wendet sich an die Nation
Sehen Sie im Video: Biden für strengere Waffengesetze nach Schüssen an Grundschule.




Schreck und Trauer steht ihnen ins Gesicht geschrieben: den Eltern von Kindern an der Robb Elementary Grundschule im US-Bundesstaat Texas. Ein 18-Jähriger war am Dienstag in die Schule eingedrungen, und hat mindestens 19 Kinder und drei Erwachsene erschossen, so die Angaben der örtlichen Polizei. Der Täter selbst sei ebenfalls getötet worden, offenbar durch Polizisten am Tatort, sagte Gouverneur Greg Abbott am Dienstag in einer ersten Stellungnahme. Details zu den genauen Hintergründen lagen zunächst nicht vor. Die Ermittler gehen aber von einem Einzeltäter aus. Zwei Polizisten sind nach Abbotts Angaben bei dem Schusswechsel leicht verletzt worden. Der Sender CNN berichtete, dass der Schütze zuerst seine Großmutter erschossen habe, bevor er zu der Schule gefahren sei und diese dann mit einem Gewehr und einer Pistole betreten habe. Die Universitäts-Klinik in San Antonio twitterte, es seien zwei Verletzte aus der Schießerei aufgenommen worden, eine 66 Jahre alte Frau und ein zehn Jahre altes Mädchen. Beide seien in einem kritischen Zustand. US-Präsident Joe Biden äußerte sich noch am Dienstag zu dem Vorfall. Er kündigte an, infolge des Vorfalls das Verbot von Angriffswaffen und "Waffengesetze mit gesundem Menschenverstand" wieder einzuführen. Unschuldige Zweit-, Dritt- und Viertklässler hätten in "einem weiteren Massaker" ihr Leben gelassen, so der sichtlich bewegte Biden in Washington. "Als Nation müssen wir uns fragen: 'Wann in Gottes Namen bieten wir der Waffenlobby die Stirn?”
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Die Zahl der Toten nach einem tödlichen Amoklauf in Texas ist weiter gestiegen. Den Ermittlen zufolge sind 19 Menschen gestorben. US-Präsident Joe Biden fordert nun strengere Waffengesetze.

Ein 18-Jähriger hat in einer Grundschule im US-Bundesstaat Texas das Feuer eröffnet und mindestens 19 Schulkinder getötet. Es handelt sich um eines der verheerendsten Schulmassaker in der US-Geschichte. Den Ermittlern zufolge betrat der Schütze am Dienstagnachmittag die Grundschule in der Kleinstadt Uvalde und schoss um sich. Auch mindestens zwei Erwachsene wurden bei dem Vorfall getötet. Der Schütze wurde ersten Erkenntnissen nach von Sicherheitskräften getötet. Es war unklar, ob er zu den erwachsenen Todesopfern gezählt wurde. US-Präsident Joe Biden wandte sich nach dem Massaker an die Nation und forderte strengere Waffengesetze.

Die Polizei von Uvalde machte zunächst keine Angaben zu der Zahl der Todesopfer. Erick Estrada von Ministerium für öffentliche Sicherheit in Texas äußerte sich im Gespräch mit dem Sender CNN zu den Zahlen. Er schilderte auch die Ereignisse vor dem Massaker. Der Angriff ereignete sich an einer Grundschule der 135 Kilometer westlich von San Antonio gelegenen Kleinstadt Uvalde. Der Angreifer hatte nach Angaben von Beamten des texanischen Ministeriums für öffentliche Sicherheit zunächst auf seine Großmutter geschossen. Anschließend floh er bewaffnet mit mindestens einem Gewehr in seinem Auto.

Nach einem "spektakulären" Unfall drang er in die Robb Elementary School ein, wo er in mehreren Klassenzimmern das Feuer eröffnete. Dabei tötete er neben den 19 Kindern auch zwei Erwachsene, darunter mindestens eine Lehrkraft. Die Grundschule hat rund 500 Schüler, die meisten von ihnen haben hispanische Wurzeln. Donnerstag wäre ihr letzter Schultag gewesen. Polizisten hatten noch versucht, ihn am Betreten der Schule zu hindern. Sie erschossen den mit einer Schutzweste ausgestatteten Angreifer schließlich.

Bei dem Schusswechsel wurden Gouverneur Greg Abbot zufolge auch zwei Beamte leicht verletzt. Die Großmutter des Verdächtigen wurde mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht. Ihr Gesundheitszustand ist unklar. Abbott nannte den Namen des Verdächtigen als Salvador Ramos. Sein Motiv war zunächst unklar. Die Polizei geht davon aus, dass er allein handelte. Auf mittlerweile gelöschten Fotos auf der Bilderplattform Instagram hatte er halbautomatische Gewehre präsentiert.

Biden: "Wir müssen uns fragen, wann wir der Waffenlobby die Stirn bieten"

Biden ordnete umgehend an, angesichts der verheerenden Attacke bis einschließlich Samstag die Flaggen auf allen öffentlichen Gebäuden in den USA auf halbmast zu setzen. Er war am Abend gerade erst von einer mehrtägigen Asien-Reise zurückgekehrt. Begleitet von seiner Ehefrau Jill hielt er kurz nach seiner Landung eine Rede im Weißen Haus. "Als Nation müssen wir uns fragen, wann in Gottes Namen wir der Waffenlobby die Stirn bieten werden", sagte er. Die Vorstellung, dass ein 18-jähriger Junge in ein Waffengeschäft gehen und zwei Sturmgewehre kaufen könne, sei einfach falsch.

Zuvor hatte sich Vize-Präsidentin Kamela Harris geäußertund neue politische Maßnahmen gefordert. "Genug ist genug", sagte Harris am Dienstagabend (Ortszeit) in Washington. "Als Nation müssen wir den Mut haben, zu handeln." Es müssten Maßnahmen ergriffen werden, die sicherstellen, dass derartige Verbrechen nicht mehr geschehen, sagte Harris – ohne konkret zu werden. "Unsere Herzen werden immer wieder gebrochen."

"Ich bin angewidert und müde", sagte Joe Biden. "Sagen Sie mir nicht, dass wir keinen Einfluss auf dieses Gemetzel haben können", sagte er an die Adresse der Republikaner, die sich gegen strengere Waffengesetze wehren. Die Waffenflut im Land, insbesondere Sturmgewehre, müsse stärker reguliert werden. Biden zeigt immer wieder mit dem Finger auf den US-Kongress, wenn es um strengere Waffengesetze geht. Viele Republikaner lehnen schärfere Regulierungen ab – die Waffenlobby ist in den USA sehr mächtig. Für weitreichende Gesetzesänderungen fehlen Bidens Demokraten die nötigen Stimmen im US-Senat.

Obama: "Unser Land ist gelähmt"

Auch der ehemalige US-Präsident Barack Obama hat den Angehörigen sein Beileid ausgesprochen und Wut über die Waffenlobby geäußert. "Michelle und ich trauern mit den Familien in Uvalde", schrieb Obama am Dienstagabend (Ortszeit) auf Twitter. "Sie erleben einen Schmerz, den niemand ertragen sollte." Er und seine Frau seien auch wütend, fügte der US-Demokrat hinzu und kritisierte in diesem Zusammenhang die oppositionellen US-Republikaner.

"Unser Land ist gelähmt, nicht durch Angst, sondern durch eine Waffenlobby und eine politische Partei, die keine Bereitschaft gezeigt haben, in irgendeiner Weise zu handeln, um diese Tragödien zu verhindern", erklärte Obama. Es sei längst an der Zeit zu handeln, schrieb der Ex-US-Präsident. Dass Familien noch auf konkrete Maßnahmen warten müssten, sei eine weitere Tragödie.

Amokläufe an Schulen in USA keine Seltenheit

Amokläufe, auch an Schulen, kommen in den USA in trauriger Regelmäßigkeit vor. Besondere Erschütterung hatte ein Massaker an einer Grundschule vor zehn Jahren ausgelöst: Im Dezember 2012 hatte ein 20-Jähriger an der Grundschule Sandy Hook um sich geschossen. Damals wurden 20 Schulkinder und sechs Lehrkräfte getötet. Und erst vor gut einer Woche hatte ein Schütze mit einem Sturmgewehr in Buffalo im US-Bundesstaat New York in einem Supermarkt das Feuer eröffnet, zehn Menschen erschossen und drei weitere verletzt. Er wurde noch am Tatort festgenommen. Den Ermittlern zufolge war die Tat rassistisch motiviert – 11 der 13 Opfer waren schwarz.

Über den Hintergrund der Tat in Uvalde war zunächst wenig bekannt. Die Ermittler hielten sich bedeckt. Medienberichten nach soll der Schütze die bei der Tat verwendete Waffe vor rund einer Woche kurz nach seinem 18. Geburtstag gekauft haben. Das Verhalten des Schützen habe sich zuletzt verändert, zitierte die "Washington Post" einen Jugendfreund des Schützen. Er habe bei seiner Mutter und manchmal bei seiner Großmutter gelebt und sich in letzter Zeit aggressiv verhalten.

USA: 103 Tote bei 61 Amokläufen im vergangenen Jahr

Im vergangenen Jahr zählte die US-Bundespolizei FBI 61 Amokläufe mit Schusswaffen in den Vereinigten Staaten. Das seien mehr als 50 Prozent mehr als im Jahr zuvor, teilte das FBI am Montagabend (Ortszeit) in Washington mit. Seit 2017 habe sich die Zahl verdoppelt. 2021 seien bei Amokläufen 103 Menschen getötet und 140 verletzt worden. Auch das sei ein Anstieg um knapp 50 Prozent gegenüber 2020. 60 der 61 Schützen waren den Angaben zufolge Männer. Das FBI nutzt für die Zählung eine strenge Definition: Es geht ausschließlich um Fälle, in denen ein Täter in der Öffentlichkeit auf Menschen schießt, um sie zu töten. Nicht beachtet werden klassische Kriminalfälle mit Waffengewalt oder etwa Schießereien unter Bandenmitgliedern.

Das Ausmaß an Waffengewalt insgesamt ist in den USA ungleich größer. Es kommt regelmäßig zu tödlichen Vorfällen mit Schusswaffen, die dort leicht zu kaufen sind. Die Gesundheitsbehörde CDC verzeichnete in ihrer jüngsten Statistik aus dem Jahr 2020 insgesamt 45.222 Schusswaffentote in den USA – mehr als 120 Tote pro Tag.

rw / cl AFP DPA

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