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Prozess in Texas: Mutter behauptet, ihr kleiner Sohn habe Krebs und lässt ihn 13-mal operieren – dabei war er gesund

Über Jahre schleppt eine Mutter aus Texas ihr Kind immer wieder zu Ärzten, will es sogar auf die Spenderliste für eine Lungentransplantation setzen. Dann kommt heraus: Dem Jungen fehlt gar nichts. Nun wurde die Frau verurteilt.

Die Mutter dreier Kinder ist in Texas, USA zu sechs Jahren Haft verurteilt worden

Die Mutter dreier Kinder ist in Texas, USA zu sechs Jahren Haft verurteilt worden

Ein mittlerweile zehn Jahre alter Junge aus dem US-Bundesstaat Texas hat große Teile seiner frühen Kindheit in Krankenhäusern und bei Ärzten verbracht, dabei war er offenbar kerngesund. Laut US-Medien brachte seine Mutter ihn allein in den ersten sieben Jahren seines Lebens 323-mal zum Arzt. Mehrfach habe sie behauptet, dass ihr Sohn an Krebs erkrankt sei. 13 Operationen führten Ärzte demnach in verschiedenen Krankenhäusern an dem Jungen durch, darunter zum Beispiel das Einführen einer Ernährungssonde. Zwischenzeitlich soll die Mutter sogar versucht haben, das Kind wegen einer sehr seltenen Lungenkrankheit auf eine Spenderliste für eine Transplantation zu bekommen. Nun wurde die Frau zu sechs Jahren Haft verurteilt. Sie hatte sich schuldig bekannt, ein Kind verletzt zu haben, wie unter anderem die "Washington Post" und NBC News berichten.

Manche der Eingriffe an dem Jungen sollen demnach selbst zu Komplikationen geführt haben. Dreimal litt er laut dem Lokalblatt "Fort Worth Star-Telegram" an einer lebensgefährlichen Blutvergiftung. Die Mutter soll auch dafür gesorgt haben, dass der Kleine ständig per Schlauch in der Nase mit Sauerstoff versorgt wird. Immer wieder habe sie Mediziner belogen, sich Symptome für das Kind ausgedacht und ständig die Ärzte gewechselt. Im Netz soll sie 2015 außerdem Spenden für ihr angeblich todkrankes Kind gesammelt haben.

Mediziner schlugen irgendwann Alarm

Das falsche Spiel der Mutter flog den Berichten zufolge erst 2017 auf, wie mehrere lokale Medien berichten. Die US-Behörde für den Schutz von Kindern sei damals von mehreren Krankenhäusern in Dallas und Houston auf den Fall aufmerksam gemacht geworden. Mediziner dort seien ob der zahlreichen Besuche zunehmend misstrauisch geworden. Die Behörde nahm der Mutter nach einer Untersuchung den Jungen und seine beiden Halbgeschwister weg, einen kleineren Bruder und eine ältere Schwester.

Laut "Fort Worth Star-Telegram" kämpft der Vater des Kindes seit Jahren dafür, das Sorgerecht für den Jungen zu bekommen. Er und die Mutter hätten nur eine sehr kurze Beziehung geführt, die Schwangerschaft sei nicht geplant gewesen und die beiden zogen den Kleinen daher auch nicht gemeinsam auf. Dennoch sei der Vater bald nach der Geburt des Kindes 2009 misstrauisch geworden. "Sie hat immer gesagt, Christopher ist krank. Jede Woche, jeden Monat", wurde er 2017 von dem Blatt zitiert. Immer sei "irgendetwas falsch" mit den Jungen gewesen, hätte die Mutter behauptet. 

Vor Familiengerichten habe der Vater im Laufe der Jahre mehrere Niederlagen einstecken müssen. Mittlerweile lebe Christopher aber bei ihm und er sei überrascht, wie gut es dem Kind gehe. "Man würde ja denken, er wäre total im Eimer", so der Vater gegenüber dem "Fort Worth Star-Telegram". "Aber er ist so lieb, so nett, so verspielt. Man würde gar nicht darauf kommen, dass er all diesen Missbrauch durchgemacht hat."

Das "Münchhausen-Stellvertretersyndrom"

Das Verhalten der Mutter in diesem Fall erinnert an das "Münchhausen-Stellvertretersyndrom", eine sehr seltene psychische Störung. Dabei erfinden, übersteigern oder verursachen Menschen bei anderen Krankheiten oder deren Symptome. Die Opfer sind zu allermeist Kinder, die Täter fast zu 100 Prozent Frauen, in der Regel die Mütter. Meist geht es diesen darum, sich im Anschluss als besonders liebe- und aufopferungsvolles Elternteil zu inszenieren. Aus den Berichten geht jedoch nicht hervor, ob bei der Dame aus Texas diese Störung auch diagnostiziert wurde.

Quellen: "Washington Post" / "Fort Worth Star-Telegram" / NBC News

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