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Neues Gesetz Thailand will Sexualstraftäter früher freilassen – wenn sie sich chemisch kastrieren lassen

Gefängnis in Thailand
Sexualstraftäter in Thailand könnten bald vor der Entscheidung stehen: Sollen sie sich für eine Freilassung kastrieren lassen?
© sakhorn38 / Getty Images
In Thailand könnten Sexualstraftäter bald früher freikommen. Voraussetzung: Sie müssen sich dafür chemisch kastrieren lassen. Die Regierung erhofft sich dadurch mehr Schutz für Frauen.

Sexualstraftäter in Thailand könnten bald früher als geplant aus der Haft entlassen werden. Dazu müssten sie allerdings einer chemischen Kastration zustimmen. Das sieht ein neues Gesetz vor, dass bereits im März vom thailändischen Unterhaus verabschiedet wurde und nun auch im Senat eine große Mehrheit bekommen hat, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. 

Allerdings müssen noch das Repräsentantenhaus sowie der König dem Gesetz zustimmen. "Ich wünsche mir, dass dieses Gesetz schnell verabschiedet wird", sagte Thailands Justizminister Somsak Thepsuthin. "Ich will keine Nachrichten mehr über schlimme Dinge sehen, die Frauen passieren." Mit der Kastration soll verhindert werden, dass verurteilte Sexualstraftäter erneut straffällig werden.

Thailand: Verkürzte Haftzeit für kastrierte Straftäter

Somit richtet sich das "Angebot" insbesondere an solche Insassen, bei denen zu befürchten ist, dass sie rückfällig werden. Laut Statistiken der Regierung wurde ein zwischen 2013 und 2020 etwa ein Viertel der aus der Haft entlassenen Sexualstraftäter rückfällig.

Bei der chemischen Kastration wird den Männern ein Mittel verabreicht, das den Testosteronspiegel senkt. Im Gegenzug dürfen sie dann früher in die Freiheit zurückkehren. Voraussetzung ist die Zustimmung von zwei Ärzten. Der Gesetzentwurf sieht außerdem vor, dass die Täter nach der chemischen Kastration noch zehn Jahre überwacht werden und elektronische Armbänder tragen müssen.

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Während sich die Regierung davon einen stärkeren Schutz für Frauen verspricht, kritisiert die Organisation "Women and Men Progressive Movement Foundation", die sich gegen sexuelle Gewalt in Thailand einsetzt, den Vorschlag. "Die Rehabilitation von Straftätern sollte erfolgen, indem sie während der Haft ihre Denkweise ändern", sagte Direktor Jaded Chouwilai und verglich die Kastration mit der Todesstrafe – der Staat würde damit resignieren und zeigen, dass ein Täter nicht mehr zu rehabilitieren sei.

In anderen Staaten wird die chemische Kastration bei Sexualstraftätern bereits angewendet, unter anderem in Polen, Südkorea, Russland sowie einigen US-Bundesstaaten. 

Quelle: Reuters

epp

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