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The World's Most Wanted: Auf globaler Verbrecherjagd

Das Verbrechen kennt keine Grenzen mehr - und die Jagd nach Kriminellen ist ein globalisierter Wettlauf zwischen Räuber und Gendarm. stern.de stellt in der Serie "The World's Most Wanted" zehn außergewöhnliche Verbrecher vor. Sie sind abgetaucht - und halten die Welt weiterhin in Atem.

In Deutschland machte die Sache keine großen Schlagzeilen, doch in Lyon und Kigali freute man sich über einen beachtlichen Schlag gegen das Verbrechen: Am 7. Juli nahm die deutsche Grenzpolizei am Frankfurter Flughafen Callixte Mbarushimana, 45, fest, einen vermeintlichen Hintermann und Täter des Völkermordes in Ruanda 1994. "Diese Festnahme beweist deutlich die Wirksamkeit der Zusammenarbeit zwischen Behörden über Grenzen hinweg", sagte Jean-Michel Louboutin, leitender Direktor für Polizeidienste bei der internationalen Fahndungsbehörde Interpol mit Sitz im französischen Lyon.

Das Verbrechen ist eine internationale Herausforderung

Zwei Wochen zuvor hatte Interpol eine Liste um die Welt geschickt, die alle gesuchten Flüchtigen mit Verbindungen zu den Verbrechen in Ruanda aufzeigte. Vor der Festnahme Mbarushimas in Hessen hatte das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden und die ruandische Interpol-Kontaktstelle in Kigali intensiv kommuniziert. Als die Fahnder zugriffen, war der vermeintliche Verbrecher gerade auf dem Weg in seinen Flieger nach Sankt Petersburg.

Im Zeitalter der Globalisierung ist auch das Verbrechen zunehmend eine internationale Herausforderung. Kriminelle Organisationen vernetzen sich über Grenzen hinweg, Einzeltäter flüchten aus ihren Herkunftsländern, Vermögen werden nach Übersee verschoben. Die Arbeit der Ermittler kann sich schon lange nicht mehr auf fest umrissene Gebiete beschränken. Der Austausch mit Kollegen in anderen Ländern und mit den internationalen Polizeibehörden gewinnt einen immer größeren Stellenwert. BKA-Präsident Jochen Ziercke ist überzeugt: "Polizisten wollen kooperieren, nicht konkurrieren, sie wollen Allianzen bilden, um Kriminalität und Gewalt noch effektiver zu bekämpfen." Dabei sei insbesondere die vernetzte Kommunikation der Behörden um den Globus entscheidend.

Welche Verbrecher porträtieren wir?

stern.de hat in seiner Serie "Germany's Most Wanted" die meistgesuchten Verbrecher der Bundesrepublik beleuchte. Nun erweitern wir das Blickfeld. In der Serie "The World's Most Wanted" porträtieren wir zehn weltweit gesuchte Verbrecher. Wie die Festnahme vom Frankfurter Flughafen zeigt, können die Beobachtungen eines deutschen Grenzbeamten hilfreich sein, um ein Gewaltverbrechen in Ostafrika aufzuklären und Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Amerikanische Fahnder vom Federal Bureau of Investigation (FBI) stellen ihr Material heute auch europäischen Fernsehsendungen wie "Aktenzeichen XY...ungelöst" zur Verfügung, weil sie sich wertvolle Hinweise von Bürgern erhoffen.

Grundlage der Liste ist eine Auswahl, die das amerikanische Magazin "Forbes" im April getroffen hat: Dort hatte man die zehn meistgesuchten flüchtigen Verbrecher der Welt zusammengetragen. Bei Interpol in Lyon hält man die Liste für aussagekräftig, wenngleich die Vertreter der Institution sich weder konkret zu den Einzelfällen äußern noch eine entsprechende Auswahl machen wollen - schließlich ist es fast unmöglich zu definieren, welche Formen von Verbrechen schwerwiegender sind als andere. Auch könnte sich eine Behörde wie Interpol schon allein mit Rücksicht auf die Opfer vieler anderer Straftaten kaum vorwagen und bestimmte Verbrechen besonders würdigen.

Die Liste umfasst auch Osama Bin Laden

Die getroffene Auswahl von "The World's Most Wanted" zeigt die erschreckende Vielfalt der internationalen Kriminalität. Die Liste umfasst den prominentesten Kopf des internationalen Terrorismus, Osama Bin Laden - mit dem Sudanesen Omar al-Bashir aber auch einen amtierenden Staatspräsidenten, der soeben vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zur Verhaftung ausgeschrieben wurde. Während das junge Tribunal mit Sitz in den Niederlanden sich mit völkerstrafrechtlichen Verbrechen wie Genozid, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen auseinander setzt, stammen übliche Haftbefehle von örtlichen Gerichten. Manche Köpfe werden gar in mehreren Städten zur Fahndung ausgeschrieben. Gegen den mexikanischen Drogenbaron Joaquin Guzman gibt es Anordnungen aus Toluca, Mexiko-Stadt und San Diego.

Die Behörden leben von sachdienlichen Hinweisen - von aktuellen Informationen, wie sie über die Datenbank I-24/7 bei Interpol ausgetauscht werden. Um den Informationsstrom zu verbessern und die Kommunikation über Grenzen hinweg zu erleichtern, damit die Polizei ihre Arbeit effektiver gestalten kann, gewinnen internationale Organisationen wie Interpol (1923 gegründet) und die erst Ende der 1990er Jahre eingerichtete EU-Polizeibehörde Europol an Bedeutung. Europol konzentriert sich im europäischen Raum auf die Bekämpfung organisierter Kriminalität.

Die Grenzen der internationalen Strafverfolgung sind politischer Natur

Manchmal wissen alle Ermittler ziemlich genau, wo die Täter sind - und können dennoch nichts tun. Wie im Falle des russischen Gesuchten Alimjan Tochtaschunow, der 2002 bei den olympischen Winterspielen in Salt Lake City die Eiskunstlauf-Jury bestochen haben soll. Auch wenn sein Name weiterhin in der Datenbank der international gesuchten Personen bei Interpol auftaucht, lebt der 59-Jährige in Moskau ein Leben in bester Gesellschaft. Zwar liegt ein Haftbefehl aus New York gegen ihn vor. Doch es gibt bis heute kein Auslieferungsabkommen zwischen den USA und Russland. Die Grenzen der internationalen Strafverfolgung sind politischer Natur.

In Anlehnung an die Top-Listen, wie sie das FBI in den USA und auch das BKA in Deutschland auf ihren Homepages präsentieren, zeigt stern.de mit seiner Serie "The World's Most Wanted" eine Reihe von Porträts jener Verbrecher, deren Taten so viel Schaden verursachten, dass sie für internationales Aufsehen gesorgt haben. Bei sachdienlichen Hinweisen zu Tätern auf der Liste gilt in jedem Fall: Vorsicht ist geboten. Und die nächste Polizeidienststelle ist immer der beste Ansprechpartner.