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Tierquäler vor Gericht: Der grausame Tod von Kater "Rocco"

Tierschützer demonstrierten lautstark vor dem Gerichtsgebäude. Der Richter schloss die Öffentlichkeit von dem Prozess aus. Der angeklagte Rentner gesteht den brutalen Mord an einer Katze. Eine Mitarbeiterin vom Tierrettungsdienst schildert grausame Details.

Weil er sich angeblich um die Vögel in seinem Garten sorgte, hat ein Rentner in München die Katze eines Nachbarn brutal mit einem Wasserstrahl getötet. Seit Donnerstag steht der geständige 74-Jährige vor dem Münchner Amtsgericht. Der grausame Tod von Kater "Rocco" trieb scharenweise Tierschützer vor den Gerichtssaal. Ein Urteil wird es frühestens im August geben.

Vor dem Justizgebäude protestierten wütende Katzenfreunde. Sie hielten Plakate hoch wie: "Appell an die Richter: Setzen Sie ein Zeichen zum Schutz der Tiere" und "Höchststrafe für den brutalen Tierschänder". Vor dem Sitzungssaal empfingen die Demonstranten den "Meuchelmörder" mit Buhrufen, nicht alle Zuschauer konnten in den Gerichtssaal. Wegen der angekündigten Demonstration hatte der Richter das Polizeiaufgebot rund um das Justizgebäude aufgestockt.

Oberstaatsanwältin Beate Miksch bezeichnete es in Juristen-Sprache schlicht als rohe Misshandlung und Tötung eines Wirbeltiers. Der 74-Jährige hat demnach in einem Wohnviertel in München-Moosach "Rocco" mit Katzenfutter in eine Marderfalle gelockt und das schreiende Tier mit einem Wasserstrahl totgespritzt.

Katze zeigte Verletzungen von Todeskampf

"An den Vorderpfoten waren Krallen abgerissen", berichtete eine Mitarbeiterin des Tierrettungsdienstes vom Todeskampf des Stubentigers: "Man sah, dass sich die Katze aus der Falle zu befreien versuchte." Andere Verletzungen habe der klatschnasse Kater nicht gehabt. "Die offensichtliche Todesursache war Ertrinken."

Der Angeklagte hat die Tat gestanden. In den zwei Wochen zuvor seien in seinem Garten drei Amseln umgekommen, verteidigte er sich. Schon seit Jahren lauerten Katzen unter seinem Vogelhäuschen, und "das wird ja immer schlimmer".

Richter Gerhard Simon verstand nicht, warum der Vogelfreund "so ausflippte". Antwort: Wegen der drei toten Vögel - "und die Gelegenheit war auch da". Der schwarze Kater habe in seiner Keller-Werkstatt auf einem Regal gehockt und sich nicht vertreiben lassen. Am 24. Dezember sei er immer noch dagewesen, da habe er die Marderfalle mit Trockenfutter bestückt, den gefangenen Kater hinausgetragen und bespritzt.

Keine Nachbarn, sondern "zugereiste Fremde"

Wem das Tier gehörte, habe er erst später erfahren. Die Familie wohnt zwar nur 150 Meter Luftlinie entfernt, für den Rentner sind das aber "keine Nachbarn, das sind zugereiste Fremde". Der Katzenhalter hatte den Angeklagten bereits vor dem Zivilgericht verklagt und bei einem Vergleich 500 Euro für das tote Tier erhalten. Zudem musste sich der Rentner verpflichten, künftig Angriffe auf Haustiere der Familie - es gibt noch einen Hund - zu unterlassen.

Der 74-Jährige hatte von "Rocco" damals auch nicht abgelassen, als eine Nachbarin ihn erwischte. "Das Tier hat gebrüllt, ich habe gebrüllt, er soll aufhören", erinnerte sich die Witwe eines Richters. Der Angeklagte reagierte nicht, andere Nachbarn wurden aufmerksam und riefen die Polizei. Als ein Beamter die Falle beschlagnahmte, gab der Rentner zurück: "Dann kauf ich mir halt eine andere." Der Angeklagte bekam damals wütende Anrufe und Briefe bis hin zu Morddrohungen. Auf Anraten der Polizei verließ er vorübergehend das Viertel.

Angelika Klingenfuss/Ulf Vogler/DPA/ono / DPA