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Vorwurf der Tierquälerei: Razzia im Tierversuchslabor LPT – Staatsanwaltschaft stellt Beweise sicher

Sie kamen am Vormittag und stellten "umfangreiches Beweismaterial" sicher. Beamte von Staatsanwaltschaft und Polizei haben die Gebäude der LPT-Tierversuchsanstalt in und bei Hamburg durchsucht. Es geht um den Vorwurf der Tierquälerei.

Hund im Labor

Wird es jetzt ernst für Verantwortliche des in Verruf geratenen Forschungsunternehmens LPT (Labor für Pharmakologie und Toxikologie) aus Hamburg?

Nach massiven Vorwürfen der Tierquälerei und der Manipulationen von Studien in der Tierversuchsanstalt hat die Stader Staatsanwaltschaft an allen drei Standorten von LPT Razzien durchgeführt. Unterstützt wurden die Ermittler dabei von Beamten des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves), das für die Genehmigung von Tierversuchen zuständig ist.

Tiere bei LPT für Tierversuche gequält?

Durchsucht wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft der LPT-Firmensitz im Hamburger Stadtteil Neugraben, das eigentliche Versuchslabor in Mienenbüttel vor den Toren der Hansestadt sowie ein Archiv des Unternehmens im Kreis Plön (Schleswig-Holstein).

Es gehe um den "begründeten Anfangsverdacht, dass Wirbeltieren (...) außerhalb der im Rahmen des Versuches zulässigen Grenzen erhebliche und länger anhaltende Schmerzen zugefügt oder sie außerhalb eines laufenden Versuches und damit ohne tragfähigen Grund getötet worden sind", teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Ziel der Beamten war es, Beweise für die von Tierschützern und mehreren Behörden erhobenen Anschuldigungen gegen das Labor zu finden und zu sichern. "Gesucht wurden Unterlagen und Präparate, welche die Haltung und Tötung verschiedener Tiere betreffen." Zudem gehe es um geschäftliche Unterlagen, um die Einnahmen des Unternehmens zu bewerten. Sollte Tieren bei den Versuchen tatsächlich außerhalb des Erlaubten Schmerzen zugefügt worden sein, könnten die erzielten Gelder eingezogen werden. Bei den Razzien sei "umfangreiches Beweismaterial" sichergestellt worden, so die Staatsanwaltschaft. Weitere Details dazu nannte sie nicht.

Der Verein "Soko Tierschutz" hatte im Oktober Videoaufnahmen veröffentlicht, die ein über Monate in das Labor eingeschleuster Mitarbeiter angefertigt hatte. Diese sollen massive Verstöße gegen geltende Tierschutzregeln belegen, zum Beispiel die Haltung von Affen in zu kleinen Käfigen oder die Behandlung von Hunden und Affen mit roher Gewalt durch Mitarbeiter von LPT. Die renommierte Primatenforscherin Jane Goodall bezeichnete die Zustände in dem Mienenbütteler Labor als "nichts anderes als die Hölle auf Erden". Die Videoaufnahmen sorgten international für Entsetzen.

Ein weiterer Vorwurf der ehrenamtlichen Tierschützer: Bei einer Versuchsreihe soll ein verstorbener Affe kurzerhand gegen einen lebenden ausgetauscht worden sein, ohne dies ordnungsgemäß zu dokumentieren. In einem Beitrag des ARD-Magazins "Fakt" schilderten zwei ehemalige Mitarbeiter anonym ähnliche Vorkommnisse aus der jüngeren Vergangenheit. Auch bereits in den 1980er Jahren war LPT wegen des Verdachts der Manipulation von Studien in die Kritik geraten

Nach Bekanntwerden der Zustände in den Räumen von LPT gab es bereits zwei Großdemonstrationen in Hamburg, bei denen jeweils mehrere Tausend Teilnehmer die Schließung des Labors und den Verzicht auf Tierversuche forderten.

Labor in Mienenbüttel offenbar vor dem Aus

Zumindest die Versuche am LPT-Standort in Mienenbüttel dürften Jahrzehnte nach Betriebsaufnahme vor dem Ende stehen. Die zuständigen Behörden wollen bis auf Weiteres keine neuen Genehmigungen mehr für Tierversuche dort erteilen und prüfen den Entzug der Betriebserlaubnis. Inzwischen kursiert auch ein Schreiben, das die Schließung des Labors im März kommenden Jahres ankündigt, stattdessen solle an den anderen Standorten des Unternehmens in die Forschung intensiviert werden. In mehrere Lieferwagen wurden bereits für Versuche vorgesehene Affen vom LPT-Gelände zurück zum Händler in die Niederlande gebracht, wie der Landkreis Harburg bestätigte.

Verantwortliche des Unternehmens von Geschäftsführer Jost L., das im Geschäftsjahr 2017 laut Bundesanzeiger fast sechs Millionen Euro Gewinn erzielt hat, haben auf zahlreiche Anfragen des stern und von anderen Medien zu den Vorwürfen bisher nicht reagiert. Auch die Staatsanwaltschaft möchte zurzeit mit Blick auf das laufende Ermittlungsverfahren keine weiteren Erklärungen abgeben.

Quellen:  Staatsanwaltschaft Stade/Polizeiinspektion Harburg"Soko Tierschutz", Bundesanzeiger