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Razorblade-Queens Tilly Devine und Kate Leigh waren die Al Capones von Australien

In der TV Serie Underbelly Razor spielt Chelsie Preston Crayford Gangsterkönigin Tilly Devine.
In der TV Serie Underbelly Razor spielt Chelsie Preston Crayford Gangsterkönigin Tilly Devine.
© PR
Sie waren Gangster wie Al Capone und Dutch Schulz und errichteten ein kriminelles Imperium in Sydney. Ihre Gangs mordeten meist mit Rasierklingen. Aber vor allem hassten die beiden Frauen sich gegenseitig bis aufs Blut.

In den 1920er-Jahren erlebten die Vereinigten Staaten die Geburt des organisierten Verbrechens, Namen wie Al Capone oder Dutch Schulz kennt jeder Krimifreund. Weit weniger bekannt sind Tilly Devine und Kate Leigh. Beides sind die unumstrittenen Königinnen des kriminellen Sydneys in der Zeit. Sie waren Masterminds des Verbrechens. Skrupellos, grausam und nie nachlassend in ihrem Hass aufeinander. Ihre kriminelle Energie fand im Australien der 20er-Jahre das ideale Biotop. Das Verbot des Alkoholausschanks nach 18 Uhr schaffte wie in den USA einen großen Schwarzmarkt, bei dem die Grenzen zwischen gesetzestreuen Bürgern und Mobstern verschwammen – denn Alkohol wurde in jeder Schicht konsumiert. Dazu fanden die Königinnen des Verbrechens jede Menge Gehilfen: Der Erste Weltkrieg hatte auch in Australien dazu geführt, dass es keinen Mangel an Männern gab, die jeder Form der Gewalt gewohnt waren.

Die Saat der Gewalt

Tilly lebte als Prostituierte in London, dort heirate sie 1917 den australischen Soldaten Jim Devine. Big Jim war der ideale Gatte für Tilly – groß, unberechenbar und gewalttätig. Mit ihm ging sie 1919 nach Australien. Der Job war nicht so einfach wie in London. In nur fünf Jahren wurde Tilly 79-mal wegen Prostitution verhaftet. Anfang 1925 wurde sie wegen einer schweren Straftat angeklagt und erstmals tauchte das Instrument auf, für das sie berühmt werden sollte: das Rasiermesser. Damit hatte sie ansatzlos einen Mann attackiert und verletzt. Mit den Worten "Da ist der Bastard" stürzte sie sich auf Sydney Thomas Thornton Corke und schlitzte ihm die Hand auf. Das Blut spritzte ihm ins Gesicht.

Der Überfall trug ihr zwei Jahre Zuchthaus ein. Und tatsächlich änderte die Zeit in der staatlichen Besserungsanstalt ihr Leben: Tilly gab die Prostitution des eigenen Körpers auf und eröffnete ein Bordell. In der Zeit als sie sie aus dem Verkehr gezogen wurde, trat Kate Leigh aus dem Schatten. Auch sie war eine Prostituierte, zum ersten Mal schwanger war Kate mit 13. Während Tilly Devine ein Bordell nach dem anderen eröffnete, widmete sich Kate dem Aufbau eines Imperiums von Grog-Bars.

Bandenkrieg wegen eines Hündchens

Beide Frauen profitierten von einer Reihe von neuen Gesetzen. Die Straßenprostitution wurde verboten, also mussten die Frauen ihre Dienste in Bordellen anbieten. Dort wurden sie vor der finanziellen Ausbeutung durch Männer geschützt – von Frauen wie Tilly und Kate war nicht die Rede. Die Einschränkungen beim Ausschenken von Alkohol und dem Verkauf von Kokain boten ein weiteres Betätigungsfeld. Um sich herum bauten sie Banden auf.

1927 wurden schwere Strafen eingeführt, wenn jemand Pistolen oder Handfeuerwaffen in der Öffentlichkeit mit sich führte. Also wurden Rasiermesser – neben Knüppeln – die Waffe der Wahl. Devine war als "Queen of Woolloomooloo" bekannt, Leigh wurde die "Queen of Surry Hill" genannt. Die beiden mochten sich vom ersten Augenblick nicht. Der Legende nach soll aber erst der Streit um einen geraubten Hundewelpen zu ihrer lebenslangen blutigen Fehde geführt haben. Tilly und Kate hassten einander noch mehr als die Polizei. Wo immer Bandenmitglieder aufeinander trafen, wurde gekämpft. Jede Nacht überfiel man die Läden der anderen Gang.

Und auch die Königinnen waren sich für Gewalt nicht zu fein. Laut Polizeibericht verbiss sich Tilly Devine 1929 in der Hand von Leighs Freundin Vera Lewis. 1933 machte die Polizistin Maggie Baker ihren ersten Rundgang. Es war ihr erster Tag im Dienst. Als sie um die Ecke kam, blockierte Tilly Devine den Fußweg. Tilly sagte: 'Sie sind doch die neue Polizistin, nicht wahr? Sie gehen nicht diese verdammte Straße entlang ...' Und dann packte sie die Polizistin. In dem Moment stieg Kate Leigh aus der Straßenbahn – angetan mit einem eleganten riesigen Hut. Sie kam direkt auf Tilly zu und schlug sie nie nieder. Aber Tilly wehrte sich. "Oh, Tilly war eine dreckige Kämpferin und sehr stark. Ich habe gesehen, wie sie und Kate sich in Oxford Street blau schlugen", erinnerte sich Baker später.

Die Steuer brachte das Ende

Finanziert von den kriminellen Geschäften lebten die beiden ein Leben mit Autos, Pelze und Diamanten. Tilly Devine besaß eine Villa mit drei Schlafzimmern im Vorort Maroubra und war Gastgeberin vieler Gangsterpartys. Das große Anwesen wurde von ihren Leibwächtern und riesigen Hunden beschützt. 1935 wurden ihre illegalen Geschäfte unter der Hand legitimiert. Gegen die Zusage, die Gewalt untereinander zu beenden und mit den Kokainhandel aufzuhören, schaute die Polizei von Sydney bei den sonstigen Geschäften der Königinnen beiseite. Das muss nicht einfach gewesen sein. Der Zweite Weltkrieg mit den Unmengen an fremden Soldaten und Matrosen ließen das Geschäft mit Schnaps und Frauen weiter blühen.

Tilly Devines Ehe, mit der ihre Karriere in Sydney begonnen hatte, wurde 1944 geschieden. Tilly konnte die zunehmend gewalttätigere Natur ihres Mannes Big Jim nicht länger ertragen. In den 1950ern setzte die Steuerfahndung den beiden zu. Leigh musste sich sogar Bankrott erklären. Die großen Tage waren vorbei. Doch Tilly Devine verkaufte ihr letztes Bordell erst 1968. Kate Leigh starb schon 1964, immer noch eine Legende. An ihrer Besetzung nahm die junge und alte Unterwelt Sydneys teil. 700 Menschen sollen den Sarg begleitet haben. Tilly überlebte ihre Rivalin, aber auch ihren eigenen Ruhm. Als sie sechs Jahre später starb, wurde sie im kleinen Kreis beigesetzt. "Die schlimmste Frau in Sydney" starb an den Folgen einer Bronchitis.

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