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Todesfall wird neu aufgerollt: Rätselhafter Tod auf Malta - Wie starb der 17-jährige Mike Mansholt wirklich?

Der Tod von Mike Mansholt im Sommer 2016 auf Malta ist nie aufgeklärt worden. Offenbar auf deutschen Druck wird der Fall neu aufgerollt, denn es gibt offene Fragen. Zum Beispiel: Warum fanden sich in seinem Leichnam keine Organe?

Malta Mike Mansholt Crime

Mike Mansholt kam im Sommer 2016 auf Malta zu Tode. Wie genau er starb, ist nicht geklärt

Es ist der erste Urlaub, den der 17-jährige Mike Mansholt aus Oldenburg im Juli 2016 ohne seine Familie unternimmt. Er besucht seine Freundin auf Malta, die dort einen Sprachkurs macht. Als sie wie geplant am 17. Juli abreist, bleibt Mike noch auf der Insel. Mike Mansholt liebt Sportarten wie Skaten, Biken, Laufen, Klettern und Turnen. Als Fünfjähriger ist er mit seiner Familie um die Welt gesegelt. Jetzt auf Malta will er die Zeit allein nutzen, um die Insel zu erkunden. Eines seiner Ziele sind die Dingli-Klippen, der höchste Punkt der Insel.

Einen Tag später mietet er sich ein Mountainbike. An seine Freundin schickt er eine Sprachnachricht, wie die Nordwest Zeitung unlängst berichtete: "Okay, ich leih' mir jetzt 'n Fahrrad aus und fahr dann heute durch Malta. (…) Allerdings sind die Straßen so steil, ich schick' Dir gleich mal ein Foto, dass man die nur hochlaufen kann zum Teil, äh, mit dem Fahrrad gar nicht hochkommt. Aber egal. Das ist 'ne sportliche Herausforderung, und das mag ich." Es ist das letzte Lebenszeichen des Jungen.

Eine Woche später findet die Polizei den Leichnam in einer Felsmulde knapp dreißig Meter unter dem Gipfel. Sein Fahrrad hängt in einem Strauch ein paar Meter weiter oben, etwas weiter weg liegen Sonnenbrille und Schuhe.

Die Theorie der Polizei auf Malta ist nicht schlüssig

Die Polizei hat schnell eine Erklärung für den Tod Mikes. Demnach sei der 17-Jährige vom Gipfel 30 Meter tief gestürzt. Doch die Theorie hat Schwachstellen. Der Leichnam lag unter einem Felsvorsprung. Es ist kaum vorzustellen, wie der Körper dort gelandet sein soll. An der Leiche fanden die Gerichtsmediziner später in Deutschland keine Knochenbrüche, Verletzungen oder größere Wunden. Und das nach einem angeblichen Sturz aus 30 Metern im felsigen Gelände? Auch Mansholts Fahrrad ist kaum beschädigt. Es gibt ein paar Kratzer am Rahmen und das Hinterrad ist platt.

Dafür fehlt der Rucksack des Jungen, den er auf der Tour dabei hatte. Bilder der Überwachungskameras des Hotels in Sliema, in dem er wohnte, zeigen, wie er mit Rucksack das Hotel verlässt. Auch sein Handy und die GoPro-Actionkamera sind spurlos verschwunden. Dem Vater Bernd Mansholt erzählt die Polizei, vielleicht hätten Touristen den Rucksack mitgenommen. Mike Mansholt soll zudem ein paar hundert Euro dabei gehabt haben.

Doch das sind nicht die einzigen Merkwürdigkeiten an dem Tod des Oldenburgers. Nachdem der Leichnam nach Deutschland überführt wird, stellen die Gerichtsmediziner fest, dass er nur noch 16 Kilo wiegt. Ihm wurden sämtliche Organe entfernt: Herz, Lunge, Leber, Bauchspeicheldrüse, eine Niere, Nebennieren, Harnblase, Prostata, Magen, Dünndarm und das Gehirn.

Angeblich haben Wildtiere die Organe gefressen

Der Gerichtsmediziner auf Malta erklärt daraufhin, dass Wildtiere und Nager die Organe gefressen hätten, das Gehirn hätte sich verflüssigt. Aber die deutschen Kollegen finden keine Bissspuren und dass sich ein Hirn vollständig verflüssigt, halten sie nicht für möglich. Zudem wurde der Leichnam nicht einbalsamiert, wie es der maltesische Gerichtsmediziner behauptet hatte.

Malta Dingli Klippen

In den Dingli Klippen geschah das Unglück


Für die Familie sind die Zweifel quälend. Vater Bernd Mansholt und Schwester Marie wollen Aufklärung. Wie ist Mike wirklich gestorben? Und wo sind seine Organe geblieben? Auch die deutschen Behörden haben Zweifel an den Erklärungen aus Malta. Die Oldenburger Staatsanwaltschaft nimmt vor einem Jahr Ermittlungen wegen Totschlags auf, doch die Zusammenarbeit mit den maltesischen Behörden gestaltet sich zäh. Sie haben offensichtlich kein Interesse an weiteren Ermittlungen. "Sie stellen den Fall ins Regal", meint die maltesische Rechtsanwältin Veronique Dalli, die die Mansholt unterstützt. Zwar schicken sie zu Beginn des Jahres 2017 die Ermittlungsakte, doch da steht nichts, was Licht in das Dunkel bringt.

Der Obduktionsbericht besteht aus einer Seite, der knapp die offiziellen Befunde zusammenfasst: fehlende Organe, Tierfraß, Todesursache unbestimmt. Der Polizeibericht endet einen Tag nach dem Fund der Leiche. Die Fotos vom Tatort und der Leiche fehlen komplett. Weitere Ermittlungen sind nicht vermerkt. Rucksack, fehlende Organe, GoPro-Kamera, der verdächtige Bauer, von dem Polizisten dem Vater berichtet hatten - all das findet keine Erwähnung.

Die Familie kämpft um weitere Ermittlungen

Doch der Vater und die Schwester geben nicht auf. Sie haben Anzeige gegen den Gerichtsgutachter gestellt, erzählte Bernd Mansholt dem "NDR". Er habe zudem Belohnungen von jeweils 10.000 Euro ausgesetzt für Hinweise, die zum Auffinden des Rucksacks führen und Auskunft darüber geben, wie sein Sohn zu Tode kam.

Es gibt viele mögliche Erklärungen für den Tod des 17-Jährigen. Bernd Mansholt ist sie durchgegangen, doch keine ist schlüssig. War es gar Selbstmord? Nein, das schließt Bernd Mansholt gegenüber der "Nordwest Zeitung" aus. Dafür hätte es keine Anzeichen gegeben. Auch ein Sturz kommt nicht in Frage, genau wie ein Raubüberfall, ein Unfall auf der Straße oder ein Mord durch Organhändler. Gegen alle diese Varianten sprechen die Umstände.

Er hat seine eigene Version, die ihm und der Schwester Trost spendet. Bernd Mansholt glaubt, dass sein Sohn an Erschöpfung gestorben ist, sich damals im Hochsommer völlig übernommen hat, als er versuchte mit dem Rad auf den Gipfel der Dingli-Klippen zu fahren. Vielleicht wollte er die letzten Meter in dem unwegsamen Gelände mit dem Rad auf den Schultern meistern. Am Ende war er vielleicht dehydriert und erlitt eine Hitzschlag. Vielleicht hat er sich deswegen die Schuhe ausgezogen, um ein wenig Abkühlung zu finden? Es wäre eine mögliche Erklärung, die aber nicht mehr beweisbar ist. Und die Organe? Möglich ist es, dass der Gerichtsmediziner die Organe an die Universität weitergegeben oder sie gar verkauft hat und es vertuschen will.

Bernd Mansholt kämpft dennoch für neue Ermittlungen auf Malta. Er reist auf die Insel, schreibt Bittbriefe an den Premierminister und den Justizminister. Die Oldenburger Staatsanwälte stellen ein weiteres Rechtshilfeersuchen - und der Druck zeigt Wirkung: Eine Richterin auf Malta hat auf Weisung des Justizministeriums angeordnet, die Untersuchung des Falls neu aufzurollen. Das zumindest ist ein Hoffnungsschimmer für die Familie Mansholt, doch noch Gewissheit darüber zu erlangen, was Mike genau widerfahren ist.

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