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Leichen in Wohnhaus Wende im Fall einer tot aufgefundenen Familie in Starnberg: Freund des Sohnes gesteht die Tat


Als vor gut zehn Tagen drei Leichen in einem Haus in Starnberg aufgefunden wurden, gab es kaum Zweifel, dass es sich um eine Tat innerhalb der Familie handele. Doch nun hat ein 19-Jähriger ein Geständnis abgelegt.

Bei dem Fall einer in ihrem Haus in Starnberg bei München tot aufgefundenen Familie hat es eine überraschende Wende gegeben. Während die Polizei zunächst davon ausgegangen war, dass ein 21-Jähriger irgendwann zwischen dem 10. und 12. Januar zunächst seine 64 und 60 Jahre alten Eltern getötet und sich danach selbst erschossen hatte, liegt nun ein Tatgeständnis eines 19-Jährigen aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck vor.

Intensive Ermittlungen mit Zeugenbefragungen und Hausdurchsuchungen in den vergangenen Tagen hatten zu dem dringend Tatverdächtigen geführt, wie Günther Gietl, Präsident des zuständigen Polizeipräsidiums Oberbayern-Nord während einer Pressekonferenz berichtete. Ausgelöst worden seien die weiteren Nachforschungen der Polizei durch Ungereimtheiten am Tatort und die Tatsache, dass kein Abschiedsbrief gefunden wurde. Bei Ermittlungen im Umfeld des 21-Jährigen habe es schließlich Hinweise auf den 19-Jährigen gegeben. Bei ihm soll es sich um einen (früheren) Freund des getöteten jungen Mannes handeln.

Beim Verdächtigen für einen Familienmord in Starnberg sichergestelltes Waffenarsenal
Teil des Waffenarsenals, das beim geständigen Hauptverdächtigen im Fall des Mordes an einer dreiköpfigen Familie in Starnberg sichergestellt wurde. Bei den beiden Pistolen (unten) handelt es sich laut Polizei um die Tatwaffen.
© Sven Hoppe / DPA

Polizei "rekonstruiert" Video vom Tatort

Am Donnerstag sei die Wohnung des 19-Jährigen durchsucht worden. Dabei sei "ein ganzes Waffenarsenal, darunter auch Kriegswaffen beziehungsweise Stoffe, die zur Herstellung von Sprengstoff dienen können, sowie Munition" gefunden worden, sagte die Sprecherin der ermittelnden Staatsanwaltschaft München II, Andrea Mayer. Daher sei der Verdächtige schon allein wegen des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz festgenommen worden. Entdeckt worden sei auch ein Video, das nach Angaben der Polizei "rekonstruiert" wurde. Darauf sei eindeutig der Tatort zu sehen, nicht aber die Tat selbst.

Nach seiner Festnahme habe der 19-Jährige gestanden, seinen 21-jährigen Freund und dessen Eltern getötet zu haben. Und er belastete einen 18-Jährigen aus dem Landkreis Starnberg, den die Polizei während ihrer Durchsuchung ebenfalls in der Wohnung des Hauptverdächtigen angetroffen habe. Dieser soll den 19-Jährigen zum Tatort gefahren und ihn auch wieder abgeholt haben. Laut Polizei war ihm dabei bewusst, dass sein Freund den Mord begehen wollte. Gegen beide Verdächtige wurde den Angaben zufolge daher Haftbefehl erlassen - gegen den 19-Jährigen wegen Mordes, gegen den 18-Jährigen wegen Beihilfe zum Mord. Beide Verdächtige sitzen derzeit in Untersuchungshaft.

Starnberg: Tatmotiv bisher rätselhaft

Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei ereignete sich die Tat in den frühen Morgenstunden des 11. Januar, einem Samstag. Nachdem er von seinem mutmaßlichen Komplizen zum Tatort gebracht worden sei, habe er sich Zugang zum Haus der Familie verschafft. Dazu sei die Eingabe eines Sicherheitscodes notwendig gewesen, den der 19-Jährige von seinem späteren Opfer erfahren habe. Im Haus habe er zunächst den 21-Jährigen und danach dessen Eltern erschossen. Insgesamt wurden laut Polizei 12 bis 15 Schüsse abgefeuert, die jedoch nicht alle die Opfer trafen. Sowohl die Leichen der Eltern als auch des Sohnes seien in ihren Betten aufgefunden worden. Der 21-Jährige habe eine Waffe in der Hand gehalten, was den Eindruck eines Selbstmordes erwecken sollte. "Die Schilderungen des 19-Jährigen passen zu den Spuren, es ist wahrscheinlich, dass sich die Tat so abgespielt hat", sagte Manfred Frei von der Polizeiinspektion Fürstenfeldbruck.

Keinerlei Erkenntnisse gebe es den Angaben zufolge bisher zum Tatmotiv. Trotz des Waffenarsenals gebe es keine Hinweise auf einen politischen oder staatsschutzrechtlichen Hintergrund der Tat. Dennoch liege die Verbindung zwischen dem 19-Jährigen und dem 21-Jährigen in einer gemeinsamen Affinität für Waffen. Der 21-Jährige habe diese Vorliebe auch zum Beruf machen wollen, indem er eine Büchsenmacherlehre absolvierte. Warum es zur Tat kam und warum auch die Eltern des 21-Jährigen sterben mussten, müssten die weiteren Ermittlungen ergeben.


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