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Mordprozess in Frankreich Vater soll dreijährigen Sohn in Waschmaschine gesteckt haben


Weil sein Sohn sich angeblich in der Vorschule schlecht benommen hatte, soll ein Vater das Kind in eine Waschmaschine gesteckt haben. Der Junge starb. Der Mann steht vor Gericht - und will sich an nichts erinnern.

Einem Familienvater in Frankreich wird ein erschütterndes Verbrechen vorgeworfen - doch angeblich kann er sich an nichts erinnern: Der 37-Jährige soll seinen dreijährigen Sohn in eine Waschmaschine eingesperrt und dadurch getötet haben. Gegen den Angeklagten hat in Melun südöstlich von Paris ein Mordprozess begonnen, die Mutter des kleinen Bastien muss sich wegen Beihilfe verantworten. Dem Vater droht lebenslange Haft.

Die Tat ereignete sich bereits im November 2011 in dem Dorf Germigny-l'Evêque in dem an Paris angrenzenden Département Seine-et-Marne. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, seinen dreijährigen Sohn Bastien zur Strafe für  angebliches "schlechtes Verhalten" in der Vorschule in die Waschmaschine eingesperrt zu haben.

Schleuder- und Waschgang eingeschaltet

Der Vater selbst rief an dem Tag einen Rettungswagen und gab an, er habe eine "kleine Sorge": Sein Sohn sei die Treppe heruntergefallen. Er habe den Jungen daraufhin in der Badewanne mit Wasser abkühlen wollen - das Kind sei vermutlich ertrunken.

Die damals fünfjährige Schwester des toten Jungen sagte dem eintreffenden Arzt dagegen: "Papa hat Bastien in die Waschmaschine gesteckt, weil er Dummheiten in der Schule gemacht hat." An dieser Version hielt sie die gesamten Ermittlungen über fest.

Die Mutter des toten Kindes sagte der Polizei, sie habe gesehen, wie ihr damaliger Lebensgefährte Bastien in der Waschmaschine eingesperrt habe. Er habe dann zuerst einen Schleuder- und dann einen Waschgang eingeschaltet. Während der Vater in der Zeit im Internet gesurft habe, habe sie mit der Tochter ein Puzzle gemacht. 

Sie habe ihren Sohn fünf Minuten schreien gehört, sagte die Mutter. Als der Vater den leblosen Körper aus der Waschmaschine holte, soll er gesagt haben: "So wird er uns nicht mehr auf die Nerven gehen." Eine später von der Mutter gerufene Nachbarin fand das Kind nach eigenen Worten "eiskalt, ganz nackt, ganz weiß, ausgerenkt, praktisch wie ein Spielzeug".

Vater leidet unter Hirntumor

"Ich erinnere mich gerade an überhaupt nichts", sagte der Angeklagte vor Gericht, als die Richterin ihn zu der Tat befragte. Er leidet unter einem Hirntumor, der epileptische Anfälle und Stimmungsschwankungen auslösen kann. 

Gegen die Mutter des toten Kindes wurde zunächst wegen unterlassener Hilfeleistung und der Nicht-Verhinderung eines Verbrechens ermittelt. Angeklagt wurde sie aber schließlich wegen Beihilfe zum Mord. Vor Gericht stritt die 29-Jährige jede Beihilfe ab: "In meinen Augen gibt es keine Komplizenschaft."

Die Familie war den Sozialbehörden schon seit Jahren bekannt, wiederholt wurden die Behörden über die Misshandlung des Jungen informiert. Der Vater, der große Mengen Alkohol und Cannabis konsumierte, schlug seinen Sohn immer wieder, sperrte ihn in einen Schrank ein und drohte, ihn aus dem Fenster zu werfen. Auch Bastiens Mutter schlug er. Kinderschutz-Vereinigungen, die in dem Verfahren als Nebenkläger auftreten, werfen den Behörden schweres Versagen vor. Das Urteil wird am Freitag erwartet.

lie AFP

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