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Todeskandidaten in den USA: Giftmangel verzögert Hinrichtungen

Makaberer Lieferengpass: Weil ein für den Giftcocktail benötigtes Narkosemittel nicht zur Verfügung steht, müssen in den USA mehrere Hinrichtungen verschoben werden. Der Hersteller ist darüber gar nicht so unglücklich - er will Leben retten und nicht töten.

In letzter Minute hat ein US-Richter die Vollstreckung der Todesstrafe gegen einen wegen Vergewaltigung und Mordes verurteilten Häftling ausgesetzt. Albert Greenwood Brown könne frühestens im nächsten Jahr im San-Quentin-Gefängnis im kalifornischen San Francisco hingerichtet werden, urteilte Bezirksrichter Jeremy Fogel. Brown war 1980 wegen Vergewaltigung und Ermordung einer 15-Jährigen zum Tode verurteilt worden und sollte ursprünglich am Donnerstag hingerichtet werden.

Grund für die Aussetzung der Todesstrafe ist ein vor mehreren Gerichten ausgetragener Streit um das Narkosemedikament Sodium Thiopental, das dem Todescocktail beigemischt wird. Die Vorräte in dem Gefängnis von Los Angeles, in dem Brown einsitzt, hätten drei Stunden nach der geplanten Hinrichtung ihre Verfallsdatum überschritten. Gegen die Verwendung dieses Mittels hatte der Häftling Berufung eingelegt.

"Ein Produkt, um Leben zu retten"

Weil das Sodium Thiopental zur Mangelware geworden ist, haben sich in den USA bereits mehrere Exekutionen verzögert. Neben der Aussetzung von Browns Hinrichtung in Kalifornien gab es bereits Fälle in den Bundesstaaten Kentucky und Oklahoma.

Weshalb das Mittel knapp wurde, ist unklar. Der zuständigen Behörde FDA sei bereits im März bekannt gewesen, dass Sodium Thiopental allmählich zur Mangelware wird. Einem Sprecher des einzigen US-Herstellers, Hospira im Staat Illinois, zufolge ist ein wichtiger pharmazeutischer Bestandteil derweil nur sehr schwer erhältlich. Das Unternehmen erwartet, das Mittel Anfang nächsten Jahres wieder anbieten zu können.

Sodium Thiopental ist eines von drei Giften, das Todeskandidaten in mehr als 30 Staaten der USA gespritzt wird. Ein Hospira-Sprecher sagte der "New York Times", das Unternehmen sei alles andere als glücklich darüber, dass das Narkosemittel den Weg in die Todeszelle gefunden habe. "Hospira stellt dieses Produkt her, um Leben zu verbessern oder zu retten", sagte er. "Das Mittel ist nicht für den Vollzug der Todesstrafe gekennzeichnet, und Hospira unterstützt die Verwendung in dieser Prozedur auch nicht."

DPA/AP/be / AP / DPA