HOME

Todesschüsse auf Staatsanwalt: Mordprozess beginnt ohne den Angeklagten

Der Mann, der im Januar im Amtsgericht von Dachau einen Staatsanwalt erschossen haben soll, ist schwer krank und kann nicht an der ersten Verhandlung teilnehmen.

Ohne den Angeklagten hat der Prozess um die tödlichen Schüsse auf einen Staatsanwalt in Dachau begonnen. Der mutmaßliche Mörder ist schwer krank. Deshalb blieb auch das extra aufgebaute Krankenbett im Münchner Landgericht am Montag leer. Der Angeklagte wurde aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands nicht ins Gericht gebracht. Der Mann müsse erneut operiert werden, sagte der Vorsitzende Richter Martin Rieder.

Die Anklage lautet auf Mord und dreifachen versuchten Mord. Der Mann hatte am 11. Januar im Dachauer Amtsgericht den 31 Jahre alten Staatsanwalt erschossen und weitere Schüsse auf die Richterbank abgegeben. Der Spediteur musste sich damals wegen nicht bezahlter Sozialversicherungsbeiträge verantworten.

Angeklagtem wurden beide Beine amputiert

Der Sachverständige Malte Ludwig schilderte zum Prozessauftakt den desolaten Gesundheitszustand des Angeklagten. Der Mann habe zeitweise jede Behandlung sowie eine angemessene Ernährung verweigert und nur Milch, Chips und Schokolade zu sich genommen.

Dem Diabetiker wurden in der Untersuchungshaft beide Beine abgenommen. Die zweite Amputation liegt nur gut zwei Wochen zurück. Der 55-Jährige habe zuvor an Fieber gelitten. "Es drohte eine tödliche Sepsis", sagte Ludwig. Der Mann soll sich erst nach einem Besuch seiner Mutter doch zur Operation entschlossen haben.

Die Eltern und die Ehefrau des erschossenen Staatsanwalts sind in dem Prozess Nebenkläger. Ebenfalls Nebenklägerin ist die frühere Anwältin des Mannes, auf die er ebenfalls gefeuert hat.

Der Tod des jung verheirateten Staatsanwalts löste eine bundesweite Debatte über schärfere Sicherheitsvorkehrungen in Justizgebäuden aus. Als Konsequenz wurden in den Gerichten in Bayern die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

DPA / DPA
Themen in diesem Artikel