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Todesstrafe für Pakistaner: Dem Mumbai-Attentäter "keine Gelegenheit geben, sich zu ändern"

Anderthalb Jahre nach den Anschlägen von Mumbai ist der einzige überlebende Attentäter zum Tod durch den Strang verurteilt worden.

Eineinhalb Jahre nach den Terroranschlägen von Mumbai ist der einzige überlebende Attentäter zum Tode verurteilt worden. Richter M.L. Tahaliyani verhängte am Donnerstag das höchstmögliche Strafmaß gegen den Pakistaner Mohammed Ajmal Kasab. Dieser wurde am Montag für schuldig befunden, an den Anschlägen in der indischen Finanzmetropole vom November 2008 mit 166 Toten maßgeblich beteiligt gewesen zu sein.

Kasab soll gemeinsam mit einem Komplizen im Bahnhof von Mumbai (Bombay) 58 Menschen getötet und 104 verletzt haben. Er wurde wegen Mordes und Kriegsführung gegen Indien verurteilt, zwei mitangeklagte Inder wurden freigesprochen. Die neun übrigen Angreifer wurden während der dreitägigen Belagerung mehrerer Luxushotels, eines jüdischen Zentrums und anderer Einrichtungen in Mumbai getötet.

Das Todesurteil gegen Kasab muss noch von der nächsthöheren Instanz, dem High Court, überprüft werden. Der Pakistaner kann Berufung einlegen sowie ein Gnadengesuch an die Regierung richten.

Er saß bei der Verkündung des Schuldspruchs am Donnerstag mit gesenktem Kopf da und weinte. Im Juli hatte er überraschend ein Geständnis abgelegt, das er später aber widerrief. Der Pakistaner erklärte damals, er sei gefoltert worden. Allerdings gibt es Fotos, die zeigen, wie er mit einem Gewehr in der Hand durch den Bahnhof geht, in dem 58 Menschen ums Leben kamen. In dem Prozess wurden mehr als 600 Zeugen vernommen.

Nach Überzeugung des Gerichts gehörten die Attentäter der pakistanischen Extremistengruppe Lashkar-e-Taiba an. Kasab habe sich den Kämpfern freiwillig angeschlossen, und "so jemandem kann keine Gelegenheit gegeben werden, sich zu ändern", erklärte das Gericht.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wird bis zur Vollstreckung der Todesstrafe gegen den Pakistaner durch den Strang mindestens ein Jahr vergehen. Zuletzt wurde in Indien im Jahr 2004 ein Verurteilter gehängt.

Die Anschläge in Mumbai haben das ohnehin schwierige Verhältnis zwischen Indien und Pakistan erheblich belastet. Pakistan hat mittlerweile sieben Personen festgenommen, die einer Beteiligung an den Vorbereitungen für das Blutbad verdächtigt werden. Der Führer der Extremistengruppe Lashkar-e-Taiba, Hafiz Muhammad Saeed, ist zum Ärger der indischen Regierung aber weiter auf freiem Fuß. Die beiden Staaten haben seit dem Ende der britischen Kolonialherrschaft und der Teilung des Subkontinents im Jahr 1947 drei Kriege gegeneinander geführt.

Erika Kinetz, APN (mit AFP)