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Tödliche Prügelattacke am Alex Berlin in der Angstfalle


Ein 20-Jähriger wird auf dem Alex totgeprügelt, ein anderer angeschossen. Kann man sich in Berlin noch auf die Straße wagen? Die Polizei verneint eine Gewaltspirale: tragische Einzelfälle.
Von Sophie Albers, Berlin

Googelt man die Worte "Berlin Gewalt 2012", spuckt der Rechner zuerst einmal Gutes aus: der Berliner Präventionspreis, mit dem "besondere Leistungen im Bereich der Gewalt- und Kriminalitätsprävention im Land Berlin" gewürdigt werden, das Berliner Forum zur Gewaltprävention "Berlin gegen Gewalt" und auch ein Aufruf der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft Berlin zu mehr Aufklärung und Prävention" an Schulen. Erst an vierter Stelle wird deutlich, wozu all die Prävention eigentlich nötig ist:

"Die dunkle Seite der Metropole" heißt der Artikel aus der Berliner Tageszeitung "Tagesspiegel", der zusammenfasst, was seit einigen Wochen dem Image der "entspannten Hauptstadt" heftigste Schäden beibringt: Am Montag ist ein 20-Jähriger seinen schweren Kopfverletzungen erlegen, nachdem er am Sonntagmorgen am Alexanderplatz von einer Gruppe Unbekannter ohne Grund niedergeprügelt worden war.

Am Wochenende zuvor war in Schöneberg ein junger Mann willkürlich in den Bauch geschossen worden, am Alexanderplatz erlitt ein anderer einen Leistendurchschuss. Im September war am Rande eines Hertha-Spiels ein Fan mit Down-Syndrom fast erdrosselt worden. Im April wurde in Neukölln ein 22-Jähriger erschossen. Internationale Schlagzeilen machte im September 2011 der Tod des 23-jährigen Giuseppe M., der vor Schlägern aus der U-Bahn fliehen wollte und dabei vor ein Auto lief. Es sieht nicht gut aus für Berlin.

"Das passiert leider Gottes immer wieder"

Auch wenn die Kriminalitätsstatistik belegt und Experten betonen, dass es sich um tragische Einzelfälle handelt und dass die Zahl der Gewalttaten zurückgehe - "62.736 erfasste Fälle im Jahr 2011 stellen die niedrigste Anzahl der letzten zehn Jahre dar" -, grassieren derzeit mediale Hysterie und bei den Einwohnern Berlins mindestens ein schlechtes Gefühl: Der öffentliche Raum ist nicht sicher. Das hatten viele für das berüchtigte Neukölln schon hingenommen, aber der Touristentreffpunkt Alexanderplatz?

"Aufgrund der Brutalität dieses Verbrechens auf öffentlichem Straßenland" hat die Berliner Staatsanwaltschaft nun bis zu 15.000 Euro Belohnung für Hinweise zur Aufklärung der Tat ausgesetzt. Das signalisiere, "wie intensiv wir versuchen, das Verbrechen aufzuklären", heißt es. Gegen sieben Verdächtige wird wegen Mordes ermittelt. Die Täter sind auf der Flucht, nachdem sie zu siebt einem Jungen den Kopf zertreten haben.

Aber es sei eben keine Häufung, keine Steigerung, keine Eskalation, keine "Todesspirale". Hemmungslose Gewalt und auch Schusswaffengebrauch passierten leider Gottes immer wieder, heißt es von der Berliner Polizei. "Berlin ist eine große Stadt - wie New York." Oder wie ein anderer Beamter meinte, "nach vier, fünf Tagen ist das Thema wieder vorbei".


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