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Tödliche Prügelattacke am Alexanderplatz: Jonny K.-Prozess droht zu platzen

"Sind Sie zu feige oder wollen Sie uns verarschen?": Weil ein Schöffe die Nerven verlor, muss das Verfahren um die tödliche Prügelattacke am Alexanderplatz möglicherweise neu aufgerollt werden.

Wegen der Äußerung eines verärgerten Schöffen ist ungewiss, wie der Prozess um die tödliche Prügelattacke am Alexanderplatz vor dem Berliner Landgericht weitergeht. Die Verteidigung beantragte, einen Laienrichter als befangen auszuschließen. Dieser hatte die Aussagen eines Augenzeugen, der sich auf Erinnerungslücken berief, mit den Worten kommentiert: "Sind Sie zu feige oder wollen Sie uns verarschen?".

"Wissen Sie überhaupt, worum es in dem Prozess geht?"

Der 23-jährige Zeuge und zwei seiner Freunde hatten am vierten Verhandlungstag fast alle Fragen des Gerichts mit den Worten: "Ich weiß es nicht, ich kann mich nicht erinnern" beantwortet. Der Vorsitzende Richter Helmut Schweckendieck äußerte Unverständnis: "Es fällt schwer, das zu glauben. Wissen Sie überhaupt, worum es in dem Prozess geht?"

Auch Schweckendieck kritisierte dann die Wortwahl des Schöffen. Die Staatsanwaltschaft teilte den Ärger über die Äußerung, sprach sich aber gegen eine Ablehnung des Laienrichters aus. Aus Sicht der Verteidigung ist mit einem Schöffen, der sich zu so einer Wortwahl hinreißen lässt, jedoch kein faires Verfahren zu erwarten.

Ersatzschöffen waren nicht bestellt

Sollte das Berliner Landgericht dem Antrag folgen, müsste der Prozess um den Tod des 20-jährigen Jonny K. neu aufgerollt werden. Ersatzschöffen waren nicht bestellt. Das Gericht will bis kommenden Donnerstag über den Ablehnungsantrag gegen den Laienrichter entscheiden.

Jonny K. war laut Anklage in der Nacht zum 14. Oktober 2012 am Berliner Alexanderplatz mit Schlägen und Tritten so heftig angegriffen worden, dass er stürzte und später an Gehirnblutungen starb. Sein Tod hatte bundesweit Bestürzung ausgelöst. Sechs Männer im Alter von 19 bis 24 Jahren sitzen wegen Körperverletzung mit Todesfolge beziehungsweise gefährlicher Körperverletzung auf der Anklagebank. Alle haben Schläge oder Tritte eingeräumt. Die Verantwortung für den Tod wiesen die Angeklagten aber zurück.

mad/DPA / DPA
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