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Tödliche Schüsse in Duisburg: Elf Jahre Haft für Hells Angel

Szenen wie aus einem schlechten Gangsterfilm spielten sich vor knapp einem Jahr in Duisburg ab: Aus einem fahrenden Auto erschoss ein Rocker der Hells Angels ein Mitglied der rivalisierenden Bandidos. Jetzt wurde Timur A. verurteilt - allerdings nicht wegen Mordes.

Knapp ein Jahr nach tödlichen Schüssen im Rockermilieu hat das Duisburger Schwurgericht am Montag ein Mitglied des Motorradclubs Hells Angels zu elf Jahren Haft verurteilt. Die Richter bestraften den Angeklagten Timur A. wegen Totschlags. Er hatte am Abend des 8. Oktober 2009 ein Mitglied der rivalisierenden Bandidos in Duisburg aus einem fahrenden Auto heraus vor dem Bandidos-Club The Fat Mexican erschossen.

Das 32-jährige Opfer wurde tödlich am Kopf verletzt. Als Motiv für die Tat gilt ein Streit um eine Frau. Sie soll eine Beziehung mit A. beendet haben, um mit dem späteren Opfer zusammen sein zu können. Anhand von Zeugenaussagen und Ergebnissen einer Gebäudeüberwachung durch die Polizei ergab sich für das Gericht das Bild einer gegenseitigen Kampfansage. Der Angeklagte musste laut Gericht mit seinem Auto an einer Ampel halten und wurde von mehreren vor der Gaststätte stehenden Bandidos-Mitgliedern bemerkt. Das spätere Opfer lief auf den Wagen zu und forderte den 31-Jährigen anscheinend auf, auszusteigen und sich einem Kampf zu stellen, hieß es weiter. Mit den Worten "Komm raus und mach dich lang!" soll das spätere Opfer A. provoziert haben. Auch ein Kopfgeld soll auf ihn ausgesetzt gewesen sein. Der Angeklagte zückte eine Pistole und feuerte vier Mal, eine der Kugeln traf das Opfer in den Kopf.

"Wir sind davon überzeugt, dass keine Notwehr-Situation vorgelegen hat", sagte der Vorsitzende Richter Joachim Schwartz in der Urteilsbegründung. Der 31-Jährige habe vielmehr mit dem festen Willen gehandelt, den anderen Rocker zu töten. "Das war das individuelle Finale eines Konfliktes zweier Motorrad-Clubs", sagte der Richter. Beide, Täter und Opfer, hätten die Eskalation förmlich hinaufbeschworen, weil sie "ihr Gesicht nicht verlieren wollten". So habe der Angeklagte zum Beispiel die Gelegenheit verstreichen lassen, einfach loszufahren, als die Ampel wieder auf Grün stand.

Krieg der Rockerbanden im Ruhrgebiet

Der Prozess begann im März unter großen Sicherheitsvorkehrungen. Ausschreitungen zwischen den Delegationen der Bandidos und Hells Angels blieben aber aus. Zur Urteilsverkündungen kamen je fünf Mitglieder der Clubs, zwischen denen Ende vergangenen Jahres im Ruhrgebiet kurzzeitig ein Krieg entbrannte. Ursprünglich war der zur Tatzeit 31-Jährige wegen heimtückischen Mordes und zweifachen versuchten Totschlags angeklagt. Im Plädoyer rückte die Staatsanwaltschaft von der Mordanklage ab und beantragte 13 Jahre Haft wegen Totschlags. Das Merkmal der Heimtücke sei aber nicht zu erkennen, erklärte ein Gerichtssprecher. Vom Vorwurf, auf zwei unbeteiligte Frauen geschossen zu haben, sprach das Gericht den Angeklagten frei.

swd/APN/DPA / DPA