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Tödliche Schüsse in Toulouse: Frankreich sucht den schwarzen Mann

Die Anschläge auf eine jüdische Schule in Toulouse und auf Soldaten mit insgesamt sieben Toten haben in Frankreich zu einer landesweiten Großfahndung geführt. Was weiß man über den Täter?

Von Gernot Kramper

Ganz Frankreich sucht den mysteriösen Mörder. Gesichert sind zwei Fakten: Waffe und Fahrzeug. Der Täter fuhr zu allen Taten mit einem PS-starken Motorroller vom Typ Yamaha T-Max, der einige Tage zuvor gestohlen worden war. Auffällig ist, dass der Täter das Fluchtfahrzeug mehrfach benutzt hat. Damit ist er ein zusätzliches Risiko eingegangen - er muss den Roller, nach dem ganz Frankreich sucht, geschützt unterstellen können.

Waffe war vemutlich eine Armeepistole

Für die Taten wurde offenbar auch dieselbe Waffe verwendet. Beim Anschlag auf die Ozar-Hatorah-Schule soll der Täter allerdings zwei Waffen benutzt haben. Der Typ wurde nicht bekanntgegeben, aber das Kaliber: 11,43 Millimeter. Für eine Handfeuerwaffe ist das ein sehr großes Geschoss. Benutzt wurde es vor allem in der US-Armee im Colt 45, M1911 - auch "Colt Government" genannt. Grund für die Wahl des Projektils war ursprünglich, dass ein Treffer einen Menschen, aber auch Pferd stoppen können sollte. Der M1911 wurde bis 1985 in der US-Armee eingesetzt und wird auch heute noch von Polizisten und Spezialstreitkräften benutzt. Dieser militärische Hintergrund kann, muss aber kein Hinweis auf den Täter sein. Der robuste Colt gehört auch zu den am häufigsten gebauten Waffen der Welt. Aus dem Ablauf aller Anschläge lässt sich ablesen, dass der Täter ein skrupelloser und geübter Schütze ist.

Auffällige Tätowierung

Ein Augenzeuge des Anschlags am Montag beobachtete, dass der Täter eine kleine Kamera um den Hals trug. Anzunehmen - aber nicht gesichert - ist daher, dass der Mörder seine Taten filmte. Eine Phantomzeichnung konnte bisher nicht angefertigt werden, weil der Täter stets einen Motorradhelm trug. Eine Zeugin konnte einen Blick auf sein Gesicht werfen, als er kurz den Helm öffnete, dabei hat sie eine auffällige Tätowierung bemerkt.

Mit seinem ersten Opfer stand der Täter in Mailkontakt. Der Mann war Soldat und hatte ein Motorrad angeboten, er wurde von dem vermeintlichen Käufer erschossen. Experten werten nun die technischen Daten des Mailverkehrs aus. Ein Bekennerschreiben gibt es bisher nicht.

Hinweise auf das Fallschirmjägerregiment

Weitere Hinweise können die Motive des Attentäters geben. Den ersten beiden Taten fielen Angehörige des Fallschirmjäger-Regiments 17 mit afrikanischer beziehungsweise nordafrikanischer Abstammung zum Opfer.

Vorfälle in dem Regiment lassen an einen rechtsradikalen Hintergrund der Taten denken. Angehörige der Einheit sollen im Kosovo den Hitlergruß entboten und dabei mit einer Nazifahne posiert haben. Auch die auffällige Tätowierung des Killers könnte auf dieses Regiment hinweisen. Für den Anschlag auf die Soldaten und die jüdische Schule könnte aber auch ein islamistisch begründetes Motiv infrage gekommen sein. In Afghanistan kämpfen die französischen Fallschirmjäger seit Jahren gegen Islamisten.

Sollte die Regimentsspur sich als zutreffend herausstellen, müssten die Fahnder den Täter schnell identifizieren können. Der Kreis der ausgeschiedenen und aktiven Mitglieder des Regiments ist überschaubar. Da ein Teil der Einheit in Afghanistan dient und andere Truppenteile kaserniert leben, ist die Zahl der Verdächtigen klein. Sollte der Täter aber in keinem persönlichen Verhältnis zu dem Fallschirmjägerregiment stehen, könnten die ausgetauschten E-Mails und der gestohlene Motorroller am ehesten zu dem Täter führen.

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