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Tödliche Schüsse in Toulouse Justiz stuft "Roller-Mörder" als Terroristen ein


Nach der Bluttat vor einer jüdischen Schule in Toulouse läuft die Fahndung nach dem Täter auf Hochtouren. Die französische Justiz spricht von Terrorismus.

Die französische Justiz hat die Anschläge auf eine jüdische Schule sowie mehrere Soldaten im Großraum Toulouse als terroristische Taten eingestuft. Der zuständige leitende Staatsanwalt François Molins begründete das auf einer Pressekonferenz in Paris mit der rassistischen und auch antisemitischen Natur der Taten sowie der Entschlossenheit des Täters. Es stehe zu befürchten, dass er erneut zuschlagen werde.

Die auf Terrorismusfälle spezialisierte Pariser Staatsanwaltschaft hat daher zwei Ermittlungsrichter nach Toulouse geschickt. Sie sollen die Arbeit der rund 200 Fahndungsbeamten vor Ort koordinieren. "Trotz allem, was geschrieben wurde, haben wir aber keinen Hinweis auf das Kennzeichen des Motorrollers", sagte Molins.

"Entschlossener" und "kaltblütiger" Täter

Der Ermittler betonte, es handele sich bei dem Täter um einen "extrem entschlossenen" und "kaltblütigen" Täter. Alle sieben Opfer an den drei Tatorten seien mit einem "aufgesetzten Kopfschuss" getötet worden. Nach seinen Worten ist aber noch völlig unklar, wer hinter den Bluttaten stecken könnte. Eine Spur zu Neonazis in der Armee, die Innenminister Claude Guéant als eine Möglichkeit genannt hatte, verlief nach Angaben aus der Polizei inzwischen im Sande.

Die Tatwaffe sei bei allen Morden erwiesenermaßen dieselbe gewesen - ein Colt vom Kaliber 11,43 Millimeter. Der Motorroller, mit dem der Mann flüchtete, sei möglicherweise kurz vor den Taten gestohlen worden, das sei aber noch nicht ganz sicher, hieß es. Insgesamt 6800 Stunden Video-Aufzeichnungen von Überwachungskameras müssten nun noch ausgewertet, alle Zeugenaussagen überprüft werden. Keine Spur werde ausgelassen. Er könne auch noch nicht mit hundertprozentiger Sicherheit bestätigen, dass der Täter eine Mini-Kamera dabei hatte, kommentierte Moins Meldungen, die während des Tages kursierten.

Ganz Frankreich unter Schock

Der schwere Anschlag auf die jüdische Schule mit insgesamt vier Toten und einem Schwerverletzten hat das gesamte Land in Schock versetzt und auch Auswirkungen auf den laufenden Wahlkampf. Er wurde von Sarkozy und seinen wichtigsten Herausforderern bei der Kandidatur fürs höchste Staatsamt vorübergehend ausgesetzt.

dho/DPA DPA

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