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Tödliche Verwechslung: US-Polizei erschießt Teenager wegen Spielzeugwaffe

Weil zwei Polizisten in Kalifornien ein fataler Fehler unterlaufen ist, musste der 13 Jahre alte Andy Lopez sterben. Die Beamten hatten Spielzeugwaffen für echt gehalten und geschossen.

In Kalifornien hat ein Polizist einen 13 Jahre alten Jungen erschossen. Der Vorfall ereignete sich bereits am Dienstag, wurde aber erst jetzt publik. Beamte in der #link;http://www.stern.de/auto/service/santa-rosa-90437133t.html;Stadt Santa Rosa in Kalifornien# hatten Spielzeugwaffen, die der Teenager bei sich trug, mit echten Waffen verwechselt, wie der Nachrichtensender CNN berichtete. Der Vorfall löste Bestürzung und Entrüstung in Santa Rosa aus.

Der Sheriff und sein Stellvertreter hatten Andy Lopez am Dienstag mit zwei vermeintlichen Waffen eine Straße entlanggehen sehen. Sie stoppten ihren Wagen und gingen hinter den Fahrzeugtüren in Deckung. Die Beamten forderten den Jungen auf, die Waffen fallen zu lassen - stattdessen soll er sich umgedreht haben und die Spielzeugwaffe in ihre Richtung erhoben haben. Zu diesem Zeitpunkt war der Teenager weniger als 10 Meter entfernt. Der stellvertretende Sherrif gab mehrere Schüsse ab, von denen mindestens einer traf. Lopez wurde noch vor Ort für tot erklärt, so die Polizei bei einer Pressekonferenz.

"Wir fordern Gerechtigkeit"

Erst nachdem die Schüsse abgefeuert waren, entdeckten die Polizisten, dass die mutmaßlichen Waffen aus Plastik waren. Die Spielzeugwaffe hatte laut Aussage der Beamten starke Ähnlichkeit mit einem Sturmgewehr des Typs AK-47. Der Schütze hätte um seine eigene Sicherheit und die seines Kollegen gefürchtet, erklärte die Polizei in einer Mitteilung. Eine Untersuchung wurde eingeleite. Die Beamten, deren Identität anonym blieb, sind vorerst beurlaubt worden.

Die Familie und Klassenkameraden des getöteten Jungen zeigten sich bestürzt. Die Polizisten hätten die Nerven verloren, sagten Angehörige US-Medien. "Warum konnten die Polizisten ihm nicht ins Bein schießen? Warum mussten sie ihn erschießen?", klagte Alma Galvan, eine Freundin der Familie des Opfers dem "San Francisco Chronicle". Am Mittwochabend trafen sich hunderte Anwohner und Freunde um an den Jungen zu erinnern und zu protestieren. "Wir fordern Gerechtigkeit!", skandierten sie. Die Demonstration erstreckte sich bis an die Ecke jenes Feldes, wo der Junge erschossen worden war. Dort wurden Kerzen, Stofftiere und Blumen niedergelegt.

"Sie sollten wissen, ob eine Waffe echt ist"

"Wir wissen nicht, warum sie ihn erschossen haben", sagte Katia Ontiveros der Zeitung "Press Democrat Santa Rosa". Ihr Bruder sei mit Andy Lopez befreundet gewesen. Ihre Wut richtet sich gegen die Polizei: "Sie sollten wissen, ob eine Waffe echt ist." Linsey Gannon, stellvertretende Schulleiterin der Lawrence Cook Middle School, in der Lopez die achte Klasse besuchte, sagte am Mittwoch: "Andy war ein sehr beliebter und gutaussehender junger Mann, der sehr intelligent und begabt war.

Immer wieder kommt es in den USA zu Schießereien, an denen Kinder oder Jugendliche beteiligt sind. Erst am Dienstag hatte ein 12-jähriger Schüler in Nevada seinen Mathe-Lehrer und danach sich selbst erschossen.

Alexander Meyer-Thoene, mit DPA
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