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Tödliches Familiendrama in Neuss Vater unter Tatverdacht

Es sieht nicht nach einem Tatort aus. Doch in dem gepflegten Haus fielen vermutlich Schüsse, eine junge Mutter und ihre beiden Kinder sind tot. Der Ehemann ist zur Fahndung ausgeschrieben.

Ein ordentliches Haus mit Klinkerfassade, viele Fenster sind geöffnet für die frische Morgenluft am Dienstag, nichts fällt auf. Am Vorabend war viel Polizei hier, Männer in weißen Overalls, rot-weiße Flatterbänder. Es hat Tote gegeben. Zwei Kinder, vier und acht Jahre alt und ihre erst 26 Jahre alte Mutter - alle vermutlich erschossen.

Die kleinen Schuhe stehen adrett auf einem Regal vor der Wohnung. Ein Mann verlässt das Haus, einen kleinen Jungen an der Hand. Vielleicht gehen sie einkaufen, es ist der letzte Ferientag, alles sieht ganz normal aus.

Aber zum vierten Mal schon in diesem Monat erschüttert eine Nachricht wie diese die Menschen an Rhein und Ruhr. In Dortmund werden drei Kinder getötet, die Freundin des Vaters steht unter Tatverdacht. In Oberhausen ersticht ein Mann den kleinen Sohn seiner Partnerin, er wartet in der Psychiatrie auf die Anklage. In Essen tötet eine Mutter die eigene Tochter und dann sich selbst durch Stiche in den Hals.

Zahl der Gewaltdelikte gegen Kinder seit Jahrzehnten unverändert

Und jetzt in Neuss? "Aufgrund der ersten Ermittlungen kann ein Tötungsdelikt nicht ausgeschlossen werden", teilen Polizei und Staatsanwalt noch am Montagabend mit. Mutter und Kinder seien vermutlich erschossen worden. Und: "Uns interessiert der Aufenthaltsort des Ehemanns." Was das bedeutet, bleibt erstmal offen.

Die Häufung der tödlichen Familiendramen ist nicht zu übersehen - nicht nur in NRW. Erst in der vergangenen Woche hatte im Allgäu ein Vater seine beiden Söhne und sich selbst getötet, kurz vorher brachte eine Mutter im oberbayerischen Emmering ihren beiden Söhne und sich ums Leben.

Fast jedes zehnte Opfer von Mord und Totschlag in Deutschland war laut der Kriminalstatistik des vergangenen Jahres ein Kind, also noch keine 14 Jahre alt. Aber der Bochumer Kriminologe Andreas Ruch hat darauf hingewiesen, dass die Zahl der Gewaltdelikte gegen Kinder seit Jahrzehnten unverändert ist: Auf 100 000 Kinder kommen statistisch 0,7 vollendete Tötungsdelikte pro Jahr.

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