Tokio Amokläufer ersticht sieben Menschen


Ein Amokläufer hat in einem Tokioter Vergnügungsviertel mit einem Messer ein Massaker angerichtet, bei dem sieben Menschen getötet und zwölf weitere verletzt wurden. Der Mann sagte der Polizei, er sei in das Viertel gekommen, um Menschen zu töten.

Beim blutigsten Amoklauf in Japan seit Jahren hat ein Mann in Tokio mindestens sieben Menschen erstochen. Der 25-jährige Japaner raste zur Mittagszeit im weltberühmten Elektronik-Shoppingviertel Akihabara mit einem Lastwagen in die Menge, sprang heraus und stach wahllos auf Passanten ein. Sechs Männer und eine Frau seien im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen erlegen, berichteten japanische Medien unter Berufung auf die Polizei. Zehn Menschen wurden verletzt. Der junge Mann wurde nahe des Tatortes festgenommen. Akihabara ist ein Mekka für Fans japanischer Manga-Comics, Videospiele und neuester Unterhaltungselektronik.

Der Täter hatte mit einem gemieteten Zwei-Tonnen-Laster Passanten angefahren, bevor er sie laut Augenzeugen schreiend mit seinem Messer attackierte. "Ich bin nach Akihabara gekommen, um Menschen zu töten. Es war egal, wen", sagte der 25-Jährige der Polizei. "Ich habe diese Welt satt", wurde der Amokläufer zitiert. Ein Augenzeuge schilderte: "Es war wie ein Terrorangriff, weil alles so schnell passierte". Ein herbeigeeilter Polizist schlug auf den Täter laut Augenzeugen mit einem Gummiknüppel ein, konnte ihn aber zunächst nicht fassen. Als der Beamte jedoch daraufhin seine Waffe zog und einen Warnschuss abfeuerte, ließ der Täter aus der Zentralprovinz Shizuoka sein Survival-Messer mit 13 Zentimeter langer Klinge fallen und wurde verhaftet.

Nach dem Amoklauf ertönten in Akihabara, das liebevoll auch Akiba genannt wird und Anziehungspunkt für ausländische Touristen ist, von überall her Sirenen der Rettungswagen. Hunderte von Schaulustigen versammelten sich in Japans Animationsparadies an den Absperrbändern, hinter denen sich Szenen wie in einem Horrorfilm abspielten. Ein in Japan lebender britischer Geschäftsmann schilderte dem Sender BBC: "Als ich die Straße runterkam, bemerkte ich viele Streifenwagen". Ein Mensch habe auf der Straße gelegen, "aus seiner Seite sickerte Blut. Ich war entsetzt". Der Brite weiter: "Ich sah ein Blutbad, überall lagen Körper". Manche der am Straßenrand und auf der Straße liegenden Menschen seien bei Bewusstsein gewesen, andere nicht.

Hunderte Schaulustige hinter der Absperrung

Das japanische Fernsehen zeigte dramatische Bilder von Rettungskräften bei verzweifelten Wiederbelebungsversuchen. Sirenengeheul hallte durch die Straßen des an Wochenenden besonders belebten und für den Autoverkehr gesperrten Viertels. Auf Bildern, die Passanten mit ihren Mobiltelefonen machten, waren Polizeibeamte zu sehen, wie sie sich auf den am Boden an einer Hauswand liegenden Amokläufer stemmen. Anschließend führten sie den mit dunkler Brille und cremefarbenem Sakko bekleideten Mann ab. Insgesamt 17 Menschen, darunter ein Verkehrspolizist, wurden in ein nahes Krankenhaus gebracht. Für sechs Männer und eine Frau kam jedoch jede Hilfe zu spät. Menschen beteten hinter den Absperrbändern für die Opfer.

Erst kürzlich hatte eine Serie wahlloser Morde an Passanten Japan schockiert. Im März hatte ein 18-Jähriger in einem Bahnhof in der Provinz Okayama einen zufällig ausgewählten Pendler vor einen einfahrenden Zug gestoßen. Das 38 Jahre alte Opfer starb im Krankenhaus. Kurz zuvor hatte ein 24-Jähriger in einem Bahnhof in Ibaraki auf Passanten eingestochen. Ein Mensch wurde getötet, sieben weitere verletzt.

Zwar gilt Japan im internationalen Vergleich weiterhin als ein Land mit relativ geringer Gewaltkriminalität. Doch haben in den vergangenen Jahren die Übergriffe mit Messern zugenommen. Das Blutbad in Akihabara ereignete sich am gleichen Tag wie 2001, als ein Amokläufer in einer Grundschule in der Stadt Ikeda wahllos acht Kinder mit einem Küchenmesser erstach. Die Worte des psychisch kranken Täters ähneln denen des Täters von Akihabara: Er habe "von allem die Nase voll".

DPA DPA

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