Tote Babys in Kühltruhe "Ich wollte, dass die Kinder leben"


In dem Prozess um drei in einer Kühltruhe gefundene Babyleichen, hat die Mutter gestanden, ihre Kinder dort abgelegt zu haben. Allerdings bestritt sie jede Tötungsabsicht. "Ich wollte, dass die Kinder leben", hieß es in einer von ihrem Anwalt verlesenen Erklärung.

Ein halbes Jahr nach dem Fund dreier Babyleichen in einer Tiefkühltruhe im sauerländischen Wenden hat am Dienstag vor dem Landgericht Siegen der Prozess gegen die 44-jährige Mutter der Kinder begonnen. In einer persönlichen Erklärung, die von ihrem Anwalt verlesen wurde, gestand die Angeklagte, ihre Kinder in der Kühltruhe abgelegt zu haben. Allerdings bestritt sie den Tötungsvorwurf: "Ich wollte, dass die Kinder leben."

Sie habe die Babys in die Kühltruhe gelegt, damit sie weiter in ihrer Nähe seien. Der 18-jährige Sohn der Frau hatte die toten Kinder Anfang Mai bei der Suche nach einer Tiefkühlpizza entdeckt.

Die 44-jährige Mutter hatte die drei Mädchen nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft jeweils unmittelbar nach der Geburt getötet. Angeklagt ist sie wegen Totschlags in zwei Fällen. Das dritte Baby soll vor mehr als 20 Jahren auf die Welt gekommen sein, damit gilt die Tat als verjährt.

Die Anklage wirft der Frau vor, das 1988 geborene Kind erstickt und den Leichnam danach in der Tiefkühltruhe im Keller des Hauses verstaut zu haben. 2004 wurde sie laut Staatsanwaltschaft erneut schwanger - auch dieses Baby soll sie mit einem Tuch erstickt oder unversorgt dem Sterben überlassen haben.

Aus panischer Angst vor gynäkologischen Untersuchungen habe sie ihre Schwangerschaften verdrängt, hieß es in der Erklärung der Frau. Sie habe abwarten wollen, bis ihr Ehemann sie darauf anspreche. Die Geburten seien dann jeweils sehr plötzlich gekommen, sie habe die Kinder im Badezimmer zur Welt gebracht.

Ein Kind hatte eine Alkoholvergiftung

Bei der Geburt 1988 stand die Frau nach eigenen Angaben unter dem Einfluss von Beruhigungsmitteln. Ein medizinischer Gutachter bestätigte zudem, dass das 2004 geborene Baby eine für Neugeborene bedrohliche Alkoholkonzentration von 0,5 Promille gehabt habe. Wenn es versorgt worden wäre, hätte es aber gerettet werden können. Die 44 Jahre alte Mutter räumte vor Gericht ein schweres Alkoholproblem ein.

Die Angeklagte machte keine Angaben zur Tötung der Kinder. Sie erklärte lediglich, diese hätten irgendwann keine Lebenszeichen mehr von sich gegeben.

Nach dem Fund der Babys war die 44-Jährige mit ihrem Ehemann und ihrer 24-jährigen Tochter auf einer Polizeiwache erschienen und hatte Selbstanzeige erstattet. Nach einem Teilgeständnis äußerte sie sich nicht weiter zu den Vorwürfen und galt während ihrer Zeit in der Untersuchungshaft als nicht vernehmungsfähig.

Seit Oktober ist die Frau auf eigenen Wunsch in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Sollte die Hausfrau für schuldig befunden werden, drohen ihr bis zu 15 Jahre Haft. Für den Prozess sind zunächst drei Tage angesetzt. Das Urteil wird frühestens für Anfang Dezember erwartet.

AP/DPA AP DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker