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Tote Frühchen in Bremer Klinik Erreger wurde bereits im April festgestellt


Der lebensgefährliche Erreger in einer Bremer Klinik ist schon vor einem halben Jahr festgestellt worden. Daran starben drei Frühchen. Das Krankenhaus räumt nun Fehler ein: Die Behörden seien zu spät informiert worden.

Der für den Tod von drei Frühchen verantwortliche Erreger ist in der Bremer Klinik schon früher als bisher bekannt aufgetreten. Bereits Ende April sei der lebensgefährliche ESBL-Keim bei einem Frühchen nachgewiesen worden, sagte der Chef des Klinikverbundes Gesundheit Nord, Diethelm Hansen, am Donnerstag. Zugleich räumte er ein, die Gesundheitsbehörden hätten früher informiert werden müssen. "Wir geben heute öffentlich bekannt, dass wir Fehler gemacht haben."

Auf Anregung des Robert-Koch-Instituts (RKI) habe man den Betrachtungszeitraum inzwischen ausgeweitet, sagte Hansen. Dadurch seien früheren Fälle aufgefallen. Auch im Mai und Juni war der Erreger aufgetaucht. Nach jetzigem Stand haben Experten den multiresistenten Keim bei 23 Babys festgestellt, davon erkrankten neun. Drei Frühchen starben im August und Oktober nach einer Infektion mit dem Erreger.

Klinikleitung und Gesundheitsbehörde hatten die Vorfälle erst in der vergangenen Woche bekanntgegeben. Nach bisheriger Darstellung war die Infektionswelle Ende Juli auf der Frühchenstation ausgebrochen. Am 25. Juli war ein Frühchen an einer Hirnblutung auf der betroffenen Station gestorben. Zwar sei bei ihm der Keim nachgewiesen worden, aber nicht die Todesursache gewesen, hieß es.

Gesundheitssenatorin erst Anfang November informiert

Die Staatsanwaltschaft ermittelt zurzeit wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung. Die oppositionelle CDU-Fraktion im Bremer Landtag kündigte an, einen Untersuchungsausschuss beantragen zu wollen. Die Linke sowie die Regierungsparteien SPD und Grünen wollten dies unterstützen.

Die Klinik hatte erst Anfang September das Gesundheitsamt eingeschaltet. Das Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) untergeordnete Amt informierte seine Chefin erst Anfang November - fünf Tage nach dem letzten Todesfall.

Die Senatorin verhängte sofort einen Aufnahmestopp und forderte Experten vom RKI an. Ob es einen Todesfall verhindert hätte, wenn das Robert-Koch-Institut früher hinzugezogen worden wäre, sei zurzeit spekulativ, sagte Hansen.

Unterdessen gab der für die Hygiene im Klinikum zuständige Arzt als Konsequenz aus der neuen Entwicklung seine Verantwortlichkeit ab. Jürgens-Pieper kündigte an, kommende Woche darüber zu entscheiden, ob sie Disziplinarverfahren gegen Beamte oder dienstliche Verfahren gegen Angestellte einleite. Solange die Staatsanwaltschaft ermittle, würden solche Verfahren aber ausgesetzt.

AFP/DPA DPA

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