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Tote Politikergattin Indien rätselt über Frau Pushkars Ableben


Ein indischer Staatsminister soll seine Frau betrogen haben, die wird kurz darauf tot in einem Hotel gefunden. War es Mord, Selbstmord oder ein Unfall? Und welche Rolle spielt Twitter bei der Sache?
Von Jens Wiesner

Das Verhältnis zwischen Indien und seinem Nachbarn Pakistan als angespannt zu bezeichnen, wäre maßlos untertrieben. Feindlich trifft es schon eher. Nur unter diesem Vorzeichen ist zu verstehen, warum derzeit ganz Indien über die mögliche Affäre eines Staatsministers mit einer Journalistin diskutiert. Mehr Tarar stammt aus Pakistan, der verheiratete Shashi Tharoor ist Inder und war früher mal stellvertretender UN-Generalsekretär.

Das alleine reichte schon aus, um tagelang die Titelseiten nicht nur der indischen Klatschpresse zu füllen. Und während das Land noch über das Für und Wider einer solchen Verbindung und die Moral an sich diskutierte, platzte am Freitag die nächste Bombe: Tharoors Ehefrau Sunanda Pushkar wurde tot in einem Hotelzimmer in Neu Delhi aufgefunden. Ihr Ableben: "plötzlich, unnatürlich", wie der zuständige Gerichtsmediziner bekanntgab.

Begonnen hatte die Tragödie vor einer Woche via Twitter: Von dem Profil des 57-jährigen Tharoor waren Nachrichten verschickt worden, in denen angedeutet wurde, der Politiker habe eine Affäre mit einer pakistanischen Journalistin. Zudem sollen Liebesnachrichten auf den jeweiligen Profilseiten der beiden aufgetaucht sein. Seit Monaten schon hatte es Gerüchte über Eheprobleme des Glamour-Paars gegeben. Doch Tharoor widersprach - ebenfalls über Twitter: Sein Account sei von Fremden gehackt worden.

Gerüchte über Eheprobleme gab es schon lange

Doch dann meldete sich seine 52-jährige Frau in mehreren Zeitungsinterviews zu Wort: Sie selbst habe die Nachrichten verfasst, in denen es unter anderem hieß, die Ehefrau sei der Affäre auf die Schliche gekommen. In einer Presseerklärung, die Tharoor später im Namen des Ehepaares herausgab, war dann von "unautorisierten Tweets" und "verfälschten Äußerungen" Pushkars die Rede. Am Donnerstag betonten beide vor Pressevertretern, sie seien glücklich verheiratet.

Die Fernsehmoderatorin Sagarika Ghose berichtete hingegen, sie habe noch am Freitag mit Pushkar gesprochen, die deprimiert gewesen sei und unaufhörlich geschluchzt habe. Noch am selben Tag wurde Pushkar tot aufgefunden. Ihr Ehemann selbst hatte nach Auskunft seines Büros am Freitag die Polizei informiert.

Nun rätselt das Land, wie die Geschäftsfrau zu Tode gekommen sein könnte: War es Mord, Selbstmord, Unfall oder Krankheit? Ein Mitarbeiter des Ministers wies Spekulationen über einen möglichen Selbstmord Pushkars zurück. Medienberichten zufolge soll die Politikergattin an Tuberkulose gelitten haben. Gerichtsmediziner Sudhir Gupta sagte indischen Medien am Sonntag nach der Autopsie, erste Untersuchungen deuteten auf eine Überdosis von Drogen hin. Die genaue Todesursache zu klären, werde allerdings noch zwei bis drei Tage dauern. Die Leiche der 52-Jährigen zeige "einige Verletzungen" - allerdings sei unklar, ob diese in Zusammenhang mit dem Tod Pushkars stünden, so Gupta.

Warten auf das Obduktionsergebnis

Nach der Autopsie wurde die Tote nach Brauch der Hindu eingeäschert. Ihr Mann und andere Trauernde trugen die mit Blumen geschmückte Bahre zu der Zeremonie. Unter den Anwesenden waren auch mehrere Kabinettskollegen Tharoors. Regierungschef Manmohan Singh sprach Tharoor seine Unterstützung "in dieser Stunde des Kummers" aus. Die Chefin der regierenden Kongress-Partei, Sonia Gandhi, besuchte den Politiker und Parteifreund in seinem Haus, um ihm ihr Beileid auszusprechen. Nun wartet ganz Indien gespannt auf die Bekanntgabe des Obduktionsergebnisses.

mit Agenturen

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