Tote Säuglinge "Kalte blaue Babys in Zellophan"


Nach dem Fund von neun toten Babys im brandenburgischen Brieskow-Finkenheerd beginnt die Mutter, Sabine H., sich an Details zu erinnern. Zweifel kommen zudem an der angeblichen Unwissenheit des Ex-Mannes auf.

Im Fall der neun Babyleichen aus Brandenburg werden immer mehr grausige Details bekannt. Zudem kommen Zweifel auf, ob der geschiedene Mann der beschuldigten Sabine H. nicht doch etwas von den Schwangerschaften gewusst haben könnte. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass er nichts mitbekommen hat", sagte der Anwalt der 39-Jährigen, Matthias Schöneburg aus Potsdam. Der Ex-Mann bestritt in der Zeugenvernehmung bei der Polizei eine Tatbeteiligung. Sabine H. wird vorgeworfen, neun ihrer 13 Kinder zwischen 1988 und 1999 getötet zu haben. Die Babyleichen waren in Blumentöpfen in Brieskow-Finkenheerd vor einer Woche entdeckt worden.

"Werden die Rolle des Mannes im Auge behalten"

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Frankfurt/Oder, Ulrich Scherding, sagte der Nachrichtenagentur DPA, gegen den Ex-Ehemann werde nicht ermittelt, aber "wir werden das im Auge behalten". Staatsanwältin Anette Bargenda sagte der "Bild"-Zeitung, sie habe Zweifel, dass die Kinder ohne Hilfe geboren wurden. "Hat wirklich niemand etwas bemerkt?", fragte sie. Sie fügte aber hinzu, die Polizei habe keine Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Ex-Mannes der Beschuldigten. Das Paar war erst vor einigen Monaten geschieden worden.

Scherding sagte, dass Sabine H. in den Vernehmungen angegeben habe, ein Kind 1991 in Goslar geboren und in einer Tasche nach Frankfurt/Oder gebracht zu haben. Zu welchem Zeitpunkt das Kind tot war, wollte er nicht sagen. Er wies darauf hin, dass alle Aussagen der 39 Jahre alten Frau überprüft werden müssten. Einen Bericht der "Bild", wonach Angehörige von den Schwangerschaften der Frau gewusst haben, konnte Scherding nicht bestätigen.

Mehrere Medien berichteten, Sabine H. könne sich erinnern, dass sie sich einmal mit der Geburt habe beeilen müssen, weil ihr Mann gegen 17.00 Uhr von der Arbeit zurückkehren sollte. Von einer anderen Geburt sei ihr noch das Bild eines "kalten blauen Babys" im Gedächtnis, das "in Zellophan gewickelt" gewesen sei.

Bargenda sagte der "Bild": "Sabine H. hatte mit ihrem Ehemann Oliver H. Mitte der 80er Jahre bereits drei Kinder bekommen. Das erste war gewünscht. Das zweite nicht mehr so ganz. Und ab dem dritten war ihr schon alles zu viel." Der Ehemann sei sehr dominant gewesen, sagte der Anwalt Jens P. Kroll aus Frankfurt/Oder mehreren Blättern. Er habe mit der Verdächtigen gesprochen. Ihr Ehemann soll Sabine H. demnach auch geschlagen haben.

Tochter soll Schwangerschaft dem Gesundheitsamt gemeldet haben

Unterdessen kündigte der Anwalt der Beschuldigten an, seinen Kollegen Kroll wegen Geheimnisverrats zu verklagen. Schöneburg sagte, er wisse nicht, was seine Mandantin Kroll gesagt habe. Kroll habe aber kein Mandat. Kroll hatte sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft um die Verteidigung von Sabine H. bemüht. Schöneburg wollte sich zu dem Fall seiner Mandantin nicht weiter äußern, da er erst die Akten studieren müsse.

Die "Märkische Oderzeitung berichtet, dass die Behörden in Frankfurt/Oder kurz vor der Geburt der jüngsten Tochter von Sabine H. Kontakt zu der Verdächtigen hatten. Eine Sozialarbeiterin habe im August 2003 die Schwangerschaft dem Gesundheitsamt gemeldet, wie ein Stadtsprecher der in Frankfurt/Oder erscheinenden Zeitung bestätigt habe. Die Behörde habe dann mit der Schwangeren Kontakt aufgenommen und sie beraten. Das Kind wird in einigen Wochen zwei Jahre alt.

DPA DPA

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