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Künzelsau Pflegeoma nach Tod eines Siebenjährigen verhaftet - "Sie hat den Jungen innig geliebt"

Künzelsau: 70-jährige Pflegeoma tötet kleinen Ole – Prozess in Heilbronn
In Künzelsau in Baden-Württemberg wird ein siebenjähriger Junge tot in der Badewanne aufgefunden. Das Kind wurde offenbar von seiner Pflegeoma erwürgt.
Am 27. April 2018 übernachtet der Junge bei Elisabeth S., weil die Eltern ins Konzert gehen.
Am nächsten Morgen wollen sie ihn um zehn Uhr abholen und finden ihr Kind leblos in der randvoll gefüllten Badewanne.
Der Junge weist Würgemale am Hals auf.
Noch am gleichen Abend wird die 70-Jährige festgenommen.
In ihrem Verhör präsentiert sie den Ermittlern drei verschiedene Versionen des Tatablaufs.
Im Prozess am Landgericht Heilbronn schweigt die Seniorin zu den Vorwürfen.
Wie sich herausstellt, hatte Elisabeth S. offenbar schon länger psychische Probleme, hatte panische Angst, in die Psychiatrie eingewiesen zu werden.
Und auch davor, aus diesem Grund ihr Pflegekind Ole nicht mehr sehen zu können.
Zu ihren Motiven schweigt die Angeklagte bis zuletzt.
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In Künzelsau in Baden-Württemberg ist ein siebenjähriger Junge tot in der Badewanne gefunden worden. Seine Pflegeoma wurde verhaftet. Die Hintergründe der Tat sind noch unklar.

Die Sonne scheint am Montag auf das weiß gestrichene Einfamilienhaus in Künzelsau bei Heilbronn. Die Hecke davor ist akkurat geschnitten, alles blüht. Was nicht in die Idylle passt, ist das im Wind wehende rot-weiße Polizeiband. Und die Kerzen und die Blumen auf der Mauer.

Nicht nur für die Eltern eines Siebenjährigen ist dies Haus seit dem Wochenende ein Ort des Grauens. Der Vater des Jungen fand seinen Sohn hier tot auf - nach einer Nacht bei seiner Pflegeoma.

Die 69-Jährige Elisabeth S. sitzt in Untersuchungshaft. Dringender Tatverdacht: Totschlag. Aber warum? Laut Polizei und Staatsanwaltschaft hat sich die Frau inzwischen "eingelassen". Nach ersten Gesprächen mit einem Anwalt schweige sie aber zu den Tatvorwürfen. Was genau sie der Polizei sagte, ist bislang nicht bekannt.

Künzelsau: Würgemale am Hals bestätigt

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hat der Vater seinen Sohn am Samstagmorgen in einer Badewanne liegend entdeckt. Das Kind hatte Würgemale am Hals und war mit hoher Wahrscheinlichkeit schon tot, als es in die Wanne gelegt wurde.

Am Montagnachmittag bestätigen dies Staatsanwaltschaft und Polizei: Gerichtsmediziner hätten "Gewalteinwirkung gegen den Hals des Jungen"
als Todesursache angegeben. Der Siebenjährige sei "den bisherigen Ermittlungen zufolge nicht ertrunken".

Nach allem, was man weiß, war das Kind gern bei der 69-Jährigen. Das Verhältnis der Familie zu der Betreuerin sei herzlich und vertrauensvoll gewesen, heißt es. Seit fünf Jahren habe der Junge aus Künzelsau immer mal wieder hier übernachtet. Eine Freundin von Elisabeth S. bestätigt das gegenüber der "BamS": "Sie hat den Jungen innig geliebt, er war für sie wie ein Enkelsohn." Sie glaubt nicht, dass die Tat vorsätzlich begangen wurde. "Aber vielleicht war sie mit der Situation überfordert", sagte sie weiter zur "BamS".

So auch von Freitag auf Samstag. Doch als die Eltern ihn am Samstagmorgen abholen wollen, ist ihr Sohn tot - und die 69 Jahre alte Bekannte der Familie nicht auffindbar. Zehn Polizeistreifen, ein Hubschrauber und ein Spürhund suchen im und um das Städtchen mit rund 15.000 Einwohnern nach der Frau.

Am Samstagabend gegen 21.30 Uhr wird die 69-Jährige "nach einem Zeugenhinweis in Künzelsau gefunden" und festgenommen, wie es in einer Mitteilung von Staatsanwaltschaft und Polizei heißt. "Sie war deutlich betrunken, krabbelte unter dem Flatterband der Polizei durch", zitiert die "BamS" eine Zeugin. Nach der Obduktion der Leiche des Siebenjährigen wird Haftbefehl wegen Totschlags gegen die Frau erlassen.

"Sie ist bisher die einzige Verdächtige"

Hat die 69-Jährige den Jungen erwürgt? Oder doch jemand anderes? Dazu macht die Staatsanwaltschaft Heilbronn am Montag nur eine Angabe: "Sie ist bisher die einzige Verdächtige." Und man gehe nicht davon aus, dass weitere hinzukommen. Nach derzeitigem Ermittlungsstand lebte die Frau allein in dem Einfamilienhaus in Künzelsau. Weitere Details zur Person der 69-Jährigen nannte der Sprecher nicht.

Im Rathaus von Künzelsau ist das Entsetzen groß: "Über den Tod des siebenjährigen Jungen aus Künzelsau sind wir zutiefst bestürzt", sagt Bürgermeister Stefan Neumann. "Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie." Auch er bittet um Verständnis dafür, dass er keine weiteren Angaben und Informationen zu dem rätselhaften Fall preisgeben könne. 

kg DPA

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