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Toulouse Unbekannter erschießt Kinder vor jüdischer Schule


Vor einer jüdischen Schule in Toulouse werden vier Menschen erschossen. Es ist der dritte Mordanschlag innerhalb weniger Tage in der Region. Die Justiz ermittelt wegen des Verdachts auf Terrorismus.

Bei einer Schießerei vor einer jüdischen Schule in der südfranzösischen Stadt Toulouse sind am Montag mindestens vier Menschen getötet worden. Bei den Todesopfern handelt es sich um einen 30-jährigen Religionslehrer, seine beiden drei und sechs Jahre alten Kinder sowie ein weiteres Kind im Alter von zehn Jahren. Ein 17-jähriger Jugendlicher wurde schwer verletzt.

Der Täter sei auf einem Motorroller geflohen, berichtete der Sprecher des Innenministeriums. Ein solches Fahrzeug hatte bereits bei zwei blutigen Anschlägen auf vier Soldaten in Toulouse und der nahe gelegenen Stadt Montauban eine Rolle gespielt. Der Sprecher sprach von "Ähnlichkeiten" bei der kaltblütig ausgeführten Tat, warnte aber vor vorzeitigen Rückschlüssen. Die französische Justiz ermittelt wegen des Verdachts auf Terrorismus. Die Staatsanwaltschaft von Paris, die für Terrorismus zuständig ist, nahm nach eigenen Angaben in allen drei Fällen Ermittlungen auf. Es gehe um "Mord und versuchten Mord im Zusammenhang mit einer terroristischen Vereinigung".

Laut Polizei schoss der Täter vor dem Schulgebäude mit einer Neun-Millimeter-Waffe auf einen Mann. Dann stellte der Unbekannte seinen Motorroller ab, ging auf das Schulgelände und feuerte mit einer Waffe des Kalibers 11,43 Millimeter, mit dem in den vergangenen Tagen auch die Fallschirmjäger in Toulouse und im 50 Kilometer entfernten Montauban getötet worden waren. Der Mann schoss laut Staatsanwaltschaft wahllos auf Erwachsene und Kinder; Kinder habe er sogar bis ins Schulgebäude verfolgt. Dann ergriff der Täter mit seinem Motorroller die Flucht.

Tragödie wird zum Wahlkampfthema

Das Innenministerium ordnete eine verschärfte Überwachung jüdischer Einrichtungen in Frankreich an. Wenige Stunden nach dem blutigen Anschlag ist Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy in Toulouse eingetroffen. Sarkozy sprach am Morgen im Hörfunk von einer "schrecklichen Tragödie". Dem Sender RFO sagte er: "Die gesamte französische Republik ist berührt von diesem entsetzlichen Drama." Für Dienstag ordnete der Präsident eine Schweigeminute in allen Schulen des Landes an.

Die Gewalttaten bringen das Thema Sicherheit im laufenden Präsidentenwahlkampf höher auf die Tagesordnung. Auch Sarkozys sozialistischer Herausforderer François Hollande will im Laufe des Tages in die südfranzösische Stadt fliegen. Die Sozialisten unterbrachen ihren Wahlkampf, "um der Opfer zu gedenken".

Die jüdische Gemeinde stehe unter Schock, berichtete der Vize-Präsident der liberalen jüdischen Gemeinde, Boaz Gatz. Zahlreiche andere ranghohe Vertreter der jüdischen Gemeinden in Frankreich äußerten sich ähnlich. Das israelische Außenministerium sprach von "Entsetzen", mit dem Israel die Nachricht aufgenommen habe. "Das ist ein antisemitischer Akt", erklärte der Präsident der jüdischen Studenten Frankreichs, Jonathan Hayon, dem TV-Sender BFM.

jar/fro/mad/AFP/DPA DPA

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