HOME

Tschad: Prozess gegen Arche-de-Zoé-Mitarbeiter

In der Hauptstadt des Tschad hat der Prozess gegen sechs Mitarbeiter der französischen Hilfsorganisation Arche de Zoé begonnen. Die vier Männer und zwei Frauen sollen die Entführung von mehr als 100 Kindern geplant haben

Sechs wegen Kindesentführung angeklagte Mitarbeiter der französischen Hilfsorganisation Arche de Zoé müssen sich seit Freitag im Tschad vor Gericht verantworten. Am Vormittag begann vor dem Strafgerichtshof in der Hauptstadt N'Djamena der Prozess gegen die vier Männer und zwei Frauen. Die Franzosen waren im Oktober in dem zentralafrikanischen Land festgenommen worden. Sie hatten versucht, 103 angebliche Waisenkinder aus der sudanesischen Krisenregion Darfur auszufliegen und bei französischen und belgischen Pflegefamilien unterzubringen.

20 Jahre Zwangsarbeit

Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef und des Internationalen Roten Kreuzes haben die meisten der Kinder eine Familie und stammen aus tschadischen Dörfern. Mehrere Eltern werfen den Mitarbeitern von Arche de Zoé ("Zoés Arche") Täuschung vor. Ihnen sei versprochen worden, ihre Kinder könnten in der Provinzstadt Abéché zur Schule gehen.

Der französische Außenstaatssekretär Jean-Marie Bockel sagte dem französischen TV-Sender LCI, die Regierung in Paris führe mit den tschadischen Behörden "ständige Gespräche auf höchster Ebene". Sollten die Angeklagten verurteilt werden, würden "sehr schnell" Schritte für ihre Heimkehr nach Frankreich eingeleitet. Bei einer Verurteilung drohen den Franzosen bis zu 20 Jahre Zwangsarbeit. Medienberichten zufolge dürfte Tschads Präsident Idriss Déby dennoch eine Begnadigung aussprechen.

DPA / DPA