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Tschechien: Bande von Kinderschändern gefasst

Durch den Einsatz einer bayerischen Sonderkommission konnte ein tschechisches Gericht mehrere deutsche und österreichische Kinderschänder verurteilen. Trotz des zum Teil schweren Missbrauchs fiel die Strafe überraschend niedrig aus.

Eine Sonderkommission der Regensburger Polizei hat in den vergangenen Monaten eine Reihe von Kinderschändern aus Deutschland und Österreich auffliegen lassen. Nach Angaben der Ermittler wurden fünf Pädophile einer Bande ermittelt, die sich an Kindern vergangen, Kinderpornos angefertigt und damit gehandelt oder diese besessen hatten. Die Männer sollen sich an Jungen und Mädchen im Alter von 8 bis 16 Jahren vergangen haben.

Zusammenarbeit führte zum Erfolg

Die Fahndungserfolge seien auf die gute grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Behörden in Deutschland, Tschechien und Österreich zurückzuführen, sagte der zuständige Deggendorfer Oberstaatsanwalt Alfons Obermeier. Auf deutscher Seite werden die Ermittlungen von der Abteilung für organisierte Kriminalität des Polizeipräsidiums Niederbayern/Oberpfalz geführt.

Nach Angaben der Ermittler hatte ein 63 Jahre alter Pädagoge aus Gelsenkirchen Kinder in Tschechien und Deutschland sexuell missbraucht und dabei Pornoaufnahmen gemacht, die er an Pädophile aus ganz Deutschland abgegeben hat.

Die Fahnder fassten auch einen ebenfalls aus Nordrhein-Westfalen stammenden Ex-Lehrer, der wegen seiner Neigungen bereits ein richterliches Berufsverbot hat. Der 62-Jährige aus Bergisch-Gladbach soll in seinem Schloss in Klatovy Kinder schwer sexuell missbraucht haben. Dort wurden auch entsprechende Fotos und Datenträger sichergestellt. Der Mann bestreitet die Vorwürfe. Die Ermittlungen gegen den Schlossbesitzer ergaben Hinweise auf einen 59 Jahre alten Wiener, bei dem ebenso Nacktfotos sichergestellt wurden.

Missbrauch im Wohnwagen

Bereits im Frühjahr waren bei Klatovy (Klattau) in Tschechien ein 47 Jahre alter Pensionär aus Monreal (Rheinland-Pfalz) und ein 60 Jahre alter Unternehmer aus Deggendorf gefasst worden. Sie hatten dort in einem Wohnwagen Kinder missbraucht. In der ersten Instanz hatte ein Gericht die Männer zu einem lebenslangen, beziehungsweise zehnjährigen Einreiseverbot nach Tschechien verurteilt.

Das dortige Gericht hielt den Männern zu Gute, dass die Eltern der Opfer nach Geldzahlungen die Taten tolerierten. Die Richterin ging auch davon aus, dass die Männer krank seien und sich in Behandlung begeben müssten. Eine Therapie könne aber nur in der Muttersprache und damit nicht in Tschechien erfolgen. Das milde Urteil wurde unter anderem von Opferverbänden kritisiert. Da die Staatsanwaltschaft in Berufung gegangen ist, sitzen die beiden Deutschen weiter in Westböhmen in Untersuchungshaft. Voraussichtlich im Januar wird der Fall laut Obermeier vor dem Kreisgericht in Pilsen neu verhandelt.

DPA / DPA