HOME

Türkei-Klassenfahrt: Ermittlungen nach Tod durch gepanschten Raki

Zwei Schüler, die nach einer Vergiftung durch mit Methanol versetzten Raki in der Türkei im Koma lagen, sind tot. Die Ärzte stellten den Hirntod der beiden jungen Männer fest. Die Staatsanwaltschaft soll nun klären, ob ein drittes Opfer, das schon in der Türkei gestorben war, hätte gerettet werden können.

Die beiden Schüler, die nach einer Vergiftung mit gepanschtem Alkohol in der Türkei im Koma lagen, sind tot. Wie das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein am Sonntagabend mitteilte, sei bei den beiden 17 und 19 Jahre alten jungen Männer bereits am Samstag der Hirntod diagnostiziert worden. Damit steigt die Zahl der Todesopfer auf drei Schüler. Im Fall des bereits in der Türkei gestorbenen 21-jährigen Rafael N. soll geklärt werden, ob dieser bei rechtzeitiger Hilfe hätte gerettet werden können.

Die Schüler hatten bei einer Klassenreise in die Türkei mit Methanol versetzten Wodka getrunken. Rafael N. starb in der Türkei, zwei weitere Schüler fielen ins Koma und wurden am Donnerstagabend mit einem Ambulanzflug in die Uniklinik in Lübeck verlegt. Zum Zeitpunkt der Aufnahme hätten sich die beiden Schüler seit Tagen im Koma befunden und seien maschinell beatmet worden, teilte die Klinik mit. Zahlreiche klinische und apparative Untersuchungen hätten ergeben, dass bei beiden Patienten eine schwerste Hirnschädigung mit komplettem, unumkehrbarem Ausfall aller Hirnfunktionen vorgelegen habe. Nach Abschluss der Untersuchungen habe man am Samstag bei beiden den Hirntod diagnostiziert.

"Die vorliegende Verlautbarung über den Tod ihrer Söhne erfolgt nach Abstimmung und mit ausdrücklichem Einverständnis der Eltern der Verstorbenen", erklärte der Vorstandsvorsitzende der Klinik, Jens Scholz. "Den Familien und Freunden der beiden jungen Männer gilt unsere große Betroffenheit und tiefe Anteilnahme." Das Ergebnis der Untersuchungen sei der Lübecker Staatsanwaltschaft übermittelt worden.

Vorwurf unterlassener Hilfeleistung

Der "Spiegel" hatte am Wochenende vorab berichtet, dass der 21-jährige Rafael N. nach Erkenntnissen türkischer Ermittler fast 20 Stunden in seinem Bett gelegen habe, bevor seine Zimmertür geöffnet wurde. Der Rechtsanwalt der Eltern, die Anzeige gegen Unbekannt erstattet haben, halte es daher für entscheidend, den genauen Todeszeitpunkt zu ermitteln. Sollte Rafael N. erst kurz vor seinem Auffinden gestorben sein, mutmaße Anwalt Frank-Eckhard Brand, hätte man ihm vielleicht noch helfen können. Der Lehrer, der die Gruppe begleitete, sei nach Ermittlerangaben im Besitz eines Generalschlüssels für die Hotelzimmer der Schüler gewesen. "Es wird zu klären sein, ob Dritte an dem Geschehen Mitverantwortung tragen", sagte Brand.

Die türkische Justiz konnte den Lehrer dem Bericht zufolge bisher nicht vernehmen, weil er das Land bereits am Tag nach der Tragödie verlassen hatte. Aussagen gebe es nur von vier der sechs Schüler, die mit Rafael N. den gepanschten Wodka konsumiert hatten. Allerdings könnten sie sich an kaum etwas erinnern, hieß es. Ermittelt werden soll auch, wer den Wodka hergestellt und verkauft hat. An der türkischen Riviera sollen geschmuggelte und gepanschte Spirituosen oft im Handel sein. Getränkeproduzenten sehen das Problem vor allem in den extrem hohen Alkoholsteuern.

AP / AP