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Türkei: Marco-Prozess auf Juni vertagt

Die mit Spannung erwartete Schlussphase des Prozesses gegen Marco Weiss in der Türkei endete schnell wieder. Nach nur wenigen Minuten wurde die Verhandlung auf Anfang Juni vertagt. Der Staatsanwalt hatte "neue Beweise" gefordert.

Die verhängnisvolle Nacht des deutschen Schülers Marco mit dem 13-jährigen britischen Mädchen Charlotte in einem türkischen Urlauberhotel wird sich juristisch wohl nie mehr ganz aufklären lassen. Zwei Jahre nach der Festnahme des damals 17- Jährigen forderte der zuständige Staatsanwalt in Antalya neue Beweise zum Zustand der Britin, die Marco des Missbrauchs beschuldigt. Das Gericht lehnte dies ab und vertagte sich auf dem 5. Juni. Dann soll der Ankläger sein Plädoyer halten.

Tatsächlich gibt es in dem Fall inzwischen schon einen ganzen Stapel von Gutachten und Aussagen. Immer wieder wurde auf Übersetzungen gewartet. Verwirrend schien die Lage zwischenzeitlich, so dass ein Rechtsmedizinisches Institut in Istanbul einen Abschlussbericht erstellen sollte.

"Das Institut aus Istanbul hat den Bericht zu den Akten gegeben. Der Staatsanwalt denkt, dass dieser Bericht nicht klar genug ist. Er will einen Bericht der Universität Manchester", sagte Ömer Aycan, der Anwalt des Mädchens Charlotte, am Freitag. Mit dem Antrag scheiterte der Staatsanwalt aber. Was das für Marco bedeutet, ist unklar. Äycan rechnet weiter fest mit einer Strafe, wenn auch nicht unbedingt wegen Vergewaltigung.

Nachdem Marco vor Weihnachten 2007 aus der Untersuchungshaft entlassen wurde, haben es seine Anwälte nicht mehr eilig. Schon um die Aktenlage zu prüfen und ihren Mandanten vor Schaden zu bewahren, wollen sie lieber noch einen weiteren Verhandlungstag hinnehmen.

Der Junge hat die Vorwürfe stets bestritten und von einvernehmlichen Zärtlichkeiten nach einem Discobesuch gesprochen. Über seine 247 Tage in türkischer Untersuchungshaft hat er ein Buch geschrieben. Vor wenigen Wochen hat Marco sein Praktikum in einem Elektronikmarkt in Uelzen beendet.

"Er leidet nach wie vor unter den Folgen des Strafvollzugs. Immer wenn das Gespräch auf seine Haftzeit kommt, wird er sehr ruhig, zieht sich in sich zurück und wirkt nervös", sagt sein Verleger Carlos Schumacher. "Er fragt sich immer noch, warum das Mädchen diese Anschuldigungen gegen ihn gemacht hat. Er möchte es verstehen." Auf das Urteil muss Marco nun aber weiter warten. Praktische Bedeutung hat es für ihn nicht mehr. Die Entscheidung des türkischen Gerichtes wird in Deutschland nicht vollstreckt.

Carsten Hoffmann/DPA / DPA