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Fall Tuğçe A.: Staatsanwaltschaft bestätigt Identität der beiden Zeuginnen

Die Polizei hat 16 Tage nach der tödlichen Attacke auf Tuğçe A. die beiden Zeuginnen gefunden. Warum erst so spät? Kriminalpsychologe Rudolf Egg glaubt an eine ganz banale Erklärung.

Bereits am Freitag nahmen Tausende Menschen Abschied von Tuğçe A. - die Polizei hat nun auch zwei wichtige Zeuginnen der Tat ausfindig gemacht

Bereits am Freitag nahmen Tausende Menschen Abschied von Tuğçe A. - die Polizei hat nun auch zwei wichtige Zeuginnen der Tat ausfindig gemacht

16 Tage nach der tödlichen Attacke auf die #link;http://preview.stern.de/panorama/vater-von-tugce-ein-tag-nach-dem-kein-morgen-mehr-kommt-2156456.html;Studentin Tugce A.# hat die Offenbacher Polizei zwei wichtige Zeuginnen des Vorfalls gefunden. Wie die Staatsanwaltschaft am Montag bestätigte, sind es die beiden Mädchen, nach denen die Ermittler seit der vergangenen Woche suchen. Angaben zu den Identitäten machte die Behörde jedoch nicht, um die beiden Jugendlichen zu schützen. Möglicherweise hatte Tugce den Mädchen geholfen, bevor es zu der Attacke kam.

Tugce A. soll unterdessen am Mittwoch auf dem Friedhof von Bad Soden-Salmünster in Osthessen beigesetzt werden. Ein Sprecher der Stadtverwaltung bestätigte den Termin. Eine genaue Uhrzeit war zunächst jedoch nicht bekannt. Medienberichten zufolge soll die junge Frau vor der Beisetzung in einer Moschee im benachbarten Wächtersbach aufgebahrt werden.

Warum haben sich die beiden Zeuginnen so lange Zeit nicht gemeldet?

Nach Meinung von Professor Rudolf Egg, Kriminalpsychologe und Leiter der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden, könnte dies vor allem mit der Tatzeit und dem Alter der Gesuchten zusammenhängen. "Meines Wissens soll es sich bei den Zeuginnen um sehr junge Mädchen handeln, die sich dort vermutlich ohne Wissen und Wollen ihrer Erziehungsberechtigten und zudem zu später Stunde aufhielten", sagt Egg zum stern. "Wahrscheinlich haben sie sich aus Sorge vor Ärger bisher nicht gemeldet."

An Vermutungen, die beiden Mädchen könnten mit dem mutmaßlichen Täter in Verbindung stehen und würden sich deshalb nicht melden, wollte sich Egg nicht beteiligen. "Das wäre hochspekulativ", so der Kriminologe.

Bundesverdienstkreuz für Tugce gefordert

Dass am Montag zudem ein Video veröffentlicht wurde, das den Angriff zeigen soll, sieht Egg kritisch. "Gerade bei spektakulären Fällen, und der Fall Tuğçe ist so einer, besteht immer die Gefahr, dass sich Trittbrettfahrer melden, die nichts zur Tat sagen können, sondern sich nur in Szene setzen wollen", so Egg.

Der Tod der Studentin erregt auch in der Türkei große Aufmerksamkeit. Die Zeitung "Türkiye" veröffentlichte am Montag einen Artikel mit der Überschrift "Danke Tugce, Seni Seviyoruz" (Danke Tugce, wir lieben dich).

Der Vorschlag, Tugce A. das Bundesverdienstkreuz zu verleihen, findet unterdessen immer mehr Unterstützer. Allein die Internet-Plattform "Change.org" verzeichnete bis zum Montag mehr als 140.000 Unterschriften unter einer entsprechenden Petition. Deren Initiatoren wollen erreichen, dass der Studentin posthum die Auszeichnung verliehen wird.

Unterdessen wird der Leichnam Tuğçes am Frankfurter Institut für Rechtsmedizin obduziert. Dort soll geklärt werden, ob die 22-Jährige am frühen Morgen des 15. November durch einen Schlag tödlich verletzt wurde oder durch den Aufprall auf das Pflaster des Parkplatzes.

mod/DPA / DPA