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Tugce-Prozess: Sanel M. bereut: "Mein schlimmster Fehler"

Das letzte Wort hatte der Angeklagte. Nachdem Staatsanwalt und Verteidigung ihre Plädoyers gehalten hatten, ergriff Sanel M. das Wort. Der 18-Jährige sprach vom "schlimmsten Fehler meines Lebens".

Sanel M. verdeckt während des Tugce-Prozesses im Gerichtssaal sein Gesicht

Sanel M. verbirgt im Darmstädter Landgericht sein Gesicht. Daneben: Stephan Kuntz, einer seiner Anwälte

Als die Plädoyers beendet waren, die Anklage von "erheblicher Schuld" und "schädlichen Neigungen" gesprochen, und die Verteidigung die "beispiellose Vorverurteilung" angeprangert hatte, da hatte schließlich Sanel M. das Wort. Der 18-Jährige, der für den Tod von Tugce Albayrak verantwortlich gemacht wird, bereute, die damals 22-jährige Studentin so schwer geschlagen zu haben, dass sie stürzte, auf den Boden schlug und später starb. Dieser Schlag, so Sanel M. am Freitag vor dem Landgericht Darmstadt, "war der schlimmste Fehler meines Lebens."

"Ich kann nur sagen, dass es mir leidtut", beteuerte der Angeklagte. Wie auch immer das Gericht entscheiden werde, er müsse damit leben, dass seinetwegen ein Mensch tot sei. "Ich kann das nie wieder gutmachen."

"Niemals mit dem Tod gerechnet"

Schon zu Beginn des Prozesses hatte sich M. unter Tränen entschuldigt. Er könne sich gar nicht vorstellen, "was ich der Familie für Leid und Schmerzen angetan habe", hatte er damals im Beisein von Tugces Eltern und weiteren Angehörigen gesagt. Die Tat selbst hat der 18-Jährige nie geleugnet. Dass die Ohrfreige letztlich zum Tod von Tigce führen würde, habe er nicht für möglich gehalten: "Ich habe niemals mit ihrem Tod gerechnet."

Das hat ihm lange niemand geglaubt. Auch jetzt noch zweifelt der Anwalt der Familie Tugces an der Aufrichtigkeit. Angesichts des Todes einer jungen Frau, die anderen zu Hilfe eilen wollte, war das öffentliche Urteil über Sanel M. schnell gesprochen. Die Vorverurteilung ihres Mandanten sei "beispiellos" gewesen, sagt Heinz-Jürgen Borowsky, einer der Anwälte des Jungen in dem viel beachteten Prozess. Auch in Zulunft werde das Leben von Sanel M. von Angst bestimmt sein müssen.

"Ein verzerrtes Bild"

"Er hat erhebliche Schuld auf sich geladen", sagte Staatsanwältin Birgit Lüter in ihrem Plädoyer. Er habe Reue gezeigt und ein Geständnis abgelegt. Seine Tat habe "keinesfalls Ausnahmecharakter", doch auch die Anklägerin konstatierte, dass von Sanel M. in der Öffentlichkeit "ein verzerrtes Bild" gezeichnet worden sei. Am kommenden Dienstag will das Landgericht Darmstadt das Urteil sprechen.

dho / DPA / AFP