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Turbulenter Prozessauftakt: 25-Jähriger soll Schwiegermutter und Schwägerin erschossen haben

Geschosse durchschlagen die Seitenfenster des Autos. Zwei Frauen sterben, ein Mann wird schwer verletzt. Ermittler gehen davon aus, dass der Todesschütze seine Ex-Frau treffen wollte. Sie überlebt. Nun steht der mutmaßliche Doppelmörder vor Gericht.

Geplant war nur die Verlesung der Anklage, doch Mehmet Y. forderte zum Auftakt seines Prozesses zunächst lautstark einen neuen Pflichtverteidiger. Der 25-Jährige steht seit Montag wegen Mordes, Mordversuchs und gefährlicher Körperverletzung vor dem Landgericht Berlin. Er soll im August vergangenen Jahres seine frühere Schwiegermutter und seine frühere Schwägerin erschossen haben. Außerdem soll er während der Untersuchungshaft im Dezember einen Mitgefangenen angegriffen und schwer verletzt haben.

Hintergrund der beiden mutmaßlichen Morde war offenbar die Scheidung des Angeklagten im Mai vergangenen Jahres, die er anscheinend nicht akzeptierte. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, am 4. August "aus Rache, Hass, Eifersucht und Verärgerung wegen des Verlusts seines Aufenthaltstatus" auf ein Auto geschossen zu haben, in dem sich seine Ex-Frau, deren Eltern und zwei ihrer Geschwister befanden.

Mehmet Y. hatte der Familie am Morgen des Tattags im Stadtteil Wedding aufgelauert und schoss "mindestens zwölf Mal" auf den Wagen, wie es in der Anklage hieß. Dabei traf er seine Ex-Schwiegermutter und Ex-Schwägerin tödlich. Seinen früheren Schwager verletzte er lebensgefährlich. Er konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden. Der Ex-Schwiegervater und die frühere Ehefrau blieben unverletzt, erlitten jedoch einen schweren Schock. Nach Angaben eines Gerichtssprechers erklärte Y. bei seiner Vernehmung, er habe die Familie am Wegfahren hindern wollen und auf das Lenkrad gezielt.

Unruhe im Gerichtssaal

Während der Untersuchungshaft versetzte Y. außerdem laut Anklage am 5. Dezember seinem schlafenden Mitgefangenen "sieben bis acht wuchtige Schläge gegen den Kopf", so dass dieser notärztlich behandelt werden musste. Der Mitgefangene habe hierfür keinen Anlass gegeben.

Zu Prozessbeginn wiederholte Mehmet Y. mündlich seine Forderung nach einem neuen Pflichtverteidiger. Einen entsprechenden Antrag hatte er zuvor bereits dreimal vergeblich schriftlich eingereicht. Als der Richter die Forderung am Montag erneut abwies, protestierte Y., stand auf und wollte den Gerichtssaal verlassen. Erst nach mehrmaliger Aufforderung durch den Richter, sich zu setzen, konnte die Staatsanwältin die Anklage verlesen.

Im Gerichtssaal waren auch der Vater der Ex-Frau sowie ihr Bruder als Nebenkläger anwesend. Der Vater, Adem C., nannte Y. vor dem Gerichtssaal ein "Monster" und forderte eine "gerechte Strafe" für ihn. Nach der Tat hatten mehrere Medien berichtet, dass sich die Familie der beiden getöteten Frauen an dem Mann rächen wollte.

vim/AFP / AFP