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U-Bahn-Schläger: Angeklagter trat und bespuckte Zeugen

Im Prozess um die U-Bahn-Schläger von München hat ein Zeuge einen der beiden Angeklagten schwer belastet. Serkan A. soll bei einem Handy-Telefonat mit einem Freund gesagt haben: "Willst du zuhören, wie ich einen Deutschen umbringe?" Dann soll er auf den Zeugen losgegangen sein.

Unmittelbar vor dem Überfall auf einen 76-Jährigen hat einer der beiden Münchner U-Bahn-Schläger einen Zivildienstleistenden angegriffen und gedroht, ihn umzubringen. Der 21-jährige Zivi sagte vor dem Landgericht, er habe die beiden Angeklagten in München kennengelernt und mit ihnen Bier getrunken.

Beide seien aber aggressiv gewesen. Schließlich habe der 21-jährige Serkan A. ihm sein Handy weggenommen, einen Freund angerufen und gesagt: "Willst du zuhören, wie ich einen Deutschen umbringe?" Serkan A. sei auf ihn losgegangen, habe ihn mit Anlauf getreten und bespuckt. "Da bin ich abgehauen", sagte der Zivildienstleistende. Der angerufene Freund von Serkan A. hatte die Drohung bestätigt.

Knapp zwei Stunden später hatten Serkan A. und der 18-jährige Spyridon L. in einem U-Bahnhof einen pensionierten Schulrektor mit Schlägen und Tritten lebensgefährlich verletzt, weil er sie auf das Rauchverbot hingewiesen hatte. Die Anklage wirft beiden versuchten Mord vor.

Betrunken seien ihm die beiden Angeklagten an jenem Abend vier Tage vor Weihnachten nicht vorgekommen, sagte der Zivildienstleistende. Es sei zwar lustig zugegangen, aber beide hätten zum Beispiel noch normal geredet. Spyridon L. und Serkan A. hatten ihre Tat mit einem vorangegangenen Besäufnis mit mehreren Litern Bier und Wodka erklärt.

Zuvor war ein Befangenheitsantrag der Verteidigung gegen einen psychiatrischen Gutachter abgelehnt worden. Ein Anwalt warf dem Jugendpsychiater Franz Joseph Freisleder vor, Daten aus mehreren ärztlichen Untersuchungen ohne die Zustimmung seines Mandanten, eines jungen Griechen, verwendet zu haben. Die Jugendkammer des Landgerichts München I lehnte den Befangenheitsantrag jedoch ab. Der Gutachter habe nicht gegen seine ärztliche Schweigepflicht verstoßen. Der Verteidiger widersprach daraufhin der Verwendung des Gutachtens. Das Recht des Angeklagten sei "gröblich verletzt".

Prozessbeteiligte halten es für möglich, dass schon am kommenden Freitag die Schlussplädoyers gehalten werden.

DPA / DPA