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U-Bahn-Schläger gesteht "Ich bin schockiert und entsetzt über mich selbst"


Vier Monate nach dem brutalen Angriff auf einen Handwerker in einer Berliner U-Bahn hat der Täter zum Prozessbeginn am Dienstag gestanden. In seiner Erklärung zur Tat sagte der 18-Jährige, er schäme sich sehr und habe keine Erklärung für sein Handeln.

Mit heftigen Tritten und einem wuchtigen Flaschenhieb hat der mutmaßliche Schläger vom Berliner U-Bahnhof Friedrichstraße nach eigenen Worten sein Opfer malträtiert. Genau vier Monate nach der brutalen Attacke auf einen Berliner Handwerker hat der 18-Jährige am Dienstag vor dem Landgericht die Tat gestanden. Zum Auftakt des Prozesses verlas der angeklagte Gymnasiast eine persönliche Erklärung: "Ich bin schockiert und entsetzt über mich selbst." Er schäme sich sehr und habe keine Erklärung dafür. "Meine Tat ist eine Schweinerei und durch nichts zu entschuldigen."

Zugleich berief er sich jedoch immer wieder auf Erinnerungslücken. Er sei in der Nacht zum Ostersamstag sehr betrunken gewesen. Der Gewaltexzess hatte bundesweit schockiert und eine neue Debatte über den Umgang mit jugendlichen Gewalttätern ausgelöst.

Dem 18-Jährigen Torben P. werden versuchter Totschlag und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Mitangeklagt ist ein ebenfalls 18 Jahre alter Freund des Schülers. Auch er sagte, dass es ihm leidtue. Das zufällig ausgewählte Opfer - der 29 Jahre alter Handwerker - lag bereits reglos am Boden, als ihn vier heftige Tritte am Kopf trafen. Er verlor vorübergehend das Bewusstsein und kam dann mit einem Schädel-Hirn-Trauma, gebrochener Nase und Prellungen ins Krankenhaus.

Der Mann leidet noch heute unter den Folgen und braucht psychologische Betreuung. Das Überfallopfer sollte am Nachmittag als Zeuge befragt werden. Er tritt auch als Nebenkläger auf. Eine Entschuldigung und Schmerzensgeld lehnt der Mann nach Angaben seiner Anwältin Elke Zipperer als "prozesstaktisches Manöver" ab.

Der Angreifer war auf dem Heimweg von einer Party, als er auf den Handwerker traf. Es gab einen Wortwechsel, "dann kam der Mann auf mich zu", sagte der Schüler vor Gericht. Der Mann habe ihn am Kragen gepackt. In einer Überreaktion habe er mit der Plastikflasche zugeschlagen. "Ich hatte ein Gefühl der Angst und die Vorstellung, mich verteidigen zu müssen", las der Gymnasiast vor.

Ein 22 Jahre alter Maler und Lackierer aus dem bayerischen Hirnheim, der zum Prozessauftakt erschien, hatte Schlimmeres verhindert. Er ging dazwischen und zog den Schläger weg. Laut Anklage wurde der Bayer selbst von dem 18-Jährigen sowie dessen Freund geschlagen und getreten. Dieser Kumpan muss sich deshalb in dem Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung sowie unterlassener Hilfeleistung verantworten. Er soll nichts gegen die Tritte unternommen haben. Der couragierte Mann, der für sein Eingreifen öffentlich geehrt wurde, soll am Donnerstag als Zeuge gehört werden.

Der Vorsitzende Richter Uwe Nötzel hielt dem Gymnasiasten vor, dass er zwar eine fast minutiöse Beschreibung der Zeit vor der Tat abgeliefert habe. "Und ausgerechnet die Momente der Tat sind merkwürdig verschwommen." Immer wieder fragte Nötzel nach, warum der Schüler so wütend geworden sei. Anders als den Vernehmungen bei der Polizei sagte der Angeklagte, er sei nicht in aggressiver Stimmung gewesen.

Der mutmaßliche Täter war nach der Attacke zunächst geflüchtet, stellte sich aber wenige Stunden später der Polizei. Dass der Gymnasiast von der Untersuchungshaft verschont und nicht wegen versuchten Mordes angeklagt wurde, war öffentlich kritisiert worden.

roh/DPA DPA

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