HOME

U-Bahn-Schläger: Opfer lehnt Entschuldigungen ab

Im Prozess gegen die Münchner U-Bahn-Schläger hat das 76-jährige Opfer die Entschuldigung der mutmaßlichen Täter ausgeschlagen. Der ehemalige Schulleiter sagte, er leide noch immer an den Folgen des Überfalls. Auch eine andere Beobachtung von ihm dürfte vor Gericht eine große Rolle spielen.

Das Opfer der beiden Münchner U-Bahn-Schläger hat eine Entschuldigung der beiden mutmaßlichen Täter erneut zurückgewiesen. "Entschuldigungen, wenn sie ernst gemeint sind, nehme ich gerne an", sagte der 76-Jährige am Dienstag vor der Jugendkammer des Landgerichts München. "Wenn es ernst gemeint wäre, ja, aber so nicht."

Er leide noch immer an den Folgen des Überfalls, erklärte der pensionierte Schulleiter zu Beginn des zweiten Verhandlungstags. Das Aufstehen am Morgen koste ihn sehr viel Kraft, ebenso das Lesen und das Schreiben. "Vorher war ich gesund."

Die Angeklagten, der 18-jährige Spyridon L. und der 21-jährige Serkan A., seien ihm auch nicht übermäßig betrunken vorgekommen. "Sie haben getrunken gehabt, aber nicht so, dass sie umgefallen wären. Davon waren sie weit entfernt", ergänzte er. Der ehemalige Schulleiter war kurz vor Weihnachten in der U-Bahn angegriffen worden. Er habe Todesangst gehabt und sei immer wieder ohnmächtig geworden, berichtete das Opfer von dem brutalen Angriff.

Zu Prozessbeginn hatten die jungen Männer den Überfall gestanden, bei dem der Rentner durch Schläge und Tritte mehrere Schädelbrüche und eine Gehirnblutung erlitt. Außerdem hatten sie sich entschuldigt. Die Angeklagten erklärten ihr Verhalten vor allem damit, zu viel Alkohol getrunken zu haben. Sie hätten ihr Opfer keinesfalls töten wollen.

Erschreckendes Video

Auslöser des Angriffs soll die Aufforderung des 76-Jährigen gewesen sein, sich an das Rauchverbot zu halten. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, den Tod des Mannes zumindest billigend in Kauf genommen zu haben. Der Angriff wurde von einer Videokamera in der U-Bahn-Station aufgezeichnet.

Die Tat hatte eine bundesweite Debatte über Jugendkriminalität, insbesondere von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, ausgelöst. Das Thema dominierte den hessischen Landtagswahlkampf, in dem Ministerpräsident Roland Koch (CDU) mit Forderungen nach schärferen Gesetzen polarisierte. Die beiden türkisch- und griechischstämmigen Angeklagten sollen den Rentner bei der Attacke auch wegen seiner deutschen Nationalität beschimpft haben.

Für den Prozess sind vorsorglich elf Verhandlungstage bis Mitte September angesetzt. Ein Urteil könnte aber schon Ende dieser Woche fallen. Bei einer Verurteilung drohen dem zum Tatzeitpunkt 17-jährigen L. zehn Jahre Haft - die Höchststrafe für Jugendliche. Im Fall des drei Jahre älteren A., der dem Gesetz nach als Heranwachsender gilt, muss das Gericht entscheiden, ob es Erwachsenen- oder Jugendstrafrecht anwendet. Für Erwachsene steht auf versuchten Mord eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Reuters/DPA / DPA / Reuters