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U-Bahn-Schläger-Prozess: "Die schlagen mich tot"

Er berichtet, wie er hilflos am Boden lag, wie er gar nicht gemerkt hat, wie viele Schläge er einstecken musste: Bruno Hubert N., das Opfer der Münchner U-Bahn-Schläger, hat im Prozess nun seine Version des brutalen Überfalls dargelegt - mit bewegenden und teils amüsanten Worten.

Von Malte Arnsperger, München

Sie leben in der gleichen Stadt, doch diese drei Menschen kommen aus völlig verschiedenen Welten. Es sind Welten, die nichts gemeinsam haben, es sind Menschen, die sich eigentlich nie begegnen. Rechts vom Richter sitzen Serkan A. und Spyridon L. Ihre Welt ist die der Straße. Ihr Leben bestand bis zu ihrer Festnahme vor sechs Monaten größtenteils aus Alkohol und Drogen, aus Diebstählen und Schlägereien. Nur wenige Meter entfernt, genau vor dem Richterpult, sitzt Bruno Hubert N. Seine Welt ist die des Gesprächs, der Bücher. Er ist ein Feingeist, war Lehrer für Geschichte und Deutsch. Diese zwei Welten prallten in der Nacht des 20. Dezember 2007 aufeinander. Und sie veränderten das Leben aller drei. Denn in dieser Nacht hatten Serkan A. und Spyridon L. den Pensionär in einer Münchner U-Bahn fast zu Tode geprügelt.

"Ich bin mein ganzes Leben Lehrer gewesen und ..."

Nun prallen die beiden Welten noch einmal aufeinander. Bruno Hubert N. sagt als Zeuge im Prozess gegen seine beiden Peiniger aus. "Grüß Gott, Herr Richter", sagt der kleine Mann mit dem freundlichen, offenen Gesicht und den weit abstehenden Ohren. "Also ich bin 76 Jahre alt, mein Name ist Bruno Hubert N. Ich bin mein ganzes Leben Lehrer gewesen und war bis zum Schluss Lehrer und dann ..." Mit einem Grinsen im Gesicht unterbricht Richter Reinhold Baier den Redeschwall des Zeugen. "Herr N., das gehört jetzt gar nicht dazu."

Nervös wackelt der so Angesprochene unter seinem Zeugenstuhl mit den Beinen. Denn obwohl er seine Geschichte schon der Polizei und zigfach in Presseinterviews erzählt hat, will er heute, hier und jetzt, den ganzen Abend, der für ihn mit dreifachem Schädelbruch im Krankenhaus endete, noch einmal erzählen. Bruno Hubert N. will, dass jeder im Gerichtssaal erfährt, wie brutal und sinnlos er von Serkan A. und Spyridon L. verprügelt wurde. "Ich war Geschichtslehrer und ich versuche, das Ganze so anschaulich wie möglich zu erzählen", kündigt der Mann mit den braun-grauen Haaren und der großen silbern-umrandeten Brille an. Und er hält Wort.

Eine halbe Stunde lang keinen Stoff

Am fraglichen Abend sei er auf der Weihnachtsfeier seiner ehemaligen Schule gewesen. "Zwei Schoppen Wein habe ich getrunken." Ungefähr um 22 Uhr habe er die Party dann verlassen. Scheinbar hätte der rüstige Herr aber gern noch etwas weitergefeiert: "Ich weiß, das ist jetzt kein Kompliment für den Gastgeber, aber ich hatte zuvor eine halbe Stunde lang keinen Stoff." Gelächter im Gerichtssaal. Serkan A. und Spyridon L. schauen starr und ernst zur Zeugenbank.

Er sei dann zur U-Bahn gegangen, berichtet N. Im U-Bahnhof "Max-Weber-Platz" habe er die beiden Angeklagten zum ersten Mal bemerkt, "da die sich sehr auffällig benommen haben". Ja, meint der 76-Jährige, die beiden seien schon angetrunken gewesen, aber "nicht so, dass sie umgefallen wären". Wie üblich sei er in den letzten Waggon eingestiegen. Mit ihm auch Serkan A. und Spyridon L. "Plötzlich kamen dann die beiden daher. Die lümmelten sich auf ihren Sitzen", erzählt der Pensionär. "Der eine, der da", Bruno Hubert N. zeigt auf den 18-jährigen Spyridon L., "zeigte mir seine Zigarette. Ich dachte mir: 'Oh oh, die haben was intus.'"

Dann habe ihm Spyridon L. provokativ Zigarettenrauch entgegengeblasen. Früher, als Lehrer, habe er immer gesagt: "In der Schule wird nicht geraucht." Jetzt habe er gesagt. "In der U-Bahn wird nicht geraucht." Es wird deutlich: Bruno N. hat wirklich erwartet, dass die beiden Männer seiner Anweisung folgen. Als ehemaliger Lehrer und später sogar Schuldirektor kann er mit jungen Menschen umgehen, weiß um deren labile Charaktere, kennt ihre abrupten Stimmungsschwankungen. Er weiß auch, dass viele Jugendliche sich in der Gesellschaft verloren fühlen, eine unbestimmte Wut in sich tragen. Aber Bruno Hubert N. ist gewohnt, dass seine Autorität zählt, dass er in die Welt von jungen Menschen etwas Ordnung bringen kann. Doch an diesem 20. Dezember 2007 ist er an die Falschen geraten.

"Scheiß Deutscher, Scheiß Arschloch"

Denn anstatt seinen Worten Folge zu leisten, hätten ihn die beiden Männer erst mit den Worten "Scheiß Deutscher, Scheiß Arschloch" angebrüllt, dann habe ihn Spyridon L. bespuckt, erzählt N. "Der andere hat nicht getroffen, der war nicht in Form", sagt der 76-Jährige über Serkan A. "Ich habe mich abgewischt, und habe angefangen, Sudoku-Rätsel zu lösen." Denn, so meint der Pensionär "ich war kurz vor Weihnachten ja friedlich gesinnt". Wieder Grinsen bei Richter und im Publikum.

Um 22.04 Uhr steigt Bruno Hubert N an der Station "Arabellapark" aus der U-Bahn aus. Keine Spur von Spyridon L. und Serkan A., sagt der Pensionär. Er habe auch nicht "Ihr seid das Volk, dass immer Probleme macht" zu den beiden Männern gesagt. Diese Äußerung, so hatte es Serkan A. in Vernehmungen erklärt, habe ihr späteres Opfer beim Aussteigen gemacht. Nein, sagt der Bruno Hubert N: "Auf die beiden habe ich nicht mehr geachtet." Er sei vielmehr mit der Rolltreppe in Richtung seines Ausgangs gefahren. "Plötzlich, jetzt kommt's, eilen die richtig schnell die Rollbahn hoch", berichtet N. dem Richter und macht eine kleine Pause. "Jetzt begann mein Schicksal." Absolute Stille im Gerichtssaal. "Plötzlich bekomme ich ein Schlag gegen das Kreuz und dann bekomme ich den Schlag, der mir fast das Leben genommen hat. Unter das linke Ohr." Während der Pensionär dem Richter die Stelle an seinem Kopf zeigt, sitzen die beiden Angeklagten regungslos auf ihrer Anklagebank, und hören zu, wie ihr Opfer ihre brutale Tat aus seiner Sicht schildert.

Der Kopf als Fußball

Bruno Hubert N. berichtet, wie er hilflos am Boden lag. Er erzählt, wie er gar nicht bemerktw, dass er während der Prügelorgie mehrfach das Bewusstsein verliert und er gar nicht wusste, wie viele Schläger er einstecken musste, bis er die Tat auf dem Überwachungsvideo gesehen hat. Und er berichtet von dem letzten Tritt, Spyridon L.s Tritt gegen seinen Kopf. "Dann haben die meinen Kopf als Fußball verwendet." Wieder zeigt er auf Spyridon L. "Der da, hat mir sportlich ins Gesicht getreten. Ich wusste: Die schlagen mich tot."

Bruno Hubert N. setzt kurz ab und fügt dann nachdenklich hinzu. "Warum eigentlich. Ja, warum eigentlich?" Darauf bekommt er keine Antwort. Mit zusammengekniffenem Mund sitzt Spyridon L. auf der Anklagebank, lässt keine Gefühlsregung erkennen. "Das Blut ist mir in die Augen geflossen", sagt Bruno Hubert N. und fügt mit fast weinerlicher Stimme hinzu. "Ich konnte mich nicht mehr bewegen. Die Hände hatten noch etwas Kraft, aber meine Beine waren tot." Seine Peiniger lassen den Pensionär liegen, schnappen sich seinen Rucksack und flüchten. Ein Umstand, den ihnen ihr Opfer noch heute sehr übel nimmt. Schließlich seien dort ein Notizbuch mit seinen Kontonummern und sein Lieblingsfotoapparat drin gewesen. Eine Entschuldigung wolle er deshalb nicht akzeptieren: "Denn im Kleinen fängt es an", sagt N.

Mittlerweile war es an diesem 22. Dezember 2007 22.09 Uhr. Ein Passant fand den hilflosen Pensionär am Boden liegend. Ein Geschenk des Himmels, wenn man Bruno Hubert N. glaubt. "Da kam ein Mann und fragte, ob er mir helfen könne. Diese Worte werde ich nie vergessen." Vier Tage lang wurde der 76-Jährige im Krankenhaus behandelt. Die Ärzte attestierten einen dreifachen Schädelbruch, einen Jochbeinbruch sowie Gehirnblutungen. Doch trotz der schweren Verletzungen und gegen den Rat der Ärzte verließ Bruno Hubert N. am 23. Dezember das Krankenhaus. Der Grund: "Ich wollte den Heiligen Abend nicht auf der Station verbringen."

Seit dem Angriff Gleichgewichtsstörungen

Sechs Monate ist die Tat nun her. Noch immer hat der 76-jährige Pensionär mit den Nachwirkungen des Angriffs zu kämpfen. Schlimm seien vor allem die Gleichgewichtsstörungen, die ihn beim Aufstehen behindern, berichtet N. "Wenn ich nach oben will, fängt die Welt an zu tanzen." Und fügt hinzu: "Das ist die Folge, dass sie meinen Kopf mit einem Fußball verwechselt haben." Auch könne er nicht mehr wie früher ein ganzes Buch am Stück lesen, nach 20 Seiten fange alles an zu wackeln.

Für all das sind Serkan A. und Spyridon L. verantwortlich. Nachdem ihr Opfer penibel über seine Erinnerungen berichtet hat, wollen seine beiden Peiniger Reue zeigen. "Ich möchte um Entschuldigung bitten", sagt der 18-jährige Spyridon L. mit seiner tiefen Stimme. Bruno Hubert N. schaut ihn an und sagt: "Ich habe es gehört. Aber wo ist mein Rucksack?" Nun folgt Serkan A.: "Ich möchte mich entschuldigen, und ich hoffe, dass Sie sich wieder gut erholen." - "Ich habe es gehört." Und dann entschwindet Bruno Hubert N. wieder in seine Welt. Bis Serkan A. und Spyridon L. wieder in die ihre entschwinden können, wird es noch einige Zeit dauern. Wohl im Juli wird das Urteil gegen die beiden U-Bahn-Schläger fallen, die wegen versuchten Mordes angeklagt sind. Vielleicht erinnern sie sich dann an die Worte ihres Opfers: "Oje, ich habe ganz schön Glück gehabt!"

VERNUFT -- grundsätzlich als KRIMINELL definiert ??
Kinder und Hartz4-Empfänger werden „zur Vernunft“ diszipliniert. Persönliches Fortkommen, ohne Stillstand, ist das, was man vorgibt. Zweifel seien unvernünftiges Verhalten; Widerspruch, krankhaftes. Rationales oder pragmatisches Verhalten wird nur der „Führung“ (also dem Regierungs- und Verwaltungsapparat) zugebilligt. Nirgends ist ein demokratische Verhalten hinsichtlich der „Führung“ definiert. Demokratie bedeutet: man gibt der gewählten Führung den Auftrag, dem Volk (exakt dem Wohl des Einzelnen) zu dienen. Statt dessen werden Gruppeninteressen vertreten, die ein starkes Veto einlegen oder die Richtung (eigene Vernunft) straffrei umsetzen dürfen. Was ist Vernunft ? Wir kennen nur „unsinnige“ Gruppeninteressen, wie a) den Bau eines Schutzwalles gegen Imperialisten b) den Bau eines weltbedeutenden Drehkreuz-Flughafens (als Abschreckung der Konkurrenz) c) die Einführung von Hartz4 (Motto: nur Billig-Arbeit macht reich) d) eine Mobilität, wo Jedem erlaubt wird so schnell zu fahren, wie er sich es finanziell leisten kann e) ein gewinnorientiertes Verhalten, das „Schwache“ (entgegen der Gesetzeslage) „übertölpelt und ausraubt“; 1) Menschen werden kaufsüchtig / spielsüchtig / sexsüchtig gemacht, mit staatlicher Förderung >> Vogelfreiheit 2) der Enkeltrick ist eine Ableitung des kapitalistischen Systems >> SUB-Randgruppe gegen SUB-SUB-Randgruppe Vernunft heißt ursprünglich: „den eigenen Trieben Einhalt zu gebieten -- Anderen Freiheiten zu geben !!“ (Antikes Rechtsmotto) „Vernunft heißt, Anderen Frieden zu gewähren und Selbst im Gegenzug zu beziehen“ (Biblisches Gemeinwohl ) Warum geht das nicht in einer DEUTSCHEN Demokratie ? Fehlt den Deutschen die Einsicht ? Fehlt den Deutschen ein demokratisches Verständnis ? .. oder sogar Beides ? Oder kann sich in Deutschland nur jemand (verhaltensgestörtes Egozentrisches) politisch an die Spitze setzen, der BEIDES eben gerade nicht praktiziert und umsetzt, gegen die Schwächeren „vernünftig Handelnden“ ???? ... ähnlich, wie das bei kriminellen Banden die Regel ist ? Ist kriminelle Egozentrik nicht die beste Vernunft ? ... Resumee: das sollten die Kinder und Hartz4-Empfänger angeleitet werden, solches ebenfalls umsetzen ? ... sich nicht manipulirren / ausnutzen zu lassen, um nicht in einer Endlosschleife einer Opferrolle zu verharren ?