HOME

Über 1000 Sexualdelikte: Familienvater gesteht Serien-Vergewaltigung

Vor dem Düsseldorfer Landgericht hat ein 46-jähriger Mann 20 Vergewaltigungen und mehr als 1000 weitere Sexualdelikte gestanden. Es tue ihm leid, aber er könne es nicht mehr rückgängig machen, sagte der Familienvater zum Prozessauftakt. Helfen wird ihm das nicht.

Mit einem Geständnis hat am Montag vor dem Düsseldorfer Landgericht der Prozess gegen einen jahrelang gesuchten Serienvergewaltiger begonnen. Der 46-jährige Familienvater aus Altenahr in der Eifel (Rheinland-Pfalz) räumte ein, insgesamt 20 Vergewaltigungen und mehr als 1.000 weitere Sexualdelikte begangen zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte den Fall schon im Vorfeld des Verfahrens als "wohl einmalig" bezeichnet. Unter Tränen legte der Mann ein knappes Geständnis ab. Die Vorwürfe seien richtig, erklärte zunächst Verteidiger Thomas Ohm. Der Angeklagte selbst sagte, ihm tue alles sehr leid, er könne es aber nicht rückgängig machen.

Der zuständige Richter verzichtete daraufhin zunächst auf Nachfragen und vernahm stattdessen die Leiterin der Sonderkommission bei der Polizei Krefeld, die die ungewöhnliche Serie von Sexualverbrechen im Frühjahr dieses Jahres aufgeklärt hatte. Die Ermittlerin Claudia Stickelbrock erklärte, der Mann habe gegenüber der Polizei in stundenlangen Vernehmungen ein umfassendes Geständnis abgelegt. Er habe weit mehr eingeräumt, als man ihm vorgehalten habe. So habe er nicht nur 20 Vergewaltigungen zwischen 1995 und 2010 in Krefeld, Bonn, Düsseldorf, Köln, Aachen, Venlo und Eupen gestanden, sondern auch mehr als 1.000 weitere Sexualdelikte, bei denen er teilweise als Exhibitionist, zum Großteil aber mit der sogenannten Mitleidsmasche aufgetreten sei. So hatte sich der Angeklagte als vermeintlich Behinderter ausgegeben, der seine Arme nicht bewegen könne.

"Er hat Frauen gebeten, ihm beim Urinieren zu helfen"

"Er hat bei Frauen geklingelt und sie gebeten, ihm beim Urinieren zu helfen", sagte Ermittlerin Claudia Stickelbrock, "dabei ist es in einer Vielzahl von Fällen zu sexuellen Handlungen gekommen." Da es sich um freiwillige Handlungen der Frauen gehandelt habe, sei in diesen Fällen auch keine Anklage erhoben worden, so Staatsanwalt Eberhard Harings.

Nach eigenen Angaben hatte der gelernte Schlosser seine Opfer durch schauspielerische Leistungen überrumpelt. "Einen besonderen Kick hat es ihm verschafft, wenn es sich um gebildete Opfer gehandelt hat", so die Ermittlerin. Der Angeklagte sei deshalb vor allem in Universitätsstädten unterwegs gewesen, habe nach Studentinnen, Ärztinnen oder auch Psychologinnen Ausschau gehalten. Er habe sich als Legastheniker zurückgesetzt gefühlt, jedes Sexualdelikt sei für ihn deshalb ein Erfolg gewesen. "Selbst im Urlaub war er aktiv", sagte Stickelbrock, "er war mit der Familie am Bodensee. Während die Frau und die Kinder am Wasser lagen, hat er sich durch die Mitleidsmasche Befriedigung verschafft."

Erste Vergewaltigung 1995 in Venlo

Später hätten ihm dann die "Maschetaten" nicht mehr ausgereicht. Es sei zu einer Reihe von versuchten oder vollendeten Vergewaltigungen gekommen. Begonnen hatte die Serie 1995 in Venlo, bei seinen Taten war der Mann vielfach mit einer Strumpfhose maskiert und mit einem Messer bewaffnet. Alter und Optik der Frauen seien nicht wichtig gewesen, es habe sich vielfach um Zufallsopfer gehandelt. Richter Rudolf Wolf sagte, der Mann habe bei seinen Taten ein "sehr variantenreiches Verhalten" an den Tag gelegt. Verteidiger Thomas Ohm erklärte dazu, der Angeklagte sei in früheren Jahren spielsüchtig gewesen und habe diese Sucht später in eine Sucht nach Sexualstraftaten umgewandelt.

Ein Gutachter begleitet den Prozess, er soll sich später im Verfahren noch zur Frage der Schuldfähigkeit äußern. "Im Falle der verminderten Schuldfähigkeit ist gesetzlich vorgesehen, dass sich das Strafmaß reduziert", sagte Gerichtssprecher Klaus Schumacher. Bis zu 15 Jahre Haft sind möglich, dem Mann droht zusätzlich Sicherungsverwahrung. Für den Prozess hat das Landgericht Düsseldorf insgesamt drei Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil soll spätestens am 25. Oktober verkündet werden.

DAPD/be / dapd