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Überfall auf Touristen in Äthiopien: Herkunft deutscher Todesopfer scheint geklärt

Fünf Touristen werden in Äthiopien erschossen, darunter zwei Deutsche, die aus Cottbus und Schleswig-Holstein stammen sollen. Die Hintergründe bleiben im Dunkeln.

Die beiden Deutschen unter den fünf Touristen, die bei einem Überfall in Äthiopien umgekommen sind, stammen wahrscheinlich aus Schleswig-Holstein und aus Cottbus. Wie die "Lausitzer Rundschau" berichtet, soll ein 58 Jahre alter Mann als Techniker bei einem freien Theaterprojekt in Cottbus gearbeitet haben. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht. Dagegen bestätigte ein Sprecher des Landesinnenministeriums in Kiel, dass es Hinweise gebe, dass das zweite Todesopfer aus dem nördlichsten Bundesland stamme. Einzelheiten wie Alter, Geschlecht oder Herkunftsort nannte er nicht.

"Die Identifizierung muss aber erst durch das Bundeskriminalamt abgeschlossen werden, um die notwendige Sicherheit zu haben", so der Sprecher weiter. Das BKA in Wiesbaden, das mehrere Mitarbeiter zur Untersuchung des Überfalls nach Äthiopien geschickt hat, verwies auf das Auswärtige Amt. Dieses bestätigte jedoch offiziell nur, dass noch zwei Deutsche nach dem Überfall vermisst werden.

Die Hintergründe des Überfalls sind weiter unklar. Die äthiopische Regierung machte von der eritreischen Regierung ausgebildete Terroristen dafür verantwortlich. "Sie werden von Eritrea trainiert und geschickt, um an der Grenze zu Äthiopien solche terroristischen Aktionen durchzuführen", sagte der äthiopische Generalkonsul in Frankfurt, Mulugeta Zewdie, dem Sender NDR info. Eritrea habe bereits im vergangenen Jahr versucht, einen Anschlag auf das jährliche Gipfeltreffen der Afrikanischen Union (AU) zu verüben Dieser sei jedoch vereitelt worden, so ein Sprecher der äthiopischen Regierung. Eritreische Diplomaten wiesen die Vorwürfe zurück.

Keine Spur von dem verschleppten Quartett

Nach Angaben eines äthiopischen Regierungssprechers wurden neben den beiden Deutschen auch zwei Ungarn und ein Österreicher erschossen. Die Leichen der fünf getöteten Touristen trafen inzwischen in der Hauptstadt Addis Abeba ein. Zwei weitere Deutsche sowie ein äthiopischer Polizist und ein äthiopischer Fahrer seien entführt worden. "Sie wurden wahrscheinlich alle nach Eritrea verschleppt", sagte der Regierungssprecher. Zwölf Menschen konnten aus der Gefahrenzone im Grenzgebiet zum Nachbarland Eritrea gerettet werden.

Zu der Attacke war es in der Nacht zum Dienstag in der Danakil-Senke unweit der eritreischen Grenze gekommen, einem der heißesten Orte der Erde. In dem Gebiet kommt es seit Jahren immer wieder zu Übergriffen auf Touristen. Das Auswärtige Amt und die Außenministerien zahlreicher anderer Länder weisen auf ihren Homepages deshalb auch auf ein erhöhtes Risiko in dem Grenzgebiet hin.

Westerwelle hält sich bedeckt

Bundesaußenminister Guido Westerwelle sprach zwar nicht von einer Entführung. Allerdings sagte er, "dass das Schicksal von weiteren Deutschen, die zu der Reisegruppe gehörten, noch ungeklärt" sei. Das Außenministerium in Wien bestätigte den Tod des Österreichers. Minister Michael Spindelegger erklärte in Wien, die Gruppe sei "in einem militärischen Grenzgebiet, de facto einem Sperrgebiet" unterwegs gewesen.

Der Dresdner Reiseveranstalter Diamir sagte nach dem Überfall alle Reisen in die betroffene Region ab. Geschäftsführer Jörg Ehrlich bestätigte, dass Teilnehmer der überfallenen Gruppe ihre Tour bei Diamir gebucht haben. Details nannte er nicht.

Dauerkonflikt zwischen Äthiopien und Eritrea

Die Region, in der es zahlreiche Vulkane und Salzseen gibt, ist von großer landschaftlicher Schönheit. Deshalb bieten Reiseveranstalter nach wie vor Touren in die Danakil an. Die Region gilt als "Wiege der Menschheit", seit hier in den 1970er Jahren Knochen eines über drei Millionen Jahre alten Hominiden entdeckt wurden.

Allerdings kommt es in dem Grenzgebiet immer wieder zu Zwischenfällen. Die Beziehungen zwischen Äthiopien und Eritrea sind extrem gespannt. Eritrea war 1993 unabhängig von Äthiopien geworden. Seither hat Äthiopien keinen Meereszugang mehr. Zwischen 1998 und 2000 kam es zu einem blutigen Grenzkrieg mit mehr als 100.000 Toten.

Bereits 2007 waren in dem Gebiet fünf Europäer - vier Briten und eine Französin - entführt und nach knapp zwei Wochen unbeschadet gegen Lösegeld wieder freigelassen worden. Auch 2008 gab es mehrere Überfälle auf Reisegruppen. Im Frühjahr 2009 fuhr in der Nähe des Vulkans Erta Ale - in der sich auch der neuerliche Angriff ereignet haben soll - ein Touristenfahrzeug auf eine Mine und explodierte. Zwei Äthiopier starben, ein ausländischer Tourist wurde verletzt.

kng/DPA / DPA