HOME

Überfall in Münchner S-Bahn: Staatsanwälte bereiten dritten Haftbefehl vor

Die tödliche Attacke auf einen 50-jährigen Geschäftsmann in München entsetzt die Republik. Unions-Politiker verlangen härtere Gesetze und eine bessere Überwachung der Bahnhöfe. Derweil will die Staatsanwaltschaft in Kürze Haftbefehl gegen einen dritten Verdächtigen beantragen.

Nach der tödlichen Attacke an einer Münchner S-Bahn-Haltestelle bereitet die Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl gegen einen dritten Jugendlichen vor. Der Haftbefehl gegen den 17-Jährigen solle in Kürze beantragt werden, sagte ein Justizsprecher am Montagmorgen. Zwei 17 und 18 Jahre alte Schläger sitzen bereits in Untersuchungshaft. Die mutmaßlichen Haupttäter gaben zu, an der Auseinandersetzung am Samstagabend beteiligt gewesen zu sein, nannten aber keine Einzelheiten.

Der dritte Jugendliche wurde am Sonntag festgenommen. Er war nicht an dem tödlichen Überfall beteiligt, hatte die Sache aber möglicherweise angezettelt: Noch am Gleis soll er als erster zugeschlagen haben, um zusammen mit seinen Freunden von vier Kindern Geld zu erpressen. Der 50-Jährige hatte versucht, die Kinder zu schützen und war mit ihnen in die Bahn gestiegen. Zwei der Jugendlichen waren der Gruppe gefolgt und prügelten ihr späteres Opfer zu Tode, der nun verhaftete dritte Verdächtige hingegen war nicht mehr mitgekommen.

Angesichts des brutalen Überfalls hat sich die Union für mehr Kontrollen im Öffentlichen Nahverkehr ausgesprochen. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Wolfgang Bosbach sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", es sei "unverkennbar, dass sich Übergriffe im öffentlichen Nahverkehr häufen". In dem Maße, in dem hier Personal durch Technik ersetzt worden sei, bleibe der Schutz potenzieller Opfer der Zivilcourage Einzelner überlassen. "Man kann sich bei der Gefahrenabwehr aber nicht allein auf Zivilcourage der Bürger verlassen", betonte der CDU-Politiker. Die Verkehrsbetriebe müssten in Zügen, Bussen und Bahnen sowie an Haltestellen für mehr Sicherheitspersonal sorgen. Ein Allheilmittel sei aber auch das nicht.

Der Münchner Fall mache deutlich, dass "die Forderungen der Union nach Änderungen im Jugendstrafrecht auf der Tagesordnung bleiben müssen", erklärte er. "Wir werden das nach der Bundestagswahl mit Hochdruck weiterverfolgen", kündigte er an.

Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann rief die Deutsche Bahn auf, die Sicherheit auf den Bahnhöfen zu erhöhen. Der CSU-Politiker sagte am Montag im rbb-Inforadio: "Ich fordere von der Deutschen Bahn klipp und klar, dass alle S-Bahn-Stationen ebenso wie die U-Bahnhöfe mit Videoüberwachung ausgestattet werden." Nach der flächendeckenden Einführung der Videoüberwachung auf Münchner U-Bahnhöfen sei die Zahl der Straftaten dort deutlich zurückgegangen.

"Für so brutale Straftaten muss es höhere Strafen geben"

Der CSU-Politiker plädierte dafür, im Regelfall bereits für 18-Jährige das Erwachsenenstrafrecht anzuwenden. "Für so brutale Straftaten wie diesen Mord muss es auch eine höhere Höchststrafe für Jugendliche geben, nämlich fünfzehn statt zehn Jahre", sagte Herrmann. Er schloss sich damit Forderungen von Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) an. Auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer plädierte für ein härteres Durchgreifen der Polizei.

Am Samstag hatten zwei Jugendliche auf einem S-Bahnhof einen 50-Jährigen zu Tode geprügelt, weil dieser vier Kinder vor einem Raubüberfall schützen wollte. Der Geschäftsmann blieb bewusstlos liegen und erlag später seinen schweren Verletzungen. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt wegen Mordes gegen die 17 und 18 Jahre alten polizeibekannten Männer.

Es ging nur um kleine Summen

Die drei Schläger hatten am S-Bahnhof Donnersbergerbrücke eine Gruppe von Jugendlichen angegriffen und Geld von ihnen gefordert. Die 13- bis 15-Jährigen stiegen dann in eine S-Bahn. Während der eine 17-jährige Angreifer zurückblieb, folgten die beiden anderen jungen Männer der Gruppe in die Bahn, drohten erneut und forderten Geld. Dabei ging es nur um kleine Summen, sagte der Chefermittler der Münchner Mordkommission, Markus Kraus.

Der unbeteiligte Fahrgast wurde Zeuge der Drohungen, wollte seine vier jungen Mitfahrer schützen und verständigte per Handy die Polizei. Den vier bedrohten Jugendlichen bot der Mann an, mit ihnen zum S-Bahnhof in Solln zu fahren und gemeinsam mit ihnen auszusteigen.

Auf dem Bahnsteig in Solln folgten die beiden Schläger der Gruppe und attackierten den Mann. Einen ersten Angriff konnte der Mann noch abwehren, doch dann war er den Schlägen und Tritten der beiden mutmaßlichen Täter wehrlos ausgesetzt. Sie prügelten so massiv auf ihn ein, dass er bewusstlos liegenblieb und später starb.

Verdächtige schweigen zu den Vorwürfen

"Seine jungen Begleiter konnten ihm nicht helfen", sagte Kriminalrat Kraus. Die Attacke habe sich innerhalb weniger Minuten abgespielt. Die alarmierten Beamten kamen unmittelbar nach der Tat auf den Bahnsteig. Ein Passant versuchte den Mann wiederzubeleben, bis der Notarzt eintraf. Für den 50-Jährigen kam jedoch jede Hilfe zu spät.

Die mutmaßlichen Täter sind deutsche Staatsbürger ohne Migrationshintergrund. Der 18-Jährige, der zur Tatzeit angetrunken war, ist wegen schwerer Körperverletzung, räuberischer Erpressung und Diebstahls vorbestraft, sagte der Münchner Staatsanwalt Laurent Lafleur am Sonntag. Die beiden Angreifer hatten sich nach der Tat in einem Gebüsch in der Nähe versteckt, wo sie von der Bundespolizei entdeckt und festgenommen wurden. Bei ihren Vernehmungen räumten sie zwar die Auseinandersetzung ein, wollten sich zur Tat selbst aber nicht äußern, erklärte die Polizei.

AP/AFP/DPA / AP / DPA