Übergriff in Potsdam Mutmaßlicher Schläger soll mit der Tat geprahlt haben


Überraschende Wende im Fall des brutalen Angriffs von Potsdam: Der verdächtige Björn L. ist erneut verhaftet worden. Er soll vor einem Mithäftling mit der Tat geprahlt haben.

Der neuerlich in Haft genommene Potsdamer Verdächtige soll den Angriff auf einen Deutsch-Äthiopier nach DPA- Informationen aus Justizkreisen gegenüber einem Mitgefangenen zugegeben haben. Demnach hat der 29-Jährige, der am Mittwoch - einen Tag nach seiner Freilassung - erneut in Haft genommen wurde, bereits vor 14 Tagen vor einem anderen Häftling mit der Tat geprahlt. Die Bundesanwaltschaft hatte die neuerliche Festnahme mit "neuen Beweisergebnissen" begründet.

Dem 29-Jährigen wurde am Donnerstag vor dem Potsdamer Amtsgericht der neue Haftbefehl wegen gefährlicher Körperverletzung verkündet. Sein Anwalt Veikko Bartel bestätigte der DPA, dass die neuerliche Verhaftung auf der Aussage eines Mithäftlings beruht. Sein Mandant werde von diesem Zeugen sinngemäß mit den Worten zitiert: "Hätte ich mal richtig reingetreten." Der 29-Jährige bestreite jedoch, jemals mit diesem Mann gesprochen zu haben oder ihn überhaupt zu kennen, sagte der Anwalt. Bartel will beantragen, dass sein Mandant erneut vom zuständigen Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof gehört wird.

Das Opfer kann sich nicht erinnern

Der zweite Verdächtige Thomas M. bleibt jedoch auf freiem Fuß. Die beiden Männer sollen am Ostersonntag den Deutsch-Afrikaner Ermyas M. in Potsdam zusammengeschlagen und lebensgefährlich verletzt haben. Erst am Dienstag war der Haftbefehl gegen die Verdächtigen aufgehoben worden, weil zunächst kein dringender Tatverdacht mehr bestand.

Hintergrund war den Ermittlern zufolge, dass sich das Opfer nicht mehr an die Tat erinnern kann. Ermyas M. war am Montag erstmals zum Angriff befragt worden. Dem Generalbundesanwalt zufolge erhärten die neuen Erkenntnisse sogar den Verdacht gegen Björn L. Sie seien erst am Dienstagabend nach der Haftentscheidung des Ermittlungsrichters bekannt geworden. Um welche neuen Erkenntnisse es sich handelt, teilte die Bundesanwaltschaft auch auf Anfrage nicht mit. Die Anwälte der beiden Männer waren am Mittwochabend zunächst nicht erreichbar. Bei der Entscheidung des Ermittlungsrichters vom Dienstag handelte es sich nicht einen offiziellen Haftprüfungstermin.

"Das ist noch kein Unschuldsnachweis"

Aus Justizkreisen verlautete, dass selbst die Bundesanwaltschaft von der Aufhebung des Haftbefehls überrascht gewesen sei. Die Freilassung der beiden mutmaßlichen Gewalttäter war am Mittwoch auf ein geteiltes Echo gestoßen. Während der stellvertretende Unionsfraktionschef im Bundestag, Wolfgang Bosbach, die Bundesanwaltschaft in Schutz nahm, äußerte sich der brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm zurückhaltend. Der CDU-Politiker hatte zuvor Generalbundesanwalt Kay Nehm heftig kritisiert, weil dieser die Ermittlungen aufgenommen hatte. Bosbach sagte, der Karlsruher Anklagebehörde sei kein Vorwurf zu machen, weil sie nach dem ersten Erscheinungsbild habe handeln müssen.

Die Aufhebung des dringenden Tatverdachts sei im Übrigen für ein Strafverfahren kein ungewöhnlicher Vorgang: "Das ist noch kein Unschuldsnachweis." Schönbohm hielt sich mit einer Wertung zurück: "Man könnte eine Menge sagen", meinte der CDU-Politiker. "Aber es geht hier um ein Ermittlungsverfahren. Ich sage dazu nichts." Opfer-Anwalt Thomas Zippel bestätigte, dass sich der noch immer im Unfallkrankenhaus Berlin-Marzahn liegende Ermyas M. nicht an den Überfall erinnern könne. Verantwortlich für die Erinnerungslücken seien die schweren Hirnverletzungen, die der 37-Jährige bei der Attacke erlitten habe.

Sayan nach Überfall noch angeschlagen

Nehms Sprecherin Frauke-Katrin Scheuten hatte bereits vor dem neuerlichen Haftbefehl betont, dass keines der Indizien, die den dringenden Tatverdacht gerechtfertigt hätten, entfallen sei. Der Verdacht bestehe fort. Der Anwalt Sven-Oliver Mielke, der den Beschuldigten Björn L. vertritt, erklärte dagegen ebenfalls noch vor der Verhaftung seines Mandanten, die von der Bundesanwaltschaft gesammelten Indizien reichten nicht für eine Verwertung vor Gericht aus.

Die auf Glassplittern am Tatort entdeckten Blutreste habe sich nach einer DNA-Analyse als nicht eindeutig zuzuordnende Mischspur herausgestellt. Unterdessen wurde der bei einem vermutlich ebenfalls fremdenfeindlichen Überfall schwer verletzte türkischstämmige Politiker Giyasettin Sayan aus dem Krankenhaus entlassen. Der 56-Jährige fühle sich noch sehr angeschlagen, sagte eine Sprecherin der Berliner Linkspartei. Er könne seine Arbeit erst in einigen Tagen wieder aufnehmen. Sayan war am Freitagabend niedergeschlagen worden.

Ursula Knapp/AP/DPA AP DPA

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