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Übergriffe in Deutschland: Täter in Hamburg haben alle arabisch gesprochen

Im Fall der Übergriffe auf Frauen in der Kölner Silvesternacht hat die Polizei drei Tatverdächtige ermittelt. Das teilt NRW-Innenminister Ralf Jäger mit. Die Ereignisse des Tages in der Chronik.

Besucher auf der Reeperbahn in Hamburg

Die Übergriffe in Hamburg fanden überwiegend im Stadtteil St. Pauli statt, zu dem auch die Reeperbahn gehört

Die schockierenden Übergriffe auf Frauen in Köln und die erfolglose Suche nach den Tätern haben in Deutschland Fassungslosigkeit ausgelöst. Kanzlerin Angela Merkel forderte eine harte Antwort des Rechtsstaats und drückte Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker "ihre Empörung über diese widerwärtigen Übergriffe und sexuellen Attacken aus". 

Die Polizei erklärte, nach den Übergriffen in der Silvesternacht noch keine Verdächtigen zu haben. "Wir haben derzeit keine Erkenntnisse über Täter", sagte Kölns Polizeipräsident Wolfgang Albers. Kritik am Einsatz der Polizei wies er zurück. "Wir waren nicht überfordert", versicherte er. Der volle Umfang - insbesondere der sexuellen Übergriffe - sei allerdings erst am nächsten Tag klar geworden.

Die Ereignisse des Tages zum Nachlesen in der Chronik:

+++ 18.35 Uhr: Nach Übergriffen in Köln vier Verdächtige identifiziert +++

In Köln hat die Polizei inzwischen nach eigenen Angaben vier mutmaßliche Täter identifiziert. Es gebe "konkrete Hinweise auf vier männliche Tatverdächtige", teilte die Polizei mit. Noch in der Silvesternacht seien zwei aus Nordafrika stammende Taschendiebe auf frischer Tat ertappt worden. Nach der Identifizierung der beiden Männer seien sie wieder aus der Obhut der Polizei entlassen worden.

Zwei weitere Verdächtige befänden sich bereits seit Sonntag in Untersuchungshaft. Demnach wurden sie am frühen Sonntagmorgen von Bundespolizisten auf einem Gleis des Kölner Hauptbahnhofs festgenommen. Sie sollen gemeinsam mit drei Komplizen kurz zuvor einen Reisenden bestohlen haben. "Derzeit liegen konkrete Hinweise vor, dass die Beschuldigten kurz vor dem Diebstahl mehrere Frauen angesprochen und bedrängt haben", teilte die Polizei weiter mit. Während der Festnahme seien die geschädigten Frauen weggegangen, ohne ihre Personalien zu hinterlassen. Die Polizei rief die Frauen auf, zu den Vorkommnissen auszusagen.

+++ 18.19 Uhr: Täter in Hamburg haben alle arabisch gesprochen +++

Die sexuellen Übergriffe in Hamburg-St. Pauli sind laut Polizei alle von arabisch-sprechenden Männern begangen worden. Das hätten Zeugenaussagen ergeben, sagte Polizeivizepräsident Reinhard Fallak dem "Hamburger Abendblatt". Übereinstimmend hätten alle Frauen gesagt, dass es sich bei den Tätern um arabisch-sprechende aus dem nordafrikanischen Raum stammende junge Männer gehandelt habe. Bis zum Mittwochnachmittag waren bei der Polizei in Hamburg 53 Anzeigen von Frauen wegen sexueller Übergriffe eingegangen. In ersten Berichten hieß es, die Frauen hätten die Täter als "südländisch, nordafrikanisch, arabisch" beschrieben.

+++ 17.40 Uhr: Sexuelle Übergriffe auch in Düsseldorf +++

Wie der WDR erfuhr, ist es auch in Düsseldorf in der Silvesternacht zu Übergriffen auf Frauen gekommen. Nach Angaben der Polizei haben insgesamt elf Frauen Anzeigen wegen sexueller Nötigung und zum Teil auch wegen Diebstahls gestellt. Die Taten wurden in der Altstadt und im direkten Bahnhofsumfeld begangen und weisen deutliche Parallelen zu Köln auf. Es soll sich ebenfalls um eine Männergruppe aus Nordafrika gehandelt haben. "Die Art der Delikte ist mit denen in Köln vergleichbar", so ein Sprecher der Düsseldorfer Polizei.

Laut Schilderungen der Frauen, seien sie von größeren Männergruppen bedrängt und sexuell genötigt worden. In einigen Fällen sei es auch zu Diebstählen gekommen. Einen Zusammenhang mit den Taten in Köln wollte der Sprecher nicht ausschließen: "Das ist jetzt Gegenstand der Ermittlungen". Bereits in der Silvesternacht seien erste Tatverdächtige ermittelt und vorläufig festgenommen worden.

+++ 13.41 Uhr: Zweite Anzeige wegen Vergewaltigung in Köln +++

Nach den Übergriffen auf Dutzende Frauen in der Kölner Silvesternacht haben zwei Betroffene Anzeigen wegen Vergewaltigung erstattet. "Wir haben 90 Anzeigen, darunter sind 2 Anzeigen, in denen ein Tatbestand der Vergewaltigung angezeigt worden ist", sagt der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers dem Radiosender WDR 5. Bislang war ein Fall bekannt, in dem wegen des Verdachts der Vergewaltigung ermittelt wurde. Festgenommen wurde noch niemand.

+++ 12.18 Uhr: Drei Tatverdächtige ermittelt +++

Nach den massiven Übergriffen auf Frauen am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht hat die Polizei drei Tatverdächtige ermittelt. Das sagt NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) in Düsseldorf. Details zu den Verdächtigen wolle er nicht nennen, weil dies die schwierigen Ermittlungen gefährden könne.

+++ 11.51 Uhr: Frauen in Bielefelder Disco bestohlen +++

In der Silvesternacht soll es auch in einer Bielefelder Diskothek Übergriffe auf junge Frauen gegeben haben. Nach Angaben der "Neuen Westfälischen" wurden mehrere junge Frauen belästigt und bestohlen. Sie seien von einigen Männern festgehalten, geküsst und "angetanzt" worden. Die Polizei bestätigte den Bericht. Demnach sollen die Täter aus einer Gruppe von etwa 150 Menschen stammen, die vor allem aus dem nordafrikanischen Raum kamen, sagt ein Polizeisprecher. Es seien Diebstähle angezeigt worden. "Aber es gibt keine Hinweise oder Anzeigen, die auf Sexualstraftaten hindeuten", betont er. 

+++ 11.09 Uhr: Übergriffe auf Reeperbahn - Polizei bildet Sonder-Ermittlungsgruppe +++

Zur Aufklärung der sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht bildet die Hamburger Polizei eine Sonder-Ermittlungsgruppe. Das sagt eine Polizeisprecherin. In der Nacht zum Neujahrstag waren Dutzende junge Frauen auf St. Pauli von Männergruppen umringt, sexuell belästigt und beraubt worden. Die Täter sollen Männer im Alter zwischen 20 und 40 Jahren "mit südländischem oder arabischem Aussehen" gewesen sein. Bis zum Dienstag gingen bei der Polizei 27 Anzeigen von Opfern ein. Die Beamten riefen mögliche weitere betroffene Frauen und Zeugen auf, sich zu melden.

+++ 10.45 Uhr: Mehr als 100 Anzeigen nach Übergriffen in Köln +++

Immer mehr Opfer melden sich nach den Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht bei der Kölner Polizei. Mittlerweile seien mehr als 100 Anzeigen eingegangen, sagt eine Polizeisprecherin. Davon hätten drei Viertel einen sexuellen Hintergrund. Nach den Vernehmungen der Opfer habe sich ein klareres Bild der Taten ergeben. "Viele Frauen geben in den Gesprächen an, dass sie auch angefasst wurden", sagt die Sprecherin. Täter habe die Polizei noch keine ermittelt. Die Beweisführung gestalte sich als "sehr schwierig", was vor allem an der "Gemengelage" in der Silvesternacht liege. 

+++ 10.20 Uhr: Maas vermutet abgesprochene Übergriffe

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) dringt darauf, Hinweisen nachzugehen, dass die Übergriffe der Silvesternacht in Köln vorab verabredet gewesen sein könnten. "Das Ganze scheint abgesprochen gewesen zu sein," sagt Maas im ZDF-"Morgenmagazin". "Es wäre schön, wenn das keine Organisierte Kriminalität wäre, aber ich würde das gerne mal überprüfen, ob es im Hintergrund Leute gibt, die so etwas organisieren." So etwas passiere nicht aus dem Nichts, es müsse jemand dahinterstecken. 

+++ 8.29 Uhr: "Kritik von Maizière ist unanständig" +++

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) wegen seiner Kritik an der Kölner Polizei scharf angegriffen. "Ich glaube nicht, dass es ein guter Stil ist, wenn der Bundesinnenminister in aller Öffentlichkeit die Landespolizei und die Einsatzleitung dort kritisiert", sagt der Gewerkschaftsvorsitzende Rainer Wendt dem Radiosender HR-Info. "In dieser Weise pauschal über die Polizei in Köln herzufallen, das ist unanständig. Das gehört sich einfach nicht."

+++ 5.35 Uhr: Polizeigewerkschaft: Womöglich keine einzige Verurteilung in Köln +++

Nach den massenhaften sexuellen Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht in Köln befürchtet die Deutsche Polizeigewerkschaft, dass es keine einzige Verurteilung geben könnte. "Es ist höchst ungewiss, ob es im Fall der Übergriffe in Köln auch nur zu einer einzigen Verurteilung kommen wird", sagt Gewerkschaftschef Rainer Wendt der "Passauer Neuen Presse". Für eine wirksame Strafverfolgung fehle es der Polizei einfach an Personal. 

+++ 5.05 Uhr: Innenminister de Maizière greift Polizei scharf an +++

Bundesinnenminister Thomas de Maizière kritisiert die Kölner Polizei für ihr Einsatzverhalten in der Silvesternacht scharf. Mit Blick auf die Übergriffe auf Frauen auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs sagt der CDU-Politiker in den ARD-"Tagesthemen": "Da wird der Platz geräumt - und später finden diese Ereignisse statt, und man wartet auf Anzeigen. So kann die Polizei nicht arbeiten." De Maizière sagte in der ARD weiter: "Die Ereignisse sind abscheulich, empörend und nicht hinnehmbar. Und ich erwarte jetzt dringend eine Aufklärung." Der Minister kritisierte zudem: "Warum konnte man am nächsten Tag noch sagen, es wäre alles friedlich gewesen?"

+++ 0.35 Uhr: Maas warnt vor Generalverdacht gegen Flüchtlinge +++

Nach den sexuellen Übergriffen auf Frauen in Köln warnt Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) vor Pauschalurteilen über Flüchtlinge. "Niemand sollte die Übergriffe instrumentalisieren, um Flüchtlinge pauschal zu diskreditieren", sagt Maas der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Wenn Asylbewerber unter den Tätern waren, ist das noch lange kein Grund, alle Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen." Jetzt sei es notwendig, alles zu tun, damit sich derartige Exzesse nicht wiederholten. Deutsche Städte dürften nicht zu "rechtsfreien Räumen" werden, betont Maas. 

fin / DPA / AFP / Reuters