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Schleswig-Holstein: Überraschende Wendung in Mordprozess: 16-jährige Tochter des Opfers verhaftet

Im Prozess um eine zerstückelte und einbetonierte Leiche in Schleswig-Holstein ist überraschend die 16-jährige Tochter des Opfers wegen Mordverdachts verhaftet worden. Hintergrund sind wohl Aussagen ihres Ex-Freunds.

Mit verdeckten Gesichtern sitzen die Angeklagten zum Auftakt eines Mordprozesses im Gerichtssaal

Mit verdeckten Gesichtern sitzen die Angeklagten zum Auftakt eines Mordprozesses im Gerichtssaal

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Im Prozess um eine zerstückelte und einbetonierte Leiche in Schleswig-Holstein ist überraschend die 16-jährige Tochter des Opfers wegen Mordverdachts verhaftet worden. Die Jugendliche trat bisher als Nebenklägerin in dem Verfahren auf. Sie soll an der Tötung ihres Vaters beteiligt gewesen sein. Hintergrund des überraschend gegen sie erlassenen Haftbefehls sind wohl Aussagen ihres Ex-Freunds.

Ein Amtsgericht habe am Donnerstag Haftbefehl erlassen, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Itzehoe, Jonna Ziemer, am Freitag. Die junge Frau sitzt jetzt in Untersuchungshaft. Weitere Details könnten mit Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen und aus Gründen des Jugendschutzes seitens der Polizei und seitens der Staatsanwaltschaft nicht erteilt werden, heißt es in einer Pressemitteilung.

Paar soll Ex-Lebensgefährten 2017 getötet haben

Bislang mussten sich wegen der Tötung des 41-jährigen Mannes die Mutter der 16-Jährigen und deren neuer Freund vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Itzehoe verantworten. Laut Anklage sollen sie den ehemaligen Lebensgefährten der Frau im Frühjahr 2017 heimtückisch getötet haben. Die Leiche sollen sie zerstückelt und auf ihrem Reiterhof in Dammfleth im Kreis Steinburg vergraben haben. Motiv der Bluttat sollen Beziehungsstreitigkeiten gewesen sein. Die 37 Jahre alte Angeklagte und ihr 47-jähriger Freund schwiegen bislang zu den Vorwürfen. Die Bluttat sollen die beiden laut Staatsanwaltschaft gemeinsam geplant und ausgeführt haben.

"Die Mordermittlungen kamen erst 2019 ins Rollen, weil die Angeklagte ihren Lebensgefährten als vermisst gemeldet hatte", sagte Staatsanwalt Jan-Hendrik Schwitters. Im Januar 2019 habe jemand "aus dem Umfeld des Haushaltes von sich aus sich den Behörden offenbart", sagte der Staatsanwalt an einem der ersten Verhandlungstagen. Später wurden Leichenteile auf dem Grundstück gefunden.

Morddrohungen gegen Zeugen

Tatort war laut Anklage ein Kinderzimmer in dem gemeinsam bewohnten Reiterhof. Dort soll der Angeklagte hinter einem Kleiderschrank versteckt auf sein Opfer gewartet haben. Die Frau soll den ahnungslosen Mann unter einem Vorwand dorthin gelockt haben. Als er sich auf einen Stuhl setzte, soll sich der Angeklagte von hinten angeschlichen und ihm zwei Mal in den Kopf geschossen haben.

Angeklagte im Usedomer Mordfall Maria

Die Anklage stütze sich auf Zeugen aus dem Umfeld der Angeklagten, sagte Staatsanwalt Schwitters. "Zudem - und das wiegt natürlich schwer - ist der Leichnam aufgefunden worden, so wie das einer der Zeugen auch beschrieben hat." Rechtsmediziner hätten bei der Untersuchung der Leiche wie vom Zeugen geschildert zwei Einschusslöcher gefunden.

Bis Mitte November sollen zahlreiche Zeugen und Sachverständige gehört werden. Am zweiten Verhandlungstag hatte bereits der Hauptbelastungszeuge unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesagt, wie der NDR berichtete. Laut Richterin habe es Morddrohungen gegen den jungen Mann gegeben. Die Aussage fand laut NDR per Videoschaltung statt, da der Zeuge "wegen des Mordes an einer posttraumatischen Belastungsstörung leide". Der Mann sei deshalb in psychiatrischer Behandlung.

Weitere Quellen: Polizei Itzehoe, NDR

rw / DPA