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Ukraine: Foltervorwürfe gegen Krim-Milizen

Human Rights Watch erhebt schwere Vorwürfe gegen die moskautreue Bürgerwehr. Aktivisten seien verschleppt und gefoltert worden. Die Gefangenen wurden mutwillig angeschossen und mit Messern verletzt.

Bewaffnete russische Soldaten verhaften ukrainische Offiziere in Simferopol

Bewaffnete russische Soldaten verhaften ukrainische Offiziere in Simferopol

"Seit Wochen dürfen irreguläre bewaffnete Einheiten auf der Halbinsel Amok laufen ohne offensichtliche legale Befugnis", sagte der Experte der Human Rights Watch (HRW) Hugh Williamson der Mitteilung zufolge. Dies habe auf der von der Ukraine abtrünnigen Krim zu "Unsicherheit, mutwilligen Festnahmen, Verschleppungen sowie Folter" geführt.

Die proukranischen Aktivisten Andrej Schtschekun und Juri Schewtschenko waren nach eigenen Angaben von Mitgliedern der moskautreuen Bürgerwehr gequält worden. Die Männer hätten einen Teil von Schewtschenkos rechtem Ohr abgeschnitten und ihm in die Beine geschossen, berichteten ukrainische Medien.

In der westukrainischen Stadt Rowno wurde in der Nacht ein führender Ultranationalist erschossen. Russland hatte einen internationalen Haftbefehl gegen Alexander Musytschko erlassen, der in den 1990er Jahren im tschetschenischen Bürgerkrieg gegen moskautreue Truppen gekämpft haben soll.

UN soll Krim-Anschluss für ungültig erklären

Die Ukraine hat der UN-Vollversammlung einen Resolutionsentwurf vorgelegt, der das Referendum über den Anschluss der Krim an Russland für ungültig erklären würde. Die Abstimmung könne deshalb nicht die Basis für eine Statusänderung der Krim oder der Stadt Sewastopol bilden, heißt es in dem Text, den die Ukraine Diplomaten zufolge am Wochenende einreichte und der am Montag veröffentlicht wurde. Die Erklärung ähnelt einer Resolution, die Russland in diesem Monat im Sicherheitsrat mit einem Veto ablehnte.

Selbst wenn die Erklärung von der Vollversammlung angenommen wird, ist sie nicht bindend und hat somit kaum praktische Auswirkungen. Sie würde jedoch ein deutliches politisches Signal dafür sein, dass die russische Politik nur wenig Rückhalt in der Staatengemeinschaft hat, erklärten westliche Diplomaten. Die Vollversammlung wird sich voraussichtlich am Donnerstag mit den Vorgängen in der Ukraine befassen und dabei auch über die Vorlage abstimmen.

yps/DPA/Reuters / DPA / Reuters