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Ungarn Urteil in Mordserie an Roma erwartet

In Budapest steht ein Prozess gegen vier Männer vor dem Abschluss: Aus Fremdenhass sollen die mutmaßlichen Täter mehrere Angriffe auf Roma verübt haben, sechs Menschen kamen dabei ums Leben.

Die Täter gingen extrem kaltblütig vor, sie handelten aus Fremdenhass, am Ende waren sechs Menschen tot. Am Dienstag wird in Ungarns Hauptstadt Budapest das Urteil im Prozess zu einer Mordserie an Roma erwartet. Angeklagt vor dem Gericht in Budapest sind vier Männer aus dem Neo-Nazi-Milieu. Ihnen wird vorgeworfen, in den Jahren 2008 und 2009 bei Angriffen mit Granaten, Gewehren und Molotowcocktails im Nordosten des Landes sechs Roma getötet und fünf weitere verletzt zu haben.

Unter anderem wurden ein Vater und sein fünfjähriger Sohn erschossen, als sie aus dem zuvor in Brand gesetzten Haus zu fliehen suchten. Eine Frau wurde im Schlaf erschossen. Die Verdächtigen - zur Tatzeit zwischen 28 und 42 Jahren alt - sind alle Hardcore-Fans des Fußballclubs von Debrecen. Nach Angaben der Anklage hatten sie vor den Taten jeweils Streit mit Roma gehabt

In Ungarn, wo viele Roma arm und arbeitslos sind, ruft der Prozess große Anteilnahme hervor. "Sechs Ungarn sind tot, bloß deshalb, weil sie Roma waren. Diese Tragödie muss im kollektiven Gedächtnis der Nation lebendig bleiben wie alle nationalen Tragödien", forderte die Oppositionspartei Gemeinsam 2014 von Ex-Regierungschef Gordon Bajnai. Bürgerrechtsgruppen werfen der regierenden Fidesz-Partei von Ministerpräsident Victor Orban vor, nicht genug gegen die anhaltende Diskriminierung der Roma zu tun.

Roma immer wieder Opfer verbaler Attacken

Die Roma, die fünf bis acht Prozent der Bevölkerung ausmachen, sind immer wieder Zielscheibe verbaler Angriffe. Besonders die rechtsextreme Jobbik-Partei hetzt gegen die Minderheit. Anfang Januar sorgte Zsolt Bayer, einer der Fidesz-Gründer, für Empörung, als er Roma als "Tiere" bezeichnete, die "liquidiert" werden sollten.

Drei der Angeklagten des Budapester Prozesses, den Brüdern Arpad und Istvan Kiss sowie Zsolt Peto, droht lebenslange Haft. Die Männer, die seit ihrer Festnahme im August 2009 in Haft sitzen, bestreiten die ihnen zur Last gelegten Taten und plädierten auf nicht schuldig. Der vierte Angeklagte, Istvan Csontos, hat gestanden, den anderen bei den Taten als Fahrer gedient zu haben, nicht jedoch eine direkte Tatbeteiligung. Ihm drohen 20 Jahre Haft.

Roma-Abgeordneter fordert mehr Zivilcourage

Das Urteil fällt wenige Tage nach dem Gedenktag für die Ermordung von 3000 Roma im Konzentrationslager Auschwitz am 2. August 1944. An diesem Jahrestag wurde im Jahr 2009 die letzte der Taten in der ungarischen Mordserie verübt. "Heute am Tag des Gedenkens für den (Roma-)Holocaust und dem Jahrestag des letzten Mordes ist es unsere Pflicht zu versprechen, gegen Hass einzuschreiten", mahnte Livia Jaroka am Freitag. Die Fidesz-Politikerin ist die einzige Roma-Abgeordnete im Europäischen Parlament.

Im Gedenken an die Opfer der Mordserie produzierte die private Mediengruppe XKK eine Reihe von Kurzfilmen. Die Filme mit Monologen der besten Schauspieler des Landes sollen in Budapester Kinos und auf Filmfestivals laufen unter dem Titel "Ihr Verbrechen war die Farbe ihrer Haut".

steh/AFP AFP

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