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Unglück von Bad Reichenhall: "Ein gigantischer Schlamp"

15 Menschen verloren bei der Eishallentragödie von Bad Reichenhall am 2. Januar 2006 ihr Leben. Vor Gericht soll nun geklärt werden, wer für das Unglück verantwortlich ist. Robert Schromm verlor an dem Tag seine Frau. stern.de erzählt, wie der Witwer den Prozessauftakt in Traunstein erlebt.

Von Sylvie-Sophie Schindler

Sie hat die Wäsche zusammengelegt. Sie hat gelächelt. Sie hat gesagt: "Wirst sehen, Schatz, das wird ein tolles Jahr." Das Jahr hatte gerade begonnen, es war der 1. Januar 2006. Einen Tag später war sie tot. In der Anklageschrift steht: "Michaela S, 38 Jahre alt, Todesursache: Zertrümmerung des Kopfes und Zerquetschung des Rumpfes." Michaela Schromm war eine der 15 Menschen, die bei der Eishallentragödie von Bad Reichenhall am 2. Januar 2006 erschlagen wurden. Begraben unter den tonnenschweren Trümmern des eingestürzten Daches. Heute hat am Landgericht Traunstein der Prozess begonnen, in dem geklärt werden soll, wer die Schuld trägt an der unfassbaren Tragödie. Auch Robert Schromm ist gekommen, noch ist früher Morgen, der Himmel bewölkt, der Witwer raucht erstmal eine Zigarette. Seine schwarze Hose hängt müde herab, zwischen Stoff und Haut ist noch viel Platz, er hat wenig gegessen, seit zwei Jahren will ihm nichts mehr so recht schmecken. Und doch, seine Mundwinkel zeigen nach oben, gerade heute. Der 44-jährige Heilpädagoge reibt die Handinnenflächen gegeneinander und sagt: "Ich will Licht ins Dunkel bringen." Und: "Die Öffentlichkeit soll aufmerksam werden - hier passiert ein gigantischer Schlamp." Er, der mit seiner Nickelbrille und seinen sanften Gesichtszügen wirkt wie ein Vertrauenslehrer, bekommt plötzlich etwas sehr Entschlossenes in seinem Ausdruck.

Robert Schromm steht nur wenige Meter vom Haupteingang des Gerichts entfernt - darüber ist eine Bronze-Waage montiert, sie hält die Balance. Das Symbol für Gerechtigkeit, auch wenn Robert Schromm sehr daran zweifelt, dass bei diesem Prozess die wahren Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Auf der Anklagebank müssen sich vier Männer verantworten: der Augsburger Bauingenieur Walter G. (67) - laut Anklageschrift verantwortlich für die Montage der fehlerhaften Dachkonstruktion. Rolf R. (63) aus einem Münchner Architekturbüro wird erklären müssen, warum ihm das Fehlen der Prüfstatik nicht aufgefallen ist. Der dritte Mann ist der Bauingenieur Rüdiger S. (54): 2003 kam er nach einer Überprüfung zu dem Beschluss, die Konstruktion der Eishalle befinde sich in einem "allgemein guten" Zustand. Und dann der ehemalige Technische Oberamtsrat Horst P (71), der beim Bau der Eishalle zwischen 1971 und 1973 als Hochbaumeister die Baukontrolle hatte - der allerdings reiht sich ein in eine Liste der Abwesenden. Das Verfahren gegen ihn wurde abgetrennt, da ihm Anfang Februar ein Tumor entfernt wird, andernfalls droht dem Rentner Erblindung. Nicht ungewöhnlich, sind die Herren auf der Anklagebank doch schon betagteren Alters. Und so hört man denn auch später, während des Prozesses, dass es, auch nicht ungewöhnlich, für die Angeklagten nicht leicht ist, sich an Details vor über 30 Jahren zu erinnern. Mal ehrlich, wer könnte das schon, außer er führt akribisch Tagebuch?

"Es fehlen viele aus der Verantwortungskette"

Robert Schromm redet immer wieder von denen, die noch fehlen - aus seiner Sicht sind zwar nicht die Falschen angeklagt, "aber es fehlen viele aus der Verantwortungskette von über drei Jahrzehnten." Er ist nicht der Einzige, dem aufstößt, dass kein Vertreter der Gemeinde mit auf der Anklagebank sitzt. Auch der Verteidiger von Rüdiger S., Rechtsanwalt Rolf Kröger, stellt während des Prozesses die Frage nach den Verantwortlichen aus der Stadt Bad Reichenhall, schließlich ist sie Bauherrin und Aufsichtsbehörde "Da rebelliert mein natürliches Rechtsempfinden, dass keiner von diesen Leuten heute hier sitzt", schimpft Kröger. "Die Eishalle wurde praktisch als Schwarzbau errichtet und über 30 Jahre lang weiter geführt." Beispielsweise fehlte die Prüfstatik bei den Bauunterlagen. Gab es keine oder ist sie verschwunden? Und warum ist das der zuständigen Behörde nie aufgefallen?

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft haben nach rund zwei Jahren ergeben, "dass Luftfeuchtigkeit und eindringendes Regenwasser die fehlerhafte Dachkonstruktion aus Holz marode werden ließen". Klingt, als könnte manch Verantwortlicher laut dieser Erklärung seinen Kopf aus der Schlinge ziehen. Überhaupt: schuld will natürlich niemand sein. Rolf R. sagt es sei "realitätsfremd, wenn ich als damaliger Berufsanfänger heute den Kopf hinhalten muss" - damals war er 27 Jahre alt, arbeitete in einem Team. Er "sitze als völlig Unschuldiger hier". Rolf R. sieht die Hauptverantwortung auch bei der Stadt, an deren Gesetzestreue er allerdings keinen Zweifel hatte - damals. Genauso wie Rüdiger S., der sich, wie er am Rande der Verhandlung sagt, "eindeutig als Bauernopfer" fühlt. Walter G. wird von der Staatsanwaltschaft am heftigsten in die Mangel genommen, gesteht er doch als Einziger ein, Fehler begangen zu haben bei der Planung und Montage des Hallendaches. Es geht um fehlerhafte Berechnungen und dass wasserlöslicher Leim verwendet wurde. Walter Gs größter Fehler war wohl, zumindest stellt er es so dar, seine Vertrauensseligkeit. "Ich habe den anderen Beteiligten vertraut. Das war falsch. Ich hätte kritischer sein müssen." Zwischendurch wird seine Stimme weinerlich, die Verhandlung wird auf schriftliche ärztliche Anordnung zweimal unterbrochen - Walter G. war vorletzte Woche wegen Suizidgefahr ins Bezirkskrankenhaus Augsburg gebracht worden.

Für den Prozess sind 12 Verhandlungstage angesetzt

Robert Schromm hat am Anfang der Verhandlung zur Decke geguckt. "Hoffentlich stürzt sie nicht ein", habe er gedacht. Es ist seine Art von Humor. Den Prozess bezeichnet er als "gelungene Show", ernst nimmt er ihn nicht. "Er ist ein Beweis, dass Gerechtigkeit kein Wert mehr ist in diesem Staat", sagt er. Doch er hat auch ein Versprechen einzulösen. Seiner siebenjährigen Tochter Ricarda hat er fest versprochen, dass die Schuldigen bestraft werden, die ihr die Mama und ihm die Frau weggenommen haben. Auch Ricarda, damals war sie fünf Jahre alt, lag unter den Trümmern - sie wurde als letzte noch Lebende geborgen, mit Prellungen, gequetschter Niere und verletztem Oberschenkel. Als der Papa heute Morgen zum Gericht gegangen ist, hätte sie am liebsten seine Hand genommen und ihn begleitet. Irgendwann wird es soweit sein - für den Prozess sind 12 Verhandlungstage angesetzt. Bis dahin, so erzählt der Robert Schromm, wird sich Ricarda entschieden haben, welche Kleider sie ihrer Puppe Melanie zur Gerichtsverhandlung anziehen soll: "Darüber grübelt sie jeden Tag", sagt er und lächelt sein Vertrauenslehrer-Lächeln. Ricarda ist der größte Halt in Robert Schromms Leben. "Jeden Tag ist sie der erste Mensch, den ich angucke - und dann denke ich mir immer: um Haaresbreite hätte ich sie auch verloren." Das Urteil soll am 24. April verkündet werden. Robert Schromm nickt einer guten Freundin dankbar zu, die für ihn Tee aus dem Automaten holen will. Er sagt: "Vielleicht gibt es für die Gerechtigkeit doch noch eine Chance."

Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
  • Sylvie-Sophie Schindler