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Polizei gibt Entwarnung Amokläufer erschießt in Heidelberg einen Menschen und verletzt drei weitere – Angreifer tot

Polizei gibt Entwarnung: Amokläufer erschießt in Heidelberg einen Menschen und verletzt drei weitere – Angreifer tot
Sehen Sie im Video: Amoklauf in Heidelberg mit mehreren Verletzten – Täter inzwischen tot.




Ein Angreifer hat in Heidelberg mehrere Personen in einem Hörsaal auf dem Unicampus mit einer Langwaffe verletzt. Der Täter sei tot, teilte das Polizeipräsidium Mannheim mit. Sprecher Patrick Knapp: "Im Anschluss ist der Täter flüchtig gegangen und hat sich nach derzeitigem Ermittlungsstand selbst erschossen. Mehr können wir zum jetzigen Stand noch nicht zu der Lage sagen." Zunächst ging die Polizei nicht von weiteren Angreifern aus, ließ aber das Gelände durchsuchen. Zur Identität von Angreifer und Verletzten gab es zunächst keine Angaben. Auch die Art der Verletzungen blieb vorerst unklar, ebenso das Motiv des Täters.
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Großeinsatz der Polizei an der Universität Heidelberg: Eine Person hat den Einsatzkräften zufolge mehrere Menschen in einem Hörsaal angegriffen und verletzt. Der Angreifer ist inzwischen tot – ein Opfer soll den Verletzungen erlegen sein.

Blutiger Angriff auf dem Gelände der Heidelberger Universität im Gebiet Neuenheimer Feld: Ein Einzeltäter habe am Montagmittag während einer Vorlesung mit einer Langwaffe mehrere Menschen in einem Hörsaal verletzt, teilte die Polizei Mannheim mit. Anschließend ist er laut den Polizeiangaben in den Außenbereich geflüchtet. Der Täter sei inzwischen tot. Es bestehe keine Gefahr mehr. Die Deutsche Presse-Agentur (DPA) nannte die Attacke einen Amoklauf. Die Polizei teilte auf Twitter mit, dass vier Menschen zum Teil schwer verletzt wurden. Nach Informationen der DPA und der Nachrichtenagentur AFP sei eine junge Frau ihren schweren Verletzungen erlegen. Der Täter habe ihr in den Kopf geschossen, hieß es laut DPA aus Sicherheitskreisen. Eine offizielle Bestätigung dazu gibt es bislang dazu nicht.

Es wurde ein Bürgertelefon für Angehörige eingerichtet: 0621/174-5055.

"Den Ermittlungen zufolge ist der Täter kurz vor halb eins in den Hörsaal gekommen und hat um sich geschossen", sagt ein Polizeisprecher. In Sicherheitskreisen hieß es der DPA zufolge, der Mann habe sich selbst getötet. Diese Angaben wurden aber offiziell noch nicht bestätigt. Die Polizei erklärte: "Wir gehen von einem Einzeltäter aus." Zur Sicherheit werde das Gelände aber weiter abgesucht. Für den frühen Montagabend ist eine Pressekonferenz geplant. Die Staatsanwaltschaft übernahm federführend die Ermittlungen. Die Ermittler überprüfen nun "alle Hinwendungsorte" – sprich: seine Wohnung. Welche Motive der Täter hatte, ob er legal Waffen besessen hat – all das kann die Polizei zunächst nicht beantworten.

Angreifer an Uni Heidelberg soll Student gewesen sein

Auf dem Campus im Stadtteil Neuenheim am nördlichen Neckarufer befinden sich vor allem naturwissenschaftliche Fakultäten der Universität, Teile des Universitätsklinikums und der Botanische Garten. Die Polizei gab bekannt, dass sie weiter "mit starken Kräften vor Ort" sei. Experten untersuchten einen Rucksack, auch ein Gewehr war auf Bildern zu sehen. Vor den Absperrungen standen junge Leute beisammen.

Zur Identität der Verletzten gibt es bislang keine offiziellen Informationen. Die Polizei machte zunächst auch keine näheren Angaben zur Biografie des mutmaßlichen Amokläufers und zur Herkunft seiner Waffe. Laut DPA soll er selbst Student gewesen sein. Er habe nach ersten Erkenntnissen keine politischen oder religiösen Motive gehabt, berichtet die Nachrichtenagentur unter Berufung auf Sicherheitskreise. Der Angreifer habe mehrere Langwaffen bei sich gehabt und soll sich schließlich selbst erschossen haben.

Ein Notarzt-Wagen steht am Gelände der Heidelberger Universität
Ein Notarzt-Wagen steht am Gelände der Heidelberger Universität. Nach Angaben der DPA wurden drei Menschen verletzt und eine getötet.
© R.Priebe//Pr-Video / DPA

Die Universität wollte zunächst keine Auskunft zu dem Vorfall geben und verwies an die Polizei. Später veröffentlichte die Universität auf ihrer Homepage eine Nachricht. Darin heißt es: "Bei aller Betroffenheit und in Sorge um die Studierenden und Mitarbeiter, die diese Tat miterleben mussten, setzt die Universitätsleitung derzeit alles daran, die Polizeibehörden bei der Aufklärung der Tat zu unterstützen. Der Rektor der Universität Heidelberg wird sich im Rahmen einer Pressekonferenz der Polizei am Abend dazu äußern. Nach dem aktuellen Stand der Dinge sind keine ausländischen Studierenden von den Geschehnissen betroffen. Die Universitätsleitung trifft alle Vorbereitungen für eine zeitnahe psychologische Unterstützung der Betroffenen."

Anteilnahme aus der Politik – Studierende fassungslos

Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) war am Nachmittag auf dem Weg zum Tatort. Sie habe sich zunächst mit Uni-Rektor Bernhard Eitel getroffen und wolle sich nun selbst ein Bild machen, teilte eine Sprecherin des Ministeriums mit. "Ich bin entsetzt. Es lässt einen sprachlos zurück, wenn unschuldige junge Menschen im Hochschulbetrieb so etwas erleben müssen. Ich bin in Gedanken bei denen, die verletzt wurden und betroffen sind. Ich wünsche mir sehr, dass bald Genesung eintritt.", sagte Bauer.

Eckart Würzner, Oberbürgermeister der Stadt Heidelberg (parteilos), schrieb auf Facebook: "Liebe Heidelberginnen und Heidelberger, der heutige Tag ist ein fürchterlicher für uns alle. Die Situation ist momentan undurchsichtig, deswegen bitte ich Sie, der Polizei Mannheim und Ihren Anweisungen zu folgen und keine vorzeitigen Spekulationen und Gerüchte zu verbreiten."

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir, der rund 130 Kilometer südlich von Heidelberg in Bad Urach geboren wurde, zeigte sich bestürzt von dem Vorfall: "Meine Gedanken sind bei den Verletzten, bei den Mitarbeiter*innen der Uni, bei Polizei, Notdienst & allen weiteren Einsatzkräften", schrieb der Grünen-Politiker auf Twitter.

Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) twitterte: "Schreckliche Nachrichten erreichen uns aus Heidelberg. Meine Gedanken sind bei den Opfern und Menschen vor Ort. Danke an die Einsatzkräfte für ihren Dienst." 

Auch Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) reagierte: "Meine Gedanken sind in Heidelberg bei den Verletzen und Angehörigen. Spekulationen verbieten sich. Mein Dank gilt allen Einsatzkräfte vor Ort." Die Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) schrieb ebenfalls auf Twitter: "Erschütternde Nachrichten aus Heidelberg. Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen. Ich wünsche ihnen schnelle und vollständige Genesung." 

Viele Studierende zeigten sich ebenfalls fassungslos. "Wir sind unendlich schockiert. Das ist eine Katastrophe, die sich allem Denkbaren zwischen Vorlesungen, Klausuren und Unileben entzieht", sagte Peter Abelmann, Vorsitzender der Verfassten Studierendenschaft, am Montag. Die Nachricht über den Amoklauf habe sich unter den Studierenden wie ein Lauffeuer verbreitet, sagte Abelmann. Einige hätten über Messenger-Dienste direkt über die Tat berichtet. Die Studierendenschaft sei in Gedanken bei den Betroffenen.

Schock bei Angestellten der Universität

"Zuerst haben wir das gar nicht geglaubt, was da über Telegram und Whatsapp rein kam", erzählt der 32-Jährige, der am benachbarten Campus Bergheim Soziologie, Philosophie und Kunstgeschichte studiert. Doch die Helikopter in der Luft hätten dann keinen Zweifel gelassen – etwas Schlimmes war passiert. Einige Studenten seien nach Hause gegangen, andere wie er selbst seien wegen der unklaren Situation in den Räumen geblieben. Ohnehin seien die Busse nicht mehr gefahren.

Eine Mitarbeiterin des Uniklinikums war gerade auf dem Weg in die Mittagspause. "Eigentlich wollte ich nur kurz zum Bäcker, da sind mir schon richtig viele Streifenwagen entgegengekommen. Im Zehn-Sekunden-Takt. Da dachte ich mir, dass irgendwas passiert sein muss." In der Klinik sei eine Art Notfallprotokoll ausgelöst worden, alle Türen seien verriegelt worden.

"So etwas im ruhigen Heidelberg", sagt eine Frau, die am Nachmittag mit anderen Angestellten der Universität unweit der Polizisten steht. "Man kennt das ja nur aus dem Fernsehen." Ihre Begleiterin schüttelt den Kopf. "Erst vor ein paar Jahren ist ein Mann hier in Heidelberg mit dem Auto Amok gefahren und hat einen Mann getötet", sagt sie. "Alle waren schockiert. Das hier ist genauso schlimm."

rw / mad DPA AFP

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