Urteil Autobahnraser muss ins Gefängnis


Im Karlsruher "Autobahnraser-Prozess" ist der angeklagte DaimlerChrysler-Testfahrer zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Zudem wird Rolf F. für 18 Monate der Führerschein entzogen.

Der Karlsruher Autobahnraser muss den Unfalltod einer Frau und ihrer kleinen Tochter mit eineinhalb Jahren Haft ohne Bewährung büßen. Das Amtsgericht Karlsruhe sah es am Mittwoch als erwiesen an, dass der DaimlerChrysler-Ingenieur im vergangenen Juli durch Drängelei auf der Autobahn A 5 bei Karlsruhe den tödlichen Unfall verursacht hatte. Die Verteidigung kündigte Rechtsmittel gegen das Urteil an.

Das Gericht sprach den 34-Jährigen wegen fahrlässiger Tötung in zwei Fällen und fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs schuldig. Sein Führerschein wird für 18 Monate entzogen. Das Schöffengericht folgte weitgehend dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die ein Jahr und neun Monate Haft ohne Bewährung sowie einen einjährigen Führerscheinentzug gefordert hatte. Die Verteidigung hatte Freispruch beantragt.

Monatelange Fahndung

Die monatelange Fahndung nach dem Todesraser hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Mit dem Strafmaß habe das Gericht "nicht das Volk oder die Presse befriedigen" wollen, betonte Hecking. Die Indizien hätten eindeutig gegen den Angeklagten gesprochen, der eine Verwicklung in den Unfall bestreitet. Die vier Hauptzeugen hätten das tragische Unfallgeschehen übereinstimmend geschildert. Der dunkle Mercedes CL 600 Coupé mit seinen auffälligen Doppelscheinwerfern sei eindeutig identifiziert worden.

Demnach war der Mann am 14. Juli 2003 kurz vor 5.30 Uhr mit seinem Dienstwagen vom DaimlerChrysler-Werk Sindelfingen aufgebrochen, um zur Teststrecke nach Papenburg in Niedersachsen zu fahren. Kurz vor 6.00 Uhr überholte er auf der Autobahn A 5 bei Karlsruhe drei Wagen, in denen die nun vier entscheidenden Zeugen saßen. Mit Tempo 220 bis 250 raste er bis auf wenige Meter auf den Kleinwagen der 21-Jährigen auf. Vor Schreck riss die Frau ihr Lenkrad nach rechts herum. Ihr Auto kam ins Schleudern und prallte neben der Fahrbahn gegen zwei Bäume. Die Mutter und ihr zwei Jahre altes Mädchen waren sofort tot.

Der Fahrer des 500 PS starken Mercedes, der den Wagen der Frau halb auf dem linken Grünstreifen überholt hatte, war zum Zeitpunkt des Aufpralls bereits rund 150 Meter enteilt. Er habe den Unfall vermutlich gar nicht bemerkt, sagte die Richterin. Der ursprünglich ebenfalls erhobene Vorwurf der Unfallflucht war von der Staatsanwaltschaft im Laufe des Verfahrens fallen gelassen worden.

Der Angeklagte machte sich verdächtig

Der Mann habe sich nach dem Unfall verdächtig gemacht. Tagelang habe er sich immer wieder nach dem Stand der Ermittlungen erkundigt. Durch eine fingierte Weg-Zeit-Berechnung habe er versucht, den Eindruck zu erwecken, dass er erst zehn Minuten nach dem Unfall den Autobahnabschnitt passiert habe.

Die Richterin kritisierte Kollegen des DaimlerChrysler-Ingenieurs, die sich auf Erinnerungslücken berufen hatten. In keinem Verfahren habe sie jemals eine "derartige Widerwilligkeit" von Zeugen erlebt, auf Fragen zu antworten, sagte Hecking. Keiner habe als "Nestbeschmutzer" gelten wollen. Um so glaubwürdiger seien Aussagen der Kollegen gewesen, dass der Mann schon länger als rücksichtsloser Raser bekannt gewesen sei. Der tödliche Unfall sei Folge eines solchen "grob verkehrswidrigen und rücksichtslosen Fahrstils".

Die Mutter der getöteten Frau sagte nach dem Urteilsspruch unter Tränen: "Das ist eine gewisse Genugtuung, auch wenn es nicht viel ist." Nebenkläger Paul Kleiser, der den Vater des getöteten Mädchens vertrat, sagte: "Spätestens nach den Zeugenaussagen und den Sachverständigen hätte der Angeklagte zugeben müssen, dass er es war. Dann hätte er wahrscheinlich auch eine Bewährungsstrafe erhalten."

Angelika Bruder

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